Motorsport

Formel-1-Tests: Ferrari dominiert den Saisonstart

Noch fürchtet sich die Konkurrenz nicht, doch die Rundenzeiten sind beeindruckend: Nach Vettel war auch Teamkollege Leclerc Schnellster. Und: Die Jungen setzen Rufzeichen.

Die erste Überraschung beim ersten Formel-1-Test des Jahres auf dem Circuito de Catalunya: Fanmassen im Fahrerlager und ein übervolles Pressezentrum, und das im Jahr eins ohne Lokalmatador Don Fernando. Schnell scheinen die Spanier "ihren" Alonso vergessen zu haben.

Die zweite Überraschung: Nach Sebastian Vettels Bestzeit am ersten Tag (0,4 Sek. vor dem McLaren-Renault von Carlos Sainz) setzte Ferrari auch am Tag zwei (Dienstag) die Maßstäbe, weil auch Neuzugang Charles Leclerc Schnellster war, nur ein Zehntel hinter Vettels Vortagesmarke. Bis wenige Minuten vor dem Ende sah es nach einem "Kantersieg" Ferraris im neuen SF90 in ungewohntem Orange-Rot aus, denn die Konkurrenz mit Kevin Magnussen (Haas) und Antonio Giovinazzi (Alfa Romeo) lag eine Sekunde zurück - war aber auch mit Ferraris Antriebsstrang unterwegs. Doch dann kam Lando Norris: McLarens hoch gehandelter junger Neuzugang presste mit neuen Reifen eine Superrunde in die Bahn und war nur drei Zehntel langsamer als Ferraris Jungstar.

Wie überhaupt die jungen Fahrer Rufzeichen setzten: Leclerc (21) hat gerade eine Saison mit 21 Rennen im Sauber (jetzt: Alfa Romeo) hinter sich und wird schon von vielen als echte Gefahr für "Hausherr" Vettel gesehen. Norris (19) ist F1-Debütant, war vor zwei Jahren Formel-3-Europameister und wurde 2018 Vize in der Formel 2.

Hinter Kevin Magnussen (der Däne im Haas gilt mit 26 Jahren und 81 WM-Starts schon als Routinier) war der nächste Debütant Viertschnellster: Alex Albon (22), britisch-thailändischer Doppelbürger, war 2018 Dritter der Formel 2 und gab ein Nissan-Engagement in der Formel E auf, als ihn Helmut Marko zu Toro Rosso transferierte. Der Neuling war im "kleinen" Red Bull sogar schneller als der Honda-Kollege bei Red Bull Racing, Pierry Gasly. Der hatte zwei Stunden vor Trainingsende mit einem Ausritt für eine Unterbrechung gesorgt. Der neue RB15 wurde beim Einschlag an der Mauer im Heck ramponiert, der Franzose war einigermaßen zerknirscht.

Mercedes deckte wohl auch am zweiten Tag die Karten nicht auf, spulte das Testprogramm mit beiden Stammpiloten (Hamilton, Bottas) ab und hatte 1,7 bzw. 1,3 Sekunden Rückstand auf Leclerc. Doch niemand gibt derzeit schon zu, sich wegen Ferraris Dominanz Sorgen zu machen.

Auch nicht Renault-Neuling Daniel Ricciardo, der ebenfalls für eine Unterbrechung gesorgt hatte, als er den oberen Teil seines Heckflügels verloren hatte. Er brachte den Wagen an die Box, verlor aber viel Zeit - nicht aber seinen Humor: "Als ich bei der Box von Red Bull vorbeifuhr, musste ich winken - und konzentriert weiterfahren", sagte der langjährige RB-Fahrer schmunzelnd.

Bemerkenswert war, dass mit den völlig neuen Boliden meist viele Runden ohne gröbere Probleme abgespult wurden: Leclerc kam Dienstag auf 157, Albon auf 132, Norris auf 104 und Giovinazzi auf 101. Zu einem Kurzeinsatz im Finish kam der dritte Haas-Pilot Pietro Fittipaldi, Enkel des großen Emerson. Weiter warten hieß es bei Williams: Weil der Wagen nicht fertig wurde, wurden die ersten beiden Testtage versäumt. Das Nachzüglerteam des Vorjahres beginnt also Mittwoch schon wieder mit Rückstand.

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