Josef Karl Mayr
Dr. Josef Karl Mayr (* 21. August 1885 in Salzburg; † 2. Dezember 1960 in Wien?) war ein Salzburger Historiker und Archivar.
Leben
Josef Karl Mayr war der Sohn des aus dem Innviertel stammenden Notars Dr. Josef Mayr und der Ida geborene Spängler.
Der Vater erhielt später das Notariat in Prägarten in Oberösterreich. Josef Karl besuchte dort die Volksschule, dann als Zögling des Collegium Rupertinum das Salzburger Staatsgymnasium. In den ersten Jahren war Hans Widmann, der Salzburger Landesgeschichtsschreiber, sein Lehrer in Geschichte und Geografie.
Nach der Matura (1904) nahm Mayr ein Studium der Geschichte und Geografie an der Universität Wien auf, wechselte aber nach zwei Semestern an die Universität Innsbruck. Dort geriet er in den Bannkreis des aus Salzburg stammenden Historikers Wilhelm Erben. Er wandte sich jetzt ausschließlich der Geschichte zu und promovierte am 24. März 1909 mit einer Dissertation über das Thema "Die Linzer Handschrift des deutschen Vegez"[1]. Erben war es auch, der ihn veranlasste, seine Studien am Institut für österreichische Geschichtsforschung in Wien fortzusetzen. Seine Prüfungsarbeit für die Staatsprüfung am Institut, die er mit Auszeichnung bestand, trug den Titel "Die Türkenpolitik Erzbischof Wolf Dietrichs von Salzburg".
Sodann trat er im Oktober 1911 in den Archivdienst und kam bald an das Haus- Hof und Staatsarchiv, an dem er seine ganze folgende Dienstzeit – mit Ausnahme seiner Militärdienstleistung während des Ersten Weltkrieges verbringen sollte.
Im Jahr 1916 heiratete er Adele Löwl, die Tochter des Geographen und Geologen Ferdinand Löwl Edlen von Lenkenthal[2]. Aus der Ehe gingen ein Sohn (gefallen 1943) und eine Tochter hervor.
Im Jahre 1926 habilitierte er sich an der Wiener Universität.
Seiner Salzburger Heimat blieb er auch in der Wahl der Themen seiner wissenschaftlichen Arbeiten treu: durch eine akribische Arbeit über die Geschichte der salzburgischen Zentralbehörden, Fortsetzung seiner Wolf-Dietrich-Studien und insbesondere seine grundlegende Arbeit über die politischen Vorgänge im Zusammenhang mit der großen Protestantenvertreibung von 1731/32. In dieser zeigt sich eindrücklich Mayrs Fähigkeit, aus großen unübersichtlichen Aktenmassen heraus ein umfassendes und doch klares Gesamtbild zu formen.
Mayr beschäftigte sich nicht nur ausführlich mit der Geschichte des Protestantismus, sondern trat aus religiösen Gründen auch zu dieser Glaubensrichtung über.
Im Mai 1944 hatte Hofrat Mayr die Leitung des Haus-, Hof- und Staatsarchivs zu übernehmen, am 2. April 1945 auch die des damaligen "Reichsarchivs Wien", in dem sämtliche Wiener Ministerialarchive zusammengefasst waren. Während der Eroberung Wiens durch die Russen schlug er sein Bett im Haus-, Hof- und Staatsarchiv auf, um es nach Möglichkeit vor Schaden zu bewahren.
Im Jahr 1946 wurde er aus politischen Gründen des Dienstes enthoben und in den Ruhestand versetzt.
Aus der Zeit des Ruhestandes stammen Studien zur Geschichte des Protestantismus und zur Geschichte Salzburgs. Dabei gestaltete er insbesondere die Auswertung eines umfänglichen Aktenbestandes, zu dessen Bewältigung sich sein Freund Franz Martin nicht in der Lage sah, zu einer historischen Abhandlung über Bauernunruhen am Ende des Dreißigjährigen Krieges.
Ehrungen
- 1935: Ehrenmitglied der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde
- 1956: Paracelsusring der Landeshauptstadt Salzburg
- 1954: Ehrenmitglied der Universität Innsbruck
Werke
Zur Salzburger Geschichte:
- Das älteste Vorkommen des Namens Untersberg (Nachtrag), in: MGSLK 62 (1922) S. 51-52.
- Die Türkenpolitik Erzbischof Wolf Dietrichs von Salzburg, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde (MGSLK) 52 (1912) S. 181-244 und 53 (1913) S. 193-354.
- Geschichte der salzburgischen Zentralbehörden von der Mitte des 13. bis ans Ende des 16. Jahrhunderts, in: MGSLK 64 (1924) S. 1-44;65 (1925) S. 1-72;MGSLK 66 (1926) S. 1-62.
- Ein Salzburger Beispiel zur Urkundenkritik des 16. Jahrhunderts. Archivalische Zeitschrift, 3. F., 4. Bd. (1927).
- Wolf Dietrich und das Passauer Kriegsvolk, in: MGSLK 68 (1928) S. 1-50.
- Die Emigration der Salzburger Protestanten von 1731/32. Vortrag gehalten auf der Tagung des Gesamtvereins zu Danzig am 30. 8. 1928. In: Korrespondenzblatt des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine, 1929.
- Die Emigration der Salzburger Protestanten von 1731/32. Das Spiel der politischen Kräfte, in: MGSLK 69 (1929) S. 1-64;70 (1930) S. 65-128; und 71 (1931) S. 129-192 (Auch als Sonderband erschienen, Salzburg 1931).
- Zur Geschichte der Emigration der Salzburger Protestanten von 1731/32, in: Jahrbuch zur Geschichte des Protestantismus in Österreich 52 (1931).
- Friedrich von Gentz und das Gasteiner Wildbad. Kleine Skizze aus dem Leben eines großen Mannes, in: Bad Gasteiner Badeblatt, Jg. 2 (1936, Nr. 32).
- Die Glaubensflüchtlinge. Die Blutgemeinschaft im Großdeutschen Reich, hrsg. v. G. Frh. v. Branka, Graz 1939.
- Franz Martin (Nachruf), in: MGSLK 91 (1951) S. 188-206.
- Bauernunruhen in Salzburg am Ende des Dreißigjährigen Krieges, in: MGSLK 91 (1951) S. 1-106.
- Kaiser Franzens Reisen nach Gastein, in: Bad Gasteiner Badeblatt, Jg. 15 (1955).
- Kaiser Franz in Salzburg, in: MGSLK 96 (1956) S. 67-134.
- Zwei Salzburger Emigranten um 1600, in: MGSLK 98 (1958) S. 129-148.
- Das Salzburger Emigrationspatent. Einleitung und Absatz 2, Emigrationsgeschichte, Jahrbuch zur Geschichte des Protestantismus in Österreich 74 (1958).
- Aufmarsch um Salzburg 1816, in: MGSLK 100 (1960) S. 309-359.
Quelle
Herbert Klein, Josef Karl Mayr (Nachruf), in: MGSLK 101, 1961, S. 321-326