Höhere Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe Wolfgangsee

Aus Salzburgwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Schuldaten[1]
Schulkennzahl: 503429
Name der Schule: Höhere Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe Wolfgangsee
Adresse: Ried 37
5360 St. Wolfgang
Website: www.hlw-wolfgangsee.at
E-Mail: sekretariat@hlw-wolfgangsee.at
Telefon: (0 61 38) 80 02
Direktor: Mag. Thomas Leinwather

Die Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe Ried am Wolfgangsee (HLW Ried am Wolfgangsee) ist eine UNESCO-Schule in der Flachgauer Gemeinde St. Gilgen und zählt zu deren denkmalgeschützten Objekten

Geografie

Sie befindet sich im Ortsteil Ried nahe der Gemeindegrenze des oberösterreichischen St. Wolfgang im Salzkammergut in den Gebäuden des Ferienhorts Ried am Wolfgangsee unterhalb des Schafbergs beheimatet. Sie ist auf Straßen nur über Oberösterreich (St. Wolfgang) vom Zentrum von St. Gilgen erreichbar.

Geschichte

Das Schulgebäude wurde 1911 vom Verein Ferienhort als Sommerlager errichtet. Es stellt die erste Stahlbetonkonstruktion im Bereich des Wohnbaus in Österreich dar. Im Turn- und Festsaal ist diese Konstruktion heute noch deutlich sichtbar. Als architektonisch wertvolles Gebäude steht das ganze Ensemble unter Denkmalschutz.

Im Ersten Weltkrieges wurde das Gebäude als Marinekadettenschule Ferienhort durch die k. u. k. Kriegsmarine in Pula benutzt (vier Ruder-Beiboote aus dieser Zeit sind heute noch in Verwendung). Im Jahr 1923 wurde elektrische Beleuchtung eingebaut.

Am 21. September 1938 musste die Liegenschaft am Wolfgangsee mit allen Einrichtungen und Inventar der Nationalsozialistischen Volksfürsorge Salzburg übertragen werden. Ab 1. Oktober 1941 wurden sie von der Kriegsmarine genutzt, die dort eine Marine-Unteroffiziers-Vorschule, seit 1943 eine Seeberufsfachschule errichtete. Diese wurde am 14. April 1945 aufgelöst.

Am 7. Juni 1945 wurde der Ferienhort zwecks Unterbringung amerikanischer Soldaten beschlagnahmt am 25. Oktober 1945 dem wiederhergestellten Verein "Ferienhort für bedürftige Mittelschüler" zurückgegeben. Seit 1946 ist die Republik Österreich Mieter des Schulgebäudes.

Seit 1957 war im Ferienhort in Ried bei St. Wolfgang bis 1958 eine Expositur der neu entstandenen Höheren Bundeslehranstalt für Frauenberufe in Salzburg[2] untergebracht, die von 1959 bis 1971 als Expositur der Höhere Bundeslehranstalt Bad Ischl geführt wurde. Für die Schulleitung vor Ort war eine Fachvorständin zuständig, die der Direktorin in Bad Ischl unterstand. In der Schule unterrichteten Hauswirtschaftslehrerinnen, die gleichzeitig als Erzieherinnen tätig waren, und einige externe Lehrkräfte, die Gegenstände wie Englisch, Deutsch oder Geschichte lehrten.

Im Ferienhort Ried wurde eine dreijährige Fachschule für wirtschaftliche Frauenberufe und ein vierjähriger Lehrgang mit Matura angeboten. Bis 1963 besuchten die Schülerinnen beider Ausbildungslehrgänge das erste Schuljahr gemeinsam. Erst nach Abschluss des ersten Schuljahres wurden die Schülerinnen einerseits nach Leistung, mitunter auch nach Entscheidung der Eltern einem der beiden Ausbildungszweige zugeteilt. Das führte bisweilen dazu, dass einzelne sehr gute Schülerinnen aufgrund der Kassenlage der Eltern nur die dreijährige Fachschule besuchten, während Schülerinnen mit durchschnittlichen Leistungen durchaus auch den Maturazweig besuchen konnten.

Ab 1963 wurde der Maturazweig von vier auf fünf Jahre ausgeweitet. Ab diesem Schuljahr wurden beide Ausbildungszweige – die dreijährige Fachschule und der fünfjährige Zweig mit Matura - bereits ab der ersten Klasse getrennt geführt.

Von 1971 bis 1984 war die Schule wieder eine Expositur der Höheren Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe in Salzburg. Seit 1984 ist sie eine selbstständige Schule im Bereich des Landesschulrates für Salzburg.

