Wirtschaft

Brauer wollen, dass Wirte bald wieder Bier zapfen können

Im monatelangen Lockdown leiden die Wirte besonders, und mit ihnen die wichtigsten Zulieferer, die Bierbrauer. Weil während der Schließzeit kein Bier gezapft werden kann, kommt vor allem aus Tourismusorten eingelagertes Bier zurück. Die Wintersaison hat ja nicht stattgefunden. Der Brauereiverband hat heute gefordert, die Gastronomie ehestmöglich wieder zu öffnen. Zumindest sollten die Gastronomen ab März wieder mit vorsichtiger Öffnung beginnen können, so die Forderung.

Die Branche plädiert für eine vorsichtige Öffnung der Gastronomie SN/APA (dpa)/Christophe Gateau
Die Branche plädiert für eine vorsichtige Öffnung der Gastronomie

Brauereiverbandschef Sigi Menz hofft auf Klarheit vonseiten der Regierung für Mitte Februar. Wie eine kontrollierte Öffnung - mit Masken- und Registrierungspflichten, Abständen, Desinfektion - laufen könne, zeigten für den Verband Geschäfte, Museen oder körpernahe Dienstleister. Viel mehr Menschen ließen sich dafür testen. "Wenn man beim Friseur sitzen kann, kann man auch beim Wirten sitzen", findet Menz, wobei Tests ein Thema wären, und auch frühere Sperrstunden. Nach regionalen Bedürfnissen wäre auch ein gestaffeltes Vorgehen vorstellbar, mit bestimmten Öffnungstagen. "Auf dem Land gehen die Menschen eher am Wochenende ins Gasthaus, in Wien unter der Woche."

Ein rasches Aufsperren der Gastronomiebetriebe, abhängig von den Infektionszahlen, sei vor allem für die kleinen und mittelständischen Brauereien mit hohem Gastronomieanteil eine Überlebensfrage, schrieb am Donnerstag der Brauereiverband.

Viele Wirte haben schon lang vor dem Winter Bier eingelagert, vor allem in den Skiorten im Westen des Landes wird oft schon im Oktober viel eingekauft und gelagert, weil bei Schneelage der Transport schwieriger wird. Die Wintersaison ist heuer ausgefallen, Gasthäuser und Hotels blieben dicht. Und abgerechnet wird zu Saisonende, sagte Menz zur APA. An die Brauereien kommt auch entsprechend Bier zurück. Getränke rund um die Mindesthaltbarkeit werden nochmals lebensmitteltechnisch geprüft, allenfalls auch destilliert, verdorbenes Bier vernichtet. Für verdorbene Ware kann zum Teil ein Förderersatz beantragt werden. Brauer und Wirte werden in der Regel auch bilaterale Lösungen verhandeln, weil man mit den langjährigen Kunden ja im Geschäft bleiben will.

Auch die Brau Union, die zum niederländischen Heineken-Konzern gehört, schließt sich dem Ruf des Verbandes nach ehestmöglicher Gastronomie-Öffnung an. "Wir glauben, dass das Öffnen möglich ist", so Sprecherin Gabriela Maria Straka am Donnerstag zur APA. Besonders die kleinen Brauer, die stark an der Gastronomie hängen, wären derzeit wirtschaftlich stark belastet. Die Brau Union selbst ist Österreichs größter Brauer.

Bei der Brau Union seien derzeit 1.400 der insgesamt 2.700 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Dieser Umstand sei vor allem der Gastronomie geschuldet, so Straka. Wegen der Krise werde derzeit auch weniger Bier produziert. So werde die fehlende Nachfrage aus der Gastronomie aufgefangen, weggeschüttet werden mussten nur sehr geringe Mengen an Bier und nur, wenn sie sich bereits beim Gastronomen befunden haben, sagte die Sprecherin. In Deutschland gab es zuletzt Berichte, dass die deutschen Brauer abgelaufenes Bier im Wert von Millionen vernichten mussten.

Am Mittwoch hatte die Brau Union-Mutter Heineken bekannt gegeben, von ihren weltweit 85.000 Mitarbeitern rund 8.000 Jobs zu streichen. In Österreich gebe keine Kündigungen, es seien aber Stellen nicht nachbesetzt worden, so Straka.

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