Hauptmenü öffnen

Salzburgwiki β

Großgewerkenfamilien

Die drei einheimischen Großgewerkenfamilien, die nach dem Rückzug der auswärtigen Gewerken den Goldbergbau vor allem im 16. Jahrhundert dominierten, waren die Weitmoser, die Zott und die Strasser.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Die erste Bergordnung von 1342 sicherte die rechtlichen Ansprüche des Landesherren, womit die Voraussetzung für die nachfolgenden Verpachtungen im Edelmetallbergbau gegeben waren. Die erste Verpachtung in Gastein erfolgte im Jahr 1344. Erzbischof Ortolf von Weißeneck überließ fünf Bürgern aus Judenburg (Steiermark) das Recht auf das Erz in der Gastein, das Berggericht, die Fron und den Wechsel. Es folgten zahlreiche weitere Verpachtungsverträge, hauptsächlich an auswärtige Gewerken. Begünstigt durch technische Innovationen und ausländisches Kapital setzte im Edelmetallbergbau in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhundert ein echter Aufschwung ein. Im ersten Drittel des 16. Jahrhundert vollzog sich darüber hinaus ein struktureller Wandel. Die ausländischen Gewerken zogen sich mehr und mehr zurück und machten den Platz für heimische Gewerken frei. Nun kam die Zeit der Weitmoser, Zott und Strasser.

Aufstieg und Erfolg

Alle drei Großunternehmerfamilien waren zur Blütezeit des Edelmetallbergbaus in beiden Tälern – in der Gastein und in der Rauris - als Gewerken verankert. Nur die Interessensschwerpunkte lagen geographisch unterschiedlich verteilt: die Weitmoser und die Strasser waren mehr im Gasteinertal, die Zott mehr im Raurisertal vertreten. Neben diesen drei Großgewerkenfamilien hatten die Kleingewerken, wie die Rauriser Hundsdorfer, Hölzl, Premauer und die Gasteiner Hermannsecker, Krünner, Perner kaum eine echte Chance. Vor allem die Weitmosers, allen voran Christoff Weitmoser (* 1506; † 1558), beherrschten durch rund drei Jahrzehnte die Produktion im Gasteinertal und in Rauris.

Verstärkte Konzentration nach dem Bauernkrieg

Die nach dem Bauernkrieg eingeführte Brandsteuer belastete vor allem die Kleingewerken, die nun gezwungen waren, ihren Grubenbesitz zu verkaufen. In den meisten Fällen waren die Käufer die Weitmoser und die Zott. Somit war die zunehmende Konzentration des Bergbaues in den Händen weniger Großgewerken zumindest auch eine Folge des Bauernkrieges. Die großen Gewerken erhielten auch aufgrund ihres Kontakts zum Landesherrn Begünstigungen, die den Kleinunternehmern verwehrt blieben. Nur Großgewerken bekamen beispielsweise wieder Wälder verliehen, wodurch der Betrieb ihrer Schmelzhütten gesichert war, während die Kleinen aufgeben mussten.

1553 gab Herzog Ernst das einträgliche Kohlegeschäft aus der Hand. Da sich die Kohlenerzeugung gut eingespielt habe und künftig von den Gewerken selbst mit guter Ordnung wohl erhalten werden mag, schloss er mit den Gewerken Christoff Weitmoser, Martin Strasser und Josef Zott samt deren Mitgewerken einen Vertrag, mit welchem er namentlich bestimmte Wälder im Pinzgau sowie alle seine Lender Anlagen übergab: ein großes gemauertes Haus, die Holzlände als Gesamtanlage, die Kohlenmeiler und Kohlenparme, die mittels eines Mühlrades mechanisch betriebene Säge, eine Mühle und ein Bäckerei, Getreidespeicher und Stallungen. …Die drei Großgewerken fühlten sich nun als die eigentlichen Herren in Lend und traten vor allem in der Waldfrage groß auf.

Niedergang

Der berühmteste Gewerke, Christoff Weitmoser, starb am 2. Mai 1558. Weitmoser hinterließ in seinem Testament ein ansehnliches Vermögen. Jede seiner drei Töchter bekam 75.000 Gulden, was für die damalige Zeit sehr viel Geld war. Nach Christoff Weitmosers Tod ging es rasch abwärts. Seine Erben waren unmündig und wurden durch „Gerhaben“ (Vormünder) vertreten.

