Bär an der Salzach

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Gedenktafel: Bär, anno 1562

Der Bär an der Salzach ist ein Relief aus Marmor an der Hauswand Franz-Josef-Kai 19 in der Salzburger Altstadt.

Geschichte

Das Halsband der eisernen Kette, an der der Bär angelegt ist, trägt die Jahreszahl 1562.

Eine Legende erzählt von einem dort einst angeschwemmten Bären, dem man ein Denkmal setzen wollte. Wahrscheinlicher erscheint, dass es das ehemalige Hausschild für ein Wirtshaus war, vielleicht jenes des Bärenwirtes in Mülln, das hierher gekommen ist.

Vom Eisengewerke Achthal wurde 1563 der bekannte "Eiserne Bär" gegossen,[1] von dem sich die Bezeichnung für das "Gäßchen zum eisernen Bären" (heute "Franz-Josef-Kai") ableitete.[2] [3]

Das Bärenrelief ist heute noch an dieser Fassade zu sehen, die heute die Fassade des Hauses der Natur ist, früher einmal eine Hauswand des Ursulinenklosters war.

In unmittelbarer Nähe des Bärenreliefs erinnert eine Marmortafel an das groß Sterben 1571 durch die Pest und an die Flut 1572. Zu lesen ist, dass die Brüder Hainrich und Andree Thenn zu ewiger Gedächtnis der Geschichten diesen Stein haben lassen aufrichten. Die Jahreszahl 1580 am unteren Ende der Tafel ist gerade noch zu entziffern. Früher hing auch noch ein Grabstein dort, der an Jörg Eber erinnerte, des Schmölzers Sohn, der 1502 gestorben ist und dem einst dieses Haus gehörte.[4]

Auf der Spur des Bären beim Haus der Natur

Ein Beitrag in der Serie Kulturklauberin von Daniele Pabinger in den Salzburger Nachrichten.

Wie ein Tanzbär schaut er aus, der gerade eines seiner Kunststücke vorführt. Aufgerichtet auf den Hinterbeinen, die Vordertatzen angezogen. Auch die Kette um den Hals deutet darauf hin. In sein Halsband ist die Jahreszahl 1562 eingraviert.

Der gusseiserne Bär prangt salzachseitig auf der Mauer des Hauses der Natur in Salzburg. Allerdings ein wenig abseits der Fußgängerpfade, sodass das Relief leicht übersehen werden kann.

Warum der Bär hier hängt, welche Bewandtnis es mit ihm hat, das erklärt keine Inschrift. Auf den ersten Blick schaut es so aus, als ob er seit eh und je zum Haus der Natur gehören würde. In den Sammlungen befinden sich auch zwei der letzten im Land Salzburg abgeschossenen Braunbären (der 1825 in der Aigenalm im Großarltal und der 1838[5] am Faistenauer Schafberg erlegte Bär). Auch zahlreiche Funde von Knochen aus Bärenhöhlen zählen zum Inventar des Museums.

Doch das Bärenrelief war lang vor dem Museum da, wie die Recherchen zeigen: Das Haus der Natur wurde 1924 in der ehemaligen Hofstallkaserne (heute ide Salzburger Festspielhäuser) gegründet. 1959 übersiedelte es an den heutigen Standort im früheren Ursulinenkloster. Schon damals wachte der Bär an der Klostermauer. Er war aber auch schon vor den Ursulinen da, die das lateinische Wort für Bär, "ursus", im Namen tragen.

Der Legende nach stellt die Abbildung einen von den Salzachfluten angeschwemmten Bären dar. Hier am Salzachgries, an der Gstätten, reichte die Salzach bis zur Regulierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ganz nah an die alte Stadt heran. Der Höhlenforscher Gustave Abel schrieb 1970: "Man hat ihn wegen seiner aufrechten Haltung als Tanzbären bezeichnet, doch fehlt der schon in frühester Zeit angewendete Nasenring. Eine Version besagt, daß ein ertrunkener Bär bei einem Hochwasser an der Gstätten angeschwemmt worden sein soll."

