Salzburger Flughafen Anflugrouten

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Die Anflugrouten für den Salzburger Flughafen wurden im Sommer 2011 Gegenstand einer emotionellen Debatte zwischen den Bürgern der bayrischen Stadt Freilassing und dem Bürgermeister der Stadt Salzburg, Dr. Heinz Schaden.

Allgemeines

Der Flughafen Salzburg verfügt lediglich über eine Piste. Diese ist in leichter Nordwest (Piste 34)/Südost (Piste 16) - Richtung. Von Norden her verfügt der Flughafen über ein Instrumentenlandesystem (ILS[1]), das die Maschinen auch bei schlechtem Wetter einen Präzisionsanflug ermöglicht. Hingegen von Südosten kommend kann der Flughafen nur im Sichtflug angeflogen werden.

Unmittelbar unter der Einflugsschneise von Nordwest kommend, über die die Hauptlast der ankommenden Flüge abgewickelt werden, befindet sich die bayrische Stadt Freilassing. Im Jahr 2011 flammten bereits länger anhaltende Debatten wegen Lärmbelästigung wieder stärker auf und es kam zu einer Debatte über mehr Anflüge von Südost. Ein Staatsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Österreich, der 1967 geschlossen wurde, regelt ein Mitspracherecht Deutschlands. Diesem Staatsvertrag fehlen aber Regelungen über An- und Abflugrouten und über den Betrieb am Wochenende. Dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass 1967 diesen Fragen noch keine Bedeutung zugemessen wurden.

Mittlerweile sind es aber über 20 000 Flüge jährlich. Davon sind etwa 13 000 Flüge, die Großraumflugzeuge betreffen. Von diesen nehmen rund 10 500 den Nordost-Anflug über Freilassing, nur rund 1 500 kommen von Südosten im Sichtflug herein. Bis zu 230 Starts und Landungen werden nach Angaben der Salzburger Flughafen GmbH an Spitzentagen (im Winter meist Samstag, im Sommer während der Salzburger Festspiele zwischen 6 und 23 Uhr gezählt. Anwohner sprechen sogar von 280.

Anflugrouten

Das ILS von Nordosten führt Flugzeuge bereits etwa 40 bis 50 Kilometer vor Salzburg über einen "Landestrahl" automatisch zum Flughafen Salzburg. Selbst bei Schlechtwetter erreichen so die Piloten problemlos den Flughafen.

Anders die Situation beim Anflug von Südosten. Hier verhindern die Berge die Installieren eines ILS, da der Gleitstrahl, der die Flugzeuge automatisch von ihrer Flughöhe zum Flughafen lotst, durch Berge behindert wäre.

Sichtanflug von Süden

Hauptartikel: Anflugroute Süd des Salzburger Flughafens

Sowohl für ein ILS als auch für Sichtanflug gelten bestimmten Voraussetzungen, die die International Civil Aviation Organisation (ICAO) vorschreibt. Und tief hängende Wolken beispielsweise verhindert einen Sichtanflug. Daher kann der Flughafen Salzburg von Süden nur bei Schönwetter angeflogen werden.

Streitpunkt

Die Lärmentwicklung wollen die Freilassinger Bürger nicht mehr länger im Ungleichgewicht zur Anzahl der Anflüge von Süden her akzeptieren und verlangten im Sommer 2011, dass deutlich mehr Anflüge von Süden her zum Flughafen Salzburg erfolgen müssen. Dies ist jedoch aufgrund der geschilderten Voraussetzungen des Fehlens eines ILS nur bedingt möglich.

Alternativen

Die Flugsicherheitsbehörde AustroControl hatte im Auftrag des BMVIT (Verkehrsministerium) eine neue Südanflugroute erarbeitet, die noch heuer verordnet werden soll.

Südanflugroute

Ein Meldepunkt, an dem Piloten mit der Flugsicherung im Tower Salzburg Kontakt aufnehmen müssen, ist beim Südanflug etwa über Abtenau. Dort befinden sich die Flugzeuge noch in rund 3 000 m ü. A.. Über Abtenau beginnen die Piloten ihren Landeanflug in einem Sinkflug von 3,5 Grad. Damit sind sie über Golling noch in 2 000 m ü. A. Die Flugrouten führt jedoch neben dicht besiedelten Gemeindegebieten und führt entlang der Tauernautobahn bis Puch-Urstein. Dort befinden sich die Maschinen bereits nur mehr 1 000 m ü. A. Von dort beginnt der Endanflug über Taxach, Rif, Grödig und Leopoldskroner-Moos.

Erst zwischen Grödig und Leopoldskroner-Moos erreichen die Flugzeuge jene Flughöhe, die sie beim Anflug von Norden über Freilassing schon haben. Das bedeutet, dass über dem dicht besiedelten Freilassing der Fluglärm jene Intensität hat, den ein Flugzeug beim Landeanflug von Süden über relativ dünn besiedelten Gebiet zwischen Eichet und der südlichen Moosstraße erzeugt.