Martin Strasser verstarb am 19. März 1560, sein Bruder Wolfgang Strasser am 22. Oktober 1561. Wie Christoff Weitmoser hinterließen auch die beiden Brüder Strasser nur unmündige Erben, die von „Gerhaben“ vertreten werden mussten. So trat Martin Strasser II., der Sohn des verstorbenen Wolfgang Strasser, formal das Erbe seines Onkels an.

Seine Kuratoren gehörten den verschwägerten Familien der Seenus, Katzpeck und Mordax an, als Obrister Gerhabe fungierte aber der Landesherr höchstpersönlich: Erzbischof Johann Jakob von Kuen-Belasy. Dieser besaß 1569 selbst 5/36 am Edelmetallbergbau und hatte so als Strasserscher Gerhabe weitreichend und unmittelbaren Zugriff auf rund ein Drittel des gesamten Gastein-Rauris-Lender Montanistikums. Die Inhaber der restlichen zwei Drittel, nämlich das junge Brüderpaar Weitmoser beziehungsweise die eben erst großjährig gewordenen Brüder Zott, steckten durch den Rückgang der Edelmetallproduktion in Finanznöten und hatten daher eine schwache Verhandlungsposition. Der Landesherr konnte deshalb seine Zukunftsvision einer Konzentration des gesamten Edelmetallbergbaus in einer gemeinsamen Handelsgesellschaft leicht durchsetzen.

Die neue Generation der drei Großgewerkenfamilien bestand aus jungen Männern, die noch wenig Erfahrung im Geschäftsleben der damaligen Zeit besaßen. Auch ihre Interessen unterschieden sich von denen ihrer Unternehmerväter. „Sie wandten sich zunehmend anderen Idealen zu und gingen das Risiko eines Bergbauengagements nur zögernd ein. Gültenbesitz, wie bei Weitmoser, oder eine Karriere im Dienste des Landesherrn, wie bei Strasser, traten als verlockende Alternativen in den Vordergrund.

Die Lender Handelsgesellschaft

Die neu gegründete Gesellschaft war von vornherein mit Hypotheken belastet und dies im wörtlichen wie im übertragenen Sinn des Wortes. „Das in den Bergbaueinrichtungen und sonstigen Realitäten gebundene Kapital errechnete man auf 200.000 Gulden. Vom Landesherrn kamen 20 % als disponibles Geld, also rund 40.000 Gulden. Die Weitmoser hingegen verfehlten die vereinbarte Realwerteinlage und somit partiell auch die Deckung des Kredites durch die in die Gesellschaft eingebrachten Anteile um rund 10.000 Gulden, die Zott gar um 30.000 Gulden. Als Hypothek könnte man auch die sofort einsetzenden persönlichen Querelen bezeichnen.

Die Einkünfte der Lender Handelsgesellschaft verringerten sich bis 1576 stetig. Obmann Michael Katzpeck zog sich daher zurück. Gezwungenermaßen übernahmen die Brüder Weitmoser (Hans II. und Christoff II.) die Obmannschaft, doch 1585 wurde der Höhepunkt der Krise erreicht. „Die Weitmoser hatten nicht nur von der Obmannschaft genug, sondern wollten aus der Gesellschaft austreten, wofür die groß zerspaltung, uneinigkeit und groß Misstrauen der Gewerckhen nicht die mynnste ursach seien.“ Der Bergbau machte ihnen keine Freude mehr und sie wollten in Rauris nichts mehr investieren. „In Gastein würden sie weiter im Bergbau bleiben, soferne ihnen der Landesherr mit >gnädigster< Hilfe entgegenkäme, was ja auch im Interesse der Arbeiter läge, da diese und ihre Familien bei einer Schließung des Bergbaues ihres >Stückl Brots< verlustig gingen.“ Tatsächlich nahm der Niedergang des Bergbaues bedrohliche Ausmaße an. Ursächlich war dafür nicht das Vordringen der Gletscher und die Protestantenvertreibung, wie gelegentlich angeführt wird, sondern die Erschöpfung der Lagerstätte und zunehmende technische Schwierigkeiten beim Bau in die Teufe.

Der „Neue Lender Handel“

Die Lender Handelsgesellschaft wurde 1588 auf Anordnung von EB Wolf Dietrich von Raitenau aufgelöst und der „Neue Lender Handel“ als Staatsbetrieb gegründet. An diesem waren die Großgewerkenfamilien Weitmoser, Zott und Strasser nicht mehr beteiligt.

Quellen