In unmittelbarer Nähe des Bärenreliefs erinnert eine Marmortafel an das "groß Sterben" 1571 durch die Pest und an die Flut 1572. Zu lesen ist, dass die Brüder Hainrich und Andree Thenn "zu ewiger Gedächtnis der Geschichten diesen Stein haben lassen aufrichten". Die Jahreszahl 1580 am unteren Ende des Gedenksteins ist gerade noch zu entziffern.

Die beiden Erinnerungstafeln dürften aber nicht nur zeitlich zusammenhängen. In einem Zeitungsartikel aus 1905 der "Linzer Tages-Post" ist vom Haus der "berühmten salzburgischen Münzmeister-Familie Thenn" die Rede. Es sei in unmittelbarer Nähe des Standorts Ursulinen-Kloster gestanden. "Das Haus hieß ,Bei dem Bären', nach einem Reliefbilde eines Bären in Eisenguß. Der aufrecht stehende Bär ist an eine Kette gebunden. Auf dem Halsbande steht die Jahreszahl 1562, also wohl das Jahr andeutend, in welchem dieses Tier der Sage nach die angeschwollene Salzach hier ans Ufer warf." Auf dem Zeitungsfoto nach der Jahrhundertwende waren das Bärenrelief, die marmorne Erinnerungstafel und darüber ein Grabstein in einem Komplex zu sehen. Damals war die Jahreszahl 1580 auf der Marmortafel noch ganz klar zu lesen.

Der k. u. k.-Archivar Friedrich Pirckmayer schrieb 1883, dass Barbara Thenn im späten 16. Jahrhundert das Haus "Beim Pern" (Beim Bären) besessen hatte. "Das Haus hatte seinen Namen von dem allbekannten aus Eisen gegossenen Bilde eines Bären, welchen Wasserfluthen - der Sage nach - hieher geführt haben sollen."

Sogar ein Gässchen zum Eisernen Bären gab es laut Lorenz Hübners Aufzeichnungen aus 1792 in einer Beschreibung Salzburgs. Dieses Gässchen führte von der Ursulinenkirche Richtung Gries(gasse). Seiner Information nach bezog sich der Name auf das Bärenrelief auf dem Thenn-Haus, das 1605 unter Erzbischof Wolf Dietrich abgerissen wurde.

Nach dem Abriss des Thennhauses muss die Relieftafel in die unmittelbare Nachbarschaft übersiedelt sein. Die Bärentafel und die marmorne Erinnerungstafel blieben also über Jahrhunderte fast am gleichen Ort, wurden aber immer wieder in neue Mauern eingemauert. Die Legende vom angeschwemmten Bären wurde vielfach wiederholt, auch wenn sie nicht unbedingt plausibel scheint. Vielleicht nutzte die Münzmeisterfamilie Thenn das Relief mit dem Bären als plakatives Aushängeschild für ihre Handwerkskunst?

Diese These könnte dadurch erhärtet werden, dass der "Eiserne Bär" 1563 im Eisenwerk Achthal bei Teisendorf (früher salzburgisch) gegossen wurde. Das meldete die Salzburger Chronik im September 1919 beim Verkauf des "alten Salzburger Bergwerks", wo auf den stadtbekannten Bären Bezug genommen wurde. Hier schließt sich der Kreis zum Bärenrelief. Denn Thenn-Brüder und auch ihr Verwandter Christoph Perner waren damals Gewerken im Eisenwerk.

Quellen

Einzelnachweise

  1. ANNO, Salzburger Chronik, 1. Februar 1941
  2. books.google.at, Lorenz Hübner, 1792, Seite 132
  3. books.google.at, Lorenz Hübner, 1794, Seite 132
  4. Salzburger Chronik, 5. September 1919, S. 5
  5. im Artikel Braunbär bereits 1836