Wirtschaft

Auf der Piste geht es nur miteinander

Immer mehr Pistengeher kommen auf Touren. Der Boom sorgt bei den Seilbahnen für Diskussionen. Die Lösung liegt in einem friedlichen Miteinander von Tourengehern, Skifahrern und Liftbetreibern. Ohne Regeln geht es freilich nicht.

Zunehmend sind Tourengeher auch auf den Skipisten unterwegs. Sie sollten am Pistenrand hinter- und nicht nebeneinander gehen.  SN/heinz bayer
Zunehmend sind Tourengeher auch auf den Skipisten unterwegs. Sie sollten am Pistenrand hinter- und nicht nebeneinander gehen.

Die Tourenski anschnallen und auf Fellen unverspurte Hänge hinaufstapfen. Keine andere Wintersportart hat in den vergangenen Jahren so viele neue Anhänger gefunden wie das Tourengehen. Der Sporthandel verzeichnet kräftige Zuwächse. Die Branche rechnet in den kommenden Jahren mit einem Umsatzplus von mehr als 50 Prozent.

Nach Schätzungen sind 700.000 Österreicher mehr oder weniger regelmäßig mit Tourenskiern unterwegs. Doch nicht alle wollen in freier Natur ihre Spuren in den Tiefschnee ziehen. Schwächere Skifahrer meiden aus Unsicherheit und Angst vor Lawinen das freie Gelände und machen lieber auf präparierten Skipisten Höhenmeter. Dieser Drang ist für die Seilbahnunternehmen eine Herausforderung.

Nach langer, heftiger Diskussion müssen Tourengeher in Oberösterreich neuerdings ein Tagesticket lösen, wenn sie die Pisten der Skigebiete im Land nutzen. Kostenpunkt: 14 Euro.

"Geld löst das Platzproblem auf den Pisten nicht"

Ferdinand Eder, der Sprecher der Salzburger Seilbahnwirtschaft, hat durchaus Verständnis für die Entscheidung der oberösterreichischen Kollegen. "Geld zu verlangen ist ein denkbarer Ansatz, das Beschneien und Präparieren kostet schließlich viel Geld." Nicht lösen lasse sich mit Geld allerdings das Platzproblem auf den Pisten. Grundsätzlich habe er an die Liftbetreiber im Umgang mit den Skitourengehern die Devise des Miteinander ausgegeben, sagt Eder. "Wir müssen versuchen, mitsammen auszukommen." In manchen Skigebieten sei das jedoch wegen des Andrangs und der schmalen Pisten schwierig. Würden solche Pisten zugleich von hinabfahrenden Skisportlern und hinaufmarschierenden Tourengehern genutzt, berge das ein großes Risiko.

In Flachau und in Zauchensee gilt daher für Tourengeher bereits ein Pistenverbot. "Bei uns sind die Pisten so eng und steil, dass die Tourengeher nicht ohne Querung hinaufkommen", sagt Veronika Scheffer, Geschäftsführerin der Liftgesellschaft in Zauchensee. Nach anfänglicher Kritik werde das Verbot respektiert. Als Alternative wurde für die Tourengeher in Radstadt gemeinsam mit den Bundesforsten eine Aufstiegsspur an der Königslehenbahn auf die Kemahdhöhe geschafffen. Scheffer: "Diese Spur wird extrem gut angenommen."

Flachau: Kaum noch Probleme mit Tourengehern

Wegen des frühen Naturschnees gebe es heuer im Skigebiet keine Probleme mit den Pistengehern, betont auch Ernst Brandstätter, Geschäftsführer der Bergbahnen Flachau. Gegen Skitourengeher, die diszipliniert am Pistenrand unterwegs seien, habe niemand etwas einzuwenden. Aus Haftungsgründen bleibe das Verbot aber aufrecht.

2015 habe man reagieren müssen, weil drei Anwälte mit einer Klage wegen Gemeingefährdung gedroht hätten. Flachau habe vor zwei Jahren im schneearmen Winter als erstes Skigebiet bis ins Tal beschneit gehabt. "Da waren ganze Karawanen kreuz und quer auf den Pisten unterwegs." An einzelnen Tagen habe man 2500 Tourengeher aus Salzburg und Bayern gezählt. Das Pistenverbot diene allein dem Schutz der Leute, betont Brandstätter. "Wir wollen kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander, aber die Sicherheit hat Vorrang."

Immer mehr eigene Spuren für die die Skibergsteiger

In immer mehr Salzburger Skigebieten gibt es eigene Spuren, auf denen Tourengeher bergauf wandern können - etwa in Rauris oder im Snow Space Salzburg zwischen Wagrain und Flachau sowie in Eben. Zwei Routen wurden in St. Johann auf dem Hahnbaum eingerichtet. Viele Skigebiete im ganzen Land haben mittlerweile auch für die Fans von Nachtskitouren ein Angebot: an bestimmten Tagen werden einzelne Pisten später präpariert.

Ein Glücksfall für Tourengeher im Gebiet um Zell am See ist der Thumersbacher Hausberg Ronachkopf. Er diente bis 1999 als kleines Skigebiet. Nach 15 Jahren Stillstand wurde der Thumersbacher Hausberg für Skitourengeher reaktiviert. Ein zweiter Glücksfall ist, dass dort mit der Enzianhütte auch eine Einkehrmöglichkeit besteht. Bisher funktioniert das Gebiet nur mit Naturschnee. "Künftig wollen wir dort auch eine Grundbeschneiung etablieren", sagt Erich Egger, Vorstand der Schmittenhöhebahnen. Trotz der speziellen Routen seien auf den Skipisten viele Tourengeher anzutreffen. Weil ihre Disziplin oft zu wünschen übrig lasse, komme es immer wieder zu gefährlichen Situationen. Appelle an die Vernunft verhalten vielfach ungehört.

Alpenverein appelliert an die Vernunft

Ein Problem kennen alle Salzburger Liftbetreiber nur zu gut: Immer wieder missachten Tourengeher die Sperre von Pisten während der Präparierung und außerhalb der Betriebszeiten.

Verena Herbst vom Alpenverein Salzburg appelliert an die Vernunft der Tourengeher und erinnert an die grundlegenden Regeln: Die Aufstiegsspur gehört an den Pistenrand, am besten geht man einzeln hintereinander. Pisten dürfen nur an übersichtlichen Stellen und mit genügend Abstand gequert werden. Warnhinweisen und Pistensperren ist Folge zu leisten. Hunde lässt man am besten zu Hause. Und: Ausgewiesene Parkplätze verwenden und die allfällige Parkgebühr entrichten.



Mehr zum Thema

Aufgerufen am 10.12.2018 um 07:23 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/auf-der-piste-geht-es-nur-miteinander-22325698

Hier ist Kekserlbacken reine Männersache

Hier ist Kekserlbacken reine Männersache

Ein prominentes Quartett unter dem "Kommando" von Ex-Polizeidirektor Karl Schweiger leistet am Herd in der Vorweihnachtszeit ganze Arbeit. Frauen sind erst beim Verkosten der Kekse zur Wintersonnenwende …

Kommentare

Schlagzeilen