Österreich

Auslastung heimischer Hotelbetten leicht gestiegen

Die Auslastung der rund 808.000 gewerblichen Betten von 206.000 Betrieben im heimischen Tourismus ist zuletzt auf knapp über 40 Prozent gestiegen. Im Winter 2015/16 stieg die Auslastung um 1,2 Prozentpunkte auf 40,1 Prozent, im Sommer 2016 um 1,4 Punkte auf 40,3 Prozent. Das geht aus der am Montag veröffentlichten Analyse der Statistik Austria zu den Beherbergungsbetrieben hervor.

Im Hochpreissegment werden mehr Zimmer gebucht.  SN/APA/HERBERT NEUBAUER
Im Hochpreissegment werden mehr Zimmer gebucht.

Die 299.000 Betten von privaten Vermietern kamen in der vergangenen Wintersaison auf eine Auslastung von 26 Prozent (plus 1,4 Prozentpunkte) und im Sommer 2016 auf 19,3 Prozent (plus 1,3 Punkte). Die 1,1 Millionen (plus 0,5 Prozent) privaten und Gewerblichen Betten waren insgesamt im Durchschnitt somit zu 36,4 Prozent im Winter (plus 1,3 Punkte) und zu 34,6 Prozent (plus 1,4 Punkte) im Sommer ausgelastet.

"Die Bettenkapazitäten sind auf die Spitzenzeiten ausgerichtet", erklärte der Sprecher der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Martin Stanits, auf die Auslastung angesprochen auf APA-Anfrage. Demnach reißen die Zwischensaisonen den Durchschnitt nach unten. Gesteigert werden könne die Auslastung durch eine Saisonausweitung und mehr Werbung.

Derzeit profitiere der heimische Tourismus auch sehr von der international unsicheren Lage, die viele Touristen eine Urlaubsentscheidung für Österreich treffen lasse. Dieser Trend überdecke momentan eine Strukturschwäche, die in der Branche gegeben sei, so Stanits.

Thomas Reisenzahn von der Prodinger Tourismusberatung sagte im APA-Gespräch, dass sich Auslastungen unter 40 Prozent auf den Preis durchschlagen. "40 Prozent sind ein Synonym für ein zu hohes Bettenangebot bzw. eine zu geringe Nachfrage." Reisenzahn verwies auf die derzeitige Zinslandschaft, die viele Betriebe derzeit noch im Geschäft halte. Komme es zu einem Anstieg der Zinsen, würden wohl einige aus dem Markt verdrängt werden. Die Bilanzen von 500 Betrieben, die sein Unternehmen angeschaut hat, würden im Median lediglich ein EGT von 2 Prozent ausweisen. "Es machen also sehr viele Betriebe Verluste", so der Fachmann. Gut laufe der Stadttourismus. Für Österreich sei es sehr wichtig, sich hin zu einer Gesamtjahresdestination zu entwickeln.

Über die gesamte Hotellerie hinweg sind die Umsätze laut einer Analyse des Branchenexperten Clemens Westreicher für die ÖHV von 2010 bis 2015 zwar um 27 Prozent gestiegen - aber die Kosten kletterten um 29 Prozent nach oben. Der Fachmann hat mehr als 3.000 Bilanzen von Tourismusbetrieben analysiert. Untersucht wurde die Entwicklung der finanziellen Situation nach Bundesländern und Umsatzklassen.

"Das rückt die oft gefeierten Nächtigungsrekorde ins rechte Licht: Die Steuern, Abgaben und Gebühren galoppieren den Zimmerpreisen davon", kommentierte ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer im Rahmen des ÖHV-Hotelierkongresses 2017 dieses Ergebnis. Für die breite Mitte der Branche sei es 5 vor 12, warnt Reitterer. Es fehle in der mittleren Kategorie an Kapital für Investitionen und Innovationen, das Betriebsergebnis liege der Untersuchung zufolge nur bei 18 Prozent vom Umsatz.

Viele Gesetzesänderungen seien der Branche teuer zu stehen gekommen - etwa die Streichung der Energieabgabenvergütung, die Anschaffung neuer Kassensysteme, die Auflösungsabgabe, die Allergenverordnung, Investitionen in den Nichtraucherschutz. Ab 2016 hätte sich auch die Erhöhung der Umsatzsteuer von 10 auf 13 Prozent, die Verlängerung der Abschreibungsdauer um 7 Jahre und die erhöhte Grunderwerbsteuer in den Bilanzen negativ ausgewirkt. Reitterer forderte daher einmal mehr einen "Belastungsstopp" für ihre Branche. Schließlich sei die Zahl der Hotels, Gasthöfe und Pensionen von 2010 bis 2015 um 6 Prozent gesunken. Die Politik müsse die Auswirkungen von Gesetzen besser abschätzen.

Dass die Bettenanzahl zuletzt trotzdem stieg, ist auf ein Wachstum einiger großer in der Top-Kategorie zurückzuführen, während "Kleine reihenweise zusperren", erläuterte ÖHV-Sprecher Martin Stanits. In diesem untersten Segment liege das Betriebsergebnis (GOP) bei 5 Prozent der Betriebsleistung, im obersten bei 28 Prozent.

Quelle: APA

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