Das Anflugsverfahren sei nur für Flugzeuge sinnvoll, die aus südlicher Richtung anfliegen, etwa aus Griechenland, der Türkei, Ägypten, Tunesien und Teilen Spaniens. Für Maschinen aus Deutschland sei diese Route nicht sinnvoll.

Wie der Salzburg Airport im Juli 2012 mitteilte, hatten 2012 von Mai bis Juli 18 Piloten diese Anflugsroute gewählt, dabei bis zu zehn Minuten Anflugszeit und damit Treibstoff und Abgase gespart.

Schleife von Norden kommend

Hauptartikel: Stadt-Südanflugsroute

Eine schon bisher benutzte Landeanflugsroute führt von Norden kommend östlich des Gaisbergs über die Salzburger Stadtteile Parsch, Aigen, Salzburg Süd und Hellbrunn in einer Kurve über das südliche Leopoldskroner-Moos zum Flughafen.

Sichtflugvorschriften

Diese Route sei jedoch ebenfalls nur bei guten Sicht- und Wetterbedingungen möglich. Darüber hinaus benötigen alle Piloten, die Salzburg im Sichtflug anfliegen wollen, eine entsprechende Sichtflugausbildung. Auch das geplante, genauere GPS-Navigationssystem für Sichtanflüge vom Süden bzw. über die Schleife ändert nichts an den strengeren Vorschriften für diese Piloten.

Entscheidungsgewalt Pilot

Allen bestehenden und geplanten Möglichkeiten steht jedoch stets die letztinstanzliche Entscheidung des Kapitäns eines Flugzeugs gegenüber. Da dieser für die Sicherheit der Menschen an Bord verantwortlich ist, wird er stets die sicherste Anflugsroute wählen und sich weder von politischen Debatten noch Wünschen der Anrainer leiten lassen. Der Tower Salzburg kann anfliegenden Maschinen nur Anflugrouten vorschlagen, denn ein Flugzeug braucht immer Gegenwind.

Lärm

Flughafen-Aufsichtsrat Othmar Raus kritisierte im Sommer 2011 im Zusammenhang mit der Debatte um die Südanflugroute die Fluglärmaktivisten. Der früherer stellvertretende Landeshauptmann bezeichnete in den SN vom 30. Juli 2011 "die Anfeindungen gegen den Flughafen als zum Teil lebensfremd und egoistisch". Es handle sich nun einmal um ein Wirtschaftsunternehmen - wolle man dieses nicht mehr haben, müsse man alle wirtschaftlichen Konsequenzen tragen. Raus führte auch aus, dass in den letzten Jahren (Anm: vor 2011) die Zahl der Flüge rückläufig seien, dies jedoch durch mehr Passagiere ausgeglichen würde.

Der Anrainerschutzverband Salzburg Airport möchte ein gemeinsames Positionspapier mit den Anrainern aus Freilassing erarbeiten. Schwerpunkte seien die (weitere) Reduktion aller Flüge und die Erstellung eines "Lärmkorsetts". Also eine Eingrenzung von Lärmzonen mit Obergrenzen. Eine Grafik in den SN vom 30. Juli 2011 stellte dazu die aktuelle Situation dar: 55 bis 60 dB (entsprechen dem Schalldruckpegel normal sprechender Menschen) werden im Süden des Flughafens in einem seitlichen Bereich von 500 bis 1 000 Meter von der Piste gemessen sowie in südwestlich Richtung (Einflugswinkel) etwa in einem bis drei Kilometer. Bei der Nordroute ist die Aussengrenze von 60 dB etwas weiter. Erst innerhalb der oben erwähnten Bereiche steigt die Lärmbelastung auf Werte, die fahrenden Pkw oder einer Hauptverkehrsstraße entsprechen. Diese Werte werden aber nur auf dem unmittelbaren Grund des Flughafens erreicht, sowie im Norden südlich der Saalach, über dem Gewerbegebiet von Siezenheim und einige Häuser der Siedlung in Taxham (die nahe am Aufsetzpunkt der Flugzeuge im Norden der Landebahn errichtet wurden). Noch höhere Werte werden nur mehr auf der Landepiste selbst und in den unmittelbar angrenzenden Wiesen dieser Piste gemessen.

Seit 1990 konnte der Fluglärm laufend verringert werden. Dies geschah in Zusammenarbeit mit den deutschen und österreichischen Behörden. So sei etwa Freilassing durch eine neue Nordost- und Nordwest-Abflugroute entlastet worden. Schätzungen von Lärmexperten meinen, eine Verlegung der Hälfte der Flüge auf den Südanflug brächte der Freilassinger Bevölkerung eine Entlastung von drei Dezibel, erhöhe aber das Unfallrisiko für die südanfliegenden Maschinen deutlich.

Siehe auch

Weblinks

Quellen

  • www.welt.de
  • Salzburger Nachrichten im Juli 2011 und 2012, diverse Ausgaben

Fußnoten