Tennis

Von McEnroe bis Djokovic - Skandale in der Tenniswelt

Für Novak Djokovic haben die US Open 2020 ein unrühmliches Ende genommen. Nachdem ein aus Frust blind nach hinten geschossener Ball eine Linienrichterin getroffen hatte, wurde der Serbe während seines Achtelfinales gegen Pablo Carreño-Busta disqualifiziert. Skandale und Ausraster sind in der Tenniswelt aber keine Seltenheit.

Novak Djokovic entschuldigte sich nach seinem Fauxpas. SN/ap
Novak Djokovic entschuldigte sich nach seinem Fauxpas.

Mit einem Skandal sind die US Open 2020 der Tennisprofis für Topfavorit Novak Djokovic zu Ende gegangen. Der Weltranglistenerste wurde am Sonntag disqualifiziert, weil er nach einem verlorenen Aufschlagspiel wütend einen Ball weggeschlagen und dabei eine Linienrichterin am Hals getroffen hatte. In den sozialen Medien entschuldigte sich der Serbe nach seiner Disqualifikation: "Diese ganze Situation lässt mich wirklich traurig und leer zurück. Es tut mir extrem leid, so einen Stress verursacht zu haben. Ich entschuldige mich bei den US Open und allen Beteiligten für mein Verhalten."

Djokovic fügt sich mit seinem Aussetzer in eine illustre Runde ein. Die SN geben einen Überblick über Skandale und Ausraster in der Tenniswelt:

1. John McEnroe wird bei den Australian Open 1990 disqualifiziert

Der ehemalige Weltranglistenerste war nicht nur aufgrund seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten einer der populärsten Tennisspieler in den 1980er-Jahren. Der US-Amerikaner lehrte mit seinen Wutausbrüchen und Provokationen Gegenspieler sowie Schiedsrichter das Fürchten. Bis heute legendär ist sein Spruch "You cannot be serious" ("Das kann nicht dein Ernst sein"), den er den Unparteiischen regelmäßig an den Kopf warf. Einen besonderen "Glanzmoment" hatte McEnroe bei den Australian Open 1990. Im Achtelfinale des Turniers traf "Big Mac" auf den Schweden Mikael Pernfors. Nachdem McEnroe eine Linienrichterin eingeschüchtert, einen Schläger zertrümmert und den Schiedsrichter beschimpft hatte, wurde der mittlerweile 61-Jährige disqualifiziert. Der siebenfache Grand-Slam-Sieger war nach eigenen Angaben davon ausgegangen, dass er sich noch eine Verwarnung leisten könne, bevor es zur Disqualifikation kam. Die Anzahl an Verwarnungen vor einer Disqualifikation wurde aber kurz vor dem Turnier von vier auf drei Stück verringert. Die Disqualifikation Djokovics hält McEnroe für richtig. "Da war sehr viel Druck auf ihm. Er wird den Rest seiner Karriere der ,bad guy' sein. Wenn er diese Rolle annimmt, kann er zurückkommen", sagte der US-Amerikaner.

2. David Nalbandian befördert Linienrichter ins Krankenhaus

Linienrichter leben im Tennis nicht erst seit dem Aussetzer Novak Djokovics gefährlich. Beim Finale des ATP-Turniers im Londoner Queen's Club im Jahr 2012 verlor David Nalbandian nach einem Ballwechsel gegen Finalgegner Marin Cilic die Nerven. Aus Wut über den verlorenen Punkt trat der Argentinier mit voller Wucht gegen eine Werbebande vor dem Stuhl eines Linienrichters. Dieser wurde von der Bande getroffen und erlitt eine klaffende Wunde am Schienbein. Nalbandian wurde disqualifiziert und wegen Körperverletzung angezeigt.

3. Nick Kyrgios - der "Bad Boy" der Tennis-Neuzeit

Der Australier sorgte in seiner noch relativ jungen Tenniskarriere für eine Anzahl an Skandalen, die ihresgleichen sucht. Der 25-Jährige erhielt für sein undiszipliniertes Verhalten bereits mehrere Verwarnungen und Geldstrafen. Im Jahr 2016 wurde Kyrgios aufgrund unprofessionellen Verhaltens zunächst für sechs Wochen gesperrt, willigte aber ein, sich in sportpsychologische Behandlung zu begeben. Die Sperre wurde auf drei Wochen verkürzt, Kyrgios behielt sein Verhalten aber bei. Beim Tennisturnier in Rom im Mai 2019 wurde der Australier zunächst wegen Fluchens verwarnt, schleuderte dann seinen Schläger und einen Stuhl über den Court und wurde aus diesem Grund disqualifiziert. Bei den US Open 2020 verzichtet Kyrgios aufgrund der Coronakrise auf eine Teilnahme. Hinsichtlich der Disqualifikation des Serben fragt sich das "Enfant terrible": "Wenn mir das passiert wäre, ich einem Ballkind den Ball an die Kehle geschlagen hätte: Für wie viele Jahre wäre ich gesperrt worden? 5? 10? 20?"

4. Stefan Koubek würgt Daniel Köllerer im "Österreicher-Duell"

Seit 2014 gerät Stefan Koubek vorrangig als Kapitän der österreichischen Davis-Cup-Mannschaft in die Schlagzeilen. Während seiner aktiven Karriere im Tennissport sorgte der Kärntner in einem Ligamatch der Tennis-Bundesliga in Gleisdorf im Jahr 2010 für einen Skandal. Nach einem verbalen Disput mit Landsmann Daniel Köllerer ging Koubek beim Wechsel zur Bank seines Gegners und griff ihm so stark an den Hals, dass die Spielerbank nach hinten kippte. Er sei beleidigt worden und habe Köllerer daraufhin "die Gurgel massiert", sagte Koubek. Eine langfristige Sperre blieb dem Kärntner nach einer Begnadigung erspart.

Kontrahent Köllerer sorgte während seiner aktiven Laufbahn für eine Vielzahl an Skandalen. Der Oberösterreicher wurde wegen diverser Ausraster zwei Mal von der ATP gesperrt. Im Jahr 2012 wurde "Crazy Dani" aufgrund von Spielmanipulationen in drei Fällen lebenslang gesperrt.

5. Karolina Pliskova zerstört Tennisschläger und Schiedsrichterstuhl

Im Damentennis zeigte Karolina Pliskova nach ihrem verlorenen Duell gegen Maria Sakkari beim WTA-Turnier in Rom 2018 der Unparteiischen auf ihre ganz eigene Weise, was sie von ihrer Leistung hielt. Die Tschechin freute sich während des dritten Satzes über einen bereits sicher geglaubten Punktgewinn. Die Schiedsrichterin gab den Punkt aber an die Gegnerin, da der Ball im Aus gewesen sei. Pliskova wollte Aufklärung, doch weder die Schiedsrichterin noch die Linienrichterin sahen den Ballabdruck. Die Tschechin verlor die Partie, verweigerte der Unparteiischen den Handschlag und zertrümmerte ihren Schläger am Schiedsrichterstuhl.

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