Schloss Schernberg

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Schloss Schernberg nach der Renovierung in den 2010er-Jahren und Annäherung an historischen Originalzustand.
Datei:SchlossSchernberg.D.jpg
Schloss Schernberg.
Die gotische Schernbergkapelle.

Schloss Schernberg ist ein denkmalgeschütztes Gebäude in der Pongauer Marktgemeinde Schwarzach im Pongau, das sich etwa zwei Kilometer oberhalb des Ortszentrums der Gemeinde auf einer Anhöhe befindet.

Geschichte

Die einfache Festung Schernberg bestand anfangs aus nur einem Turm und wurde bereits im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. 1370 wurde der Turm samt allen dazugehörigen Gütern an die Grafen von Schernberg verkauft. Nach Umbauarbeiten des Turmes zu einem Schloss, wurde dieses 1526 durch einen Brand größtenteils zerstört. 1542 begann Christoph Graf mit dem Wiederaufbau, der 1550 von seinen Söhnen abgeschlossen wurde.

Durch Franz Karl Willibald von Motzels Eheschließung 1673 mit Maria Barbara Graf von und zu Schernperg, Tochter des Konrad Graf von und zu Schernperg und der Maria Barbara Ritz von Grub, kamen die Konrad Graf'schen Lehen, und damit Schloss Schernberg, in den Besitz der Familie Motzl von Schernberg zu Grueb

1845 wurde nach mehreren Besitzerwechseln das sehr verfallene Schloss durch (Fürst)Erzbischof Kardinal Friedrich von Schwarzenberg käuflich erworben. Nach entsprechenden Renovierungsarbeiten und Umbau zu einem Pflegeheim für Behinderte und alte Menschen übergab er es den Barmherzigen Schwestern mit dem ausdrücklichen Wunsch, dass dieses Haus immer diesem Zwecke dienen solle. 1946 begannen fünf Schwestern mit der Betreuung von 20 Behinderten.

Zum Schloss gehörte auch eine Landwirtschaft, die von den behinderten, aber körperlich einsatzfähigen Bewohnern bewirtschaftet wurde. So konnte sich das Heim aus den Produkten der Landwirtschaft größtenteils selbst versorgen.

Diese Produkte aus der eigenen Landwirtschaft ermöglichte es den Schwestern und den 140 BewohnerInnen auch die Zeit des Ersten Weltkrieges (1914 bis 1918) zu überleben, während der es keine Unterstützung aus öffentlicher Hand gab.

Während des Nationalsozialismus

Kapelle, Gedenkstein und Gedenktafel in der Gedenkstätte "Friedensoase" nahe dem Schloss Schernberg erinnern an die Opfer der NS-Euthanasie, die vor ihrer Deportation im Schloss gelebt haben.

Zur Zeit des Nationalsozialismus, in den Jahren 1940 und 1941, setzte sich Sr. Anna Bertha Königsegg mutig für die Behinderten ein um sie vor einem grausamen Tod zu retten. Trotzdem wurden 151 Bewohner gewaltsam abgeholt und in Schloss Hartheim bei Linz in Oberösterreich ermordet. Einige wenige konnten zuvor in die umliegenden Wälder flüchten. Zur Erinnerung an die Opfer dieses Verbrechens wurde in den 2010er-Jahren die Gedenkstätte Friedensoase errichtet. Sr. Anna Bertha wurde wegen ihres Widerstandes gegen die Abholung und Ermordnung der Bewohner zweimal ins Gefängnis gebracht und später des Landes verwiesen. Die Schwestern wurden enteignet, durften aber weiterhin im Schloss wohnen. Es wurde ein Franzosenlager eingerichtet und auch Flüchtlinge aus Rumänien und Weißrussland zogen ein.

Nach der Aufhebung der Enteignung im Jahre 1945 bekamen die Schwestern das Schloss zurück. Es mussten umfangreiche Sanierungsarbeiten durchgeführt werden ehe die ersten Bewohner wieder einziehen konnten.

Im Jahre 1975 wurde die Errichtung eines Erweiterungsbaues vollendet. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die BewohnerInnen fast ausschließlich von geistlichen Schwestern betreut. Heute sind größtenteils weltliche Mitarbeiter beschäftigt.

Das St. Vinzenz-Heim ist eine Einrichtung der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz v. Paul und daraufhin erfolgte 1993 eine Änderung des Namens von „Versorgungsanstalt Schernberg“ auf „St. Vinzenz-Heim“.

Im 21. Jahrhundert

Da die räumlichen Gegebenheiten nicht mehr den Ansprüchen einer zeitgemäßen Pflegebetreuung entsprechen, wurde das St. Vinzenz-Heim zwischen 2013 und 2018 erweitert und neu gestaltet.[1]

Vor diesem Umbau beherbergte das Haus 166 Menschen (2011) und der Gang diente ihnen bisher als Aufenthaltsraum. Nur ein Waschbecken in Vierbettzimmern sei nicht mehr zeitgemäß. Ein Neubau in der Stadt Salzburg an der Lexengasse bietet 118 Heimplätze (Kosten 4,2 Mill. Euro, Fertigstellung 2015) entstehen weitere 36 Plätze. Die Kosten im Schloss Schernberg teilten sich das Land Salzburg mit Zuschüssen und aus der Wohnbauförderung, 500.000 Euro steuerte der Träger selbst bei und zwei Millionen kamen aus dem Gemeindeausgleichsfonds.[2]

Kapellen

Bildergalerie

weitere Bilder

 Schloss Schernberg – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Weblink

Quellen

  • Homepage der St. Vinzenz-Heim Betriebsgesellschaft m.b.H.
  • Homepage des Landes Salzburg

Einzelnachweise

  1. Salzburger Woche, Ausgabe Pongauer Nachrichten, 27. Oktober 2011 - 19 Millionen für Schernberg
  2. Salzburger Nachrichten, 22. Oktober 2011