Anfangs wurde sie als dreijährige Fachschule für wirtschaftliche Berufe (1995 bis 2002 mit Ausbildungsschwerpunkt Ernährung und Betriebswirtschaft, seit 2002 mit Eventmanagement) und als einjährige Haushaltungsschule geführt. Ab 1987 (?) folgte ein dreijähriger Aufbaulehrgang für wirtschaftliche Berufe (1996 bis 2003 mit Marketing und Kommunikation), der bis zur Matura führt. Seit 2016 bietet die Schule eine Vertiefung zu Eventmanagement. Seit 1984 ist die HLW Wolfgangsee eine selbstständige Schule im Bereich des Landesschulrates für Salzburg.

Anfangs wurde sie als dreijährige Fachschule für wirtschaftliche Berufe (1995 bis 2002 mit Ausbildungsschwerpunkt Ernährung und Betriebswirtschaft, seit 2002 mit Eventmanagement) und als einjährige Haushaltungsschule geführt. Ab 1987 (?) folgte ein dreijähriger Aufbaulehrgang für wirtschaftliche Berufe (1996 bis 2003 mit Marketing und Kommunikation), der bis zur Matura führt. Seit 2016 bietet die Schule eine Vertiefung zu Eventmanagement.

Seit 1990 gibt es auch eine fünfjährige Höhere Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe (mit Vertiefung Dritte lebende Fremdsprache). Seit 2016 wird eine zweite Vertiefung Selfness - bewusst.gesund.aktiv angeboten, die von der aufgelassenen HLW Hallein übernommen wurde.[3]

Exkurs: Rieder Internatsleben Anfang der Sechzigerjahre

In der ersten Hälfte der 1960er-Jahre bestand für die Schülerinnen in Ried ein Internatszwang. In den Schlafsälen standen 50–55 Betten, zwischen zwei Betten stand ein Nachtkästchen und davor lag ein Bettvorleger. Es gab in jedem Saal vier Bettenreihen. Der „Privatbereich“ der Mädchen beschränkte sich neben dem Bett auf einen Spind in der Garderobe, ein Nachtkästchen und ein verschließbares Speisekästchen. Da diese Behältnisse in regelmäßigen Abständen auf Inhalt und Ordnung und manchmal auch überfallsartig kontrolliert wurden, ist hier nur bedingt von Privatbereich zu sprechen.

Das Zimmer der diensthabenden Erzieherin befand sich direkt vor dem Schlafsaal. Ab 21 Uhr herrschte absolute Bettruhe. Die Schülerinnen des ersten Jahrgangs durften erst zu Allerheiligen zum ersten Mal und anschließend nur ein Mal monatlich nach Hause fahren, die älteren Schülerinnen einmal im Monat. Die seltenen selbständigen Ausgänge nach St. Wolfgang waren zeitlich und räumlich beschränkt. Kaffeehäuser, die in Kombination mit Hotels geführt wurden und Hotels durften von den Schülerinnen nicht betreten werden. Auch die freie Bewegung im Umfeld der Schul- und Internatsgebäude war strikt reglementiert und der größere Teil des Außenbereiches durfte nicht betreten werden. Das Grüßen der Respektspersonen (alle Erwachsenen) war vorgeschrieben. Das Ziel dieser Restriktionen war das ständige im Auge behalten jeder einzelnen Schülerin zwecks anständigem Benehmen und Schutz vor „sittlichen Gefahren“. Den Augen des Lehrpersonals, resp. der Erzieherinnen, konnten die Mädchen nur mit Kreativität, Phantasie und Mut entkommen. Ein krankheitshalber Zuhause bleiben anlässlich einer gefürchteten Schularbeit gab es naturgemäß nicht, da Schule und Internat in einem Gebäude kombiniert waren. Einer der möglichen Wege des Fernbleibens war es, sich während der betreffenden Schulstunde auf eine der Klobrillen in einem der WCs zu hocken, so dass unterhalb der unten und oben offenen Holzverschläge keine Beine und oberhalb kein Kopf zu sehen war..

