Rauchmühle

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Rauchmühle in Salzburg-Lehen, Westansicht;
Rauchmühle, Juli 2016
Rauchmühle, Ansicht von der Zufahrt beim Glanbach aus;
Rauchmühle mit Umgebung.
Glanbachverlauf westlich des zukünftigen Stadtpark Lehen in Richtung Rauchmühle, April 2017;

Die Rauchmühle im Salzburger Stadtteil Lehen am Glanmühlbach und dem Gailenbach war als Zweigbetrieb der Firma Rauch, mit Sitz in Innsbruck in Nordtirol, bis 2011 die größte Mühle im Land Salzburg.

Geschichte

Die Geschichte der Aestmühle (auch Astmühle, Schredlmühle oder Fisslthalermühle), Gailenbachweg 7–9, lässt sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Sie war als Wassermühle am Glanbach hofurbar und musste Abgaben (Geld, Naturalien, Robotdienste) an die fürsterzbischöfliche Hofkammer abliefern. Zum heutigen Areal der Rauchmühle gehört auch die einstige Aringer- oder Wartelsteinmühle, Gailenbachweg 5. Im 18. und 19. Jahrhundert besaß die Aestmühle vier hintereinander liegende Wasserräder mit vier Mahlgängen sowie einen Backofen. Um 1880 erwarb Franz Fisslthaler die Mühle.

Im Jahr 1884 wurde die Mühle zur Zerkleinerung des Mahlgutes mit damals modernsten Metallwalzen ausgerüstet und gleichzeitig deutlich vergrößert, worauf auch der damalige Firmennamen "Erste Salzburger Walzmühle Franz Fisslthaler" hinweist. Die vier Wasserräder wurden damals durch ein großes unterschlächtiges Rad ersetzt. Der neue Eigentümer ließ auch einen eigenen Gleisanschluss anlegen und den sogenannten Fisslthaler-Bahnhof erbauen. 1890 errichtete der Bauherr im Westtrakt der Mühle zusätzlich ein mit Torf aus dem Leopoldskroner Moor beheiztes Dampfkraftwerk.

1896 konnte Fisslthaler dann das nächstliegende Andessnersche Sägewerk erwerben. Das Bachgefälle zur Fisslthalermühle wurde daraufhin erhöht und eine Girardi-Turbine eingebaut, die 1910 in eine Francis-Turbine umgebaut wurde. 1933 musste die Mühle infolge der damaligen Wirtschaftskrise Konkurs anmelden. Aus dem Konkurs erwarb der Innsbrucker Mühlenunternehmer Leopold Rauch die Mühle, der Firmenname lautete nun "Leopold Rauch und Söhne". Die Mühle gehörte zu den landesweit größten Mühlen. Das "Salzburger Volksblatt" meldete in ihrer Ausgabe vom 23. September 1933:[1]

Die Fisslthalermühle in Lehen, die am Montag (Anmerkung: 18. September zur Versteigerung gelangte, ging um den Ausrufsspreis von nur 710.000 S in den Besitz des Mühlenbesitzers Leopold Rauch in Innsbruck über. Die Rauchmühle in Innsbruck ist der größte Betrieb dieser Branche in Tirol.

Trotz einer jährlichen Vermahlungsmenge von 25 000 Tonnen wurde die Mühle mit Ende 2011 stillgelegt. Von der Schließung waren 18 Mitarbeiter betroffen. Die Vermahlung erfolgt seither am Innsbrucker Hauptstandort Rauchs.

Notizen

Die "Salzburger Zeitung" vom 30. Oktober 1873 berichtete:[2]

(Feuersgefahr.) Am 28. d. M., Abends 8½ Uhr kam in der Fißlthalermühle zu Lehen ein Schornsteinfeuer aus und wurde durch den im Kamin aufgehängten Speck, welcher auch in Brand gerieth, die Gefahr vergrößert. Die Bewohner des Hauses, welche, nichts ahnend, in einem Zimmer beisammen saßen, wurden plötzlich durch das ungewöhnliche Heulen des Haushundes aufmerksam und gewahrten sofort die Gefahr. Unter Beihilfe der Nachbarsleute wurde jedoch das Feuer glücklich gedämpft und in einer Stunde war jede Gefahr ganz beseitigt. Hiebei mußerwähnt werden, daß die Hausleute der bedrohten Mühle beim Löschen so unvorsichtig waren, daß sie mit offenem Licht überall im Hause herumgingen, ja mit diesem bis auf das Dach stiegen, nicht bedenkend, daß sie selbst hiedurch eine Feuersgefahr verursachten.

In der Salzburger Chronik vom 13. Dezember 1923 stand zu lesen:[3]

Brand in der Fißlthalermühle. Gestern um 1 Uhr nach ­ mittags entstand, vermutlich durch Selbstentzündung, in der Kopperei der Fißlthalermühle ein Brand, der sich im Elevator und Silo ausbreitete. Das Feuer wurde rechtzeitig durch Hausapparate vom Personale der Mühle gelöscht. Die Feuerwehr, die mit zwei Löschzügen und der neuen automobilen Drehleiter ausgerückt war, brauchte nur mehr wenig in Aktion treten. Der Schaden, der sich auf mehrere Millionen beläuft, ist durch die Versicherung gedeckt.

Die Fisslthalermühle muss eine eigene Werksfeuerwehr besessen haben. Denn anlässlich der Feier "60 Jahre Freiwillige Feuerwehr Salzburg" am 11. November 1925 wurde auch eine Feuerwehr der Fisslthalermühle begrüßt.[4]

Die "Salzburger Volkszeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom 17. August 1949:[5]

Rauchmühle „auf Reisen“. Die Rauchmühle veranstaltete am vergangenen Sonntag (Anmerkung: 14. August mit drei Autobussen ihren diesjährigen Betriebsausflug, an dem sich die Arbeiter und Angestellten zusammen mit ihrem Chef, Ingenieur Max Rauch, beteiligten. Die Fahrt ging über Lofer, Zell am See (Gabelfrühstück im Gasthof Leeb) nach Krimml zu den Krimmler Wasserfällen. Im Hotel Wahl (Anmerkung: Waltl's Gasthof? wurden die Betriebsangehörigen mit Mittagessen, Jause und Abendessen bewirtet. Wenn auch das schlechte Wetter im Programm nicht vorgesehen war, so konnte es doch die fröhliche Stimmung nicht beeinträchtigen und alt und jung vergnügte sich am Tanz sowie den schönen Akkordeonweisen und lustigen Vorträgen des Kollegen Vees, der den Hauptteil zu der frohen Laune beitrug. Die Fahrt verlief ohne Zwischenfall und alle Beteiligten langten wieder wohlbehalten zu Hause an.

Die Villa Fisslthaler

Hauptartikel Villa Fisslthaler

Das ehemalige Wohn- und Verwaltungsgebäude der Fisslthalermühle, genannt "Villa Rauchmühle" (Gailenbachweg 9), steht unter Denkmalschutz.

Die Geschichte nach 2011

Siehe Quartier Rauchmühle

Quellen

  1. ANNO, Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 23. September 1933, Seite 8
  2. ANNO, Salzburger Zeitung, Ausgabe vom 30. Oktober 1873, Seite 3
  3. ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 13. Dezember 1923, Seite 7
  4. ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 13. November 1925, Seite 4
  5. ANNO, Salzburger Volkszeitung, Ausgabe vom 17. August 1949, Seite 3