Neben den jeweils diensthabenden und daher im Internat wohnenden Lehrerinnen und Erzieherinnen – diese waren oft nur einige wenige Jahre älter als die älteren Schülerinnen - waren damals nur drei externe Bedienstete – eine Frau und zwei Männer – angestellt. Diese waren für die Instandhaltung des riesigen Gebäudekomplexes samt Nebengebäuden und Außenanlagen zuständig, wobei bis Anfang der 1960er-Jahre die Innenräume mit Holz und Kohle beheizt wurden, was einen erheblichen zusätzlichen Arbeitsaufwand bedeutete. Die Mädchen selbst hatten neben den vielen Schulstunden und den außerschulischen Lernstunden für die Reinigung des Internats zu sorgen. Das objektiv Gute daran war, dass dadurch die Internatskosten für die Eltern vergleichsweise niedrig waren. Für die Schülerinnen bedeutete das hingegen pro Woche einen fünftägigen, etwa halbstündigen Arbeitsdienst und am Samstag – je nach Räumlichkeit - einen längeren Putzdienst. Dazwischen lag eine dienstfreie Woche. Es konnte aber auch passieren, dass zwei Dienste in zwei aufeinander folgenden Wochen abzuleisten waren. Diese Dienste wurden wöchentlich verlost.

Es gab Dienste wie Schlafsaal-, Garderobe-, WC-, Speisesaal-, Waschraum-Dienst etc. Schlafsaal-Dienst bedeutete beispielsweise die Reinigung des Inventars (unter der Woche das Abstauben und Ausrichten der Bettgestelle, der Nachtkästchen und der Bettvorleger) und das Kehren der Böden. Die Fenster mussten zum Glück nicht jede Woche geputzt werden. Am Samstag hatten die beiden Schlafsaaldienst habenden Schülerinnen für das händische Hinuntertragen von rund 50 Bettvorlegern, deren händisches Ausklopfen vor dem Haus und das Zurücktragen derselben in den Schlafsaal - dieser lag im ersten oder im zweiten Stockwerk - zu sorgen. Wurden die Mädchen beim aus dem Fenster werfen der Bettvorleger erwischt, setzte es eine Strafe. Am Samstag war auch der Boden zu wischen. Gefürchtet war auch der WC-Dienst, galt es doch dort von den jeweils zehn WCs in einer Reihe auch meist einige verstopfte zu reinigen.

Wie beim Militär wurden Spind-Kontrollen durchgeführt, nicht Kante auf Kante geschlichtete Unterwäsche musste neu geordnet werden und es wurden oft bereits bei geringen Anlässen Strafen wie z. B. ein Strafdienst in der an sich freien Woche verordnet.

Der Druck, der sich durch diese Bedingungen in den Schülerinnen aufstaute, führte gelegentlich zu kleineren oder größeren, entweder individuellen oder kollektiven Widerständigkeiten und Revolten und diese wiederum zu anschließenden Strafen wie beispielsweise eine mehrwöchige Ausgangssperre. Für Mädchen aus schwierigen familiären Verhältnissen, war der Internatsaufenthalt dennoch eine Erleichterung. Für Mädchen aus Familien, in denen man den Kindern derartige Arbeitsleistungen nicht abverlangte und solche Erziehungsmethoden nicht anwendete, war das Internat in Ried oft nur schwer zu ertragen, sodass manche Mädchen nach dem ersten Jahr die Schule verlassen haben.

Für den Internatsbereich wurde pro Semester auch ein Zeugnis ausgestellt. In diesem gab es lediglich die Benotung 1, 2 oder 3 und zwar kombiniert für Fleiß, Ordnung und Benehmen, wobei die begleitende schriftliche Erläuterung schon ab der Note 2 derart krass war, dass die Eltern mancher Mädchen entsetzt waren, wenn ihre Tochter im ersten Jahr kein sehr gut erhalten hatte.

Was aus gegenwärtiger Sicht als militärischer Drill und als Ausbeutung Minderjähriger interpretiert werden könnte, betrachtete man damals als notwendige und gerechtfertigte Erziehungsmaßnahmen, bzw. als zweckgemäße Einübung in das zukünftige weibliche Erwachsenenleben, das im Hausfrauendasein, bzw. in einem Berufsleben, das auf Haus- und Fremdenverkehrswirtschaft ausgerichtet war, bestehen sollte.

Direktoren

Weblink

Quellen

  • Mayer, Stefan: Exklave im Salzkammergit. Zu Fuß oder über den See nach Ried, in: Salzburger Grenzfälle. Kurioses über Grenzen hinweg. Land Salzburg 2006, S. 15.
  • Christina Nöbauer als Zeitzeugin

Einzelnachweise

  1. www.lsr-sbg.gv.at
  2. Laireiter, Matthias: Im Dienste der Jugend. Erziehung und Schule im Bundesland Salzburg von 1945 bis 1963. Hrsg. vom Landesschulrat für Salzburg. Salzburg 1965, S. 164.
  3. www.hlw-wolfgangsee.at/schule/geschichte/geschichte-unserer-schule