Wirtschaft

Coronavirus lässt Auto-Neuzulassungen massiv einbrechen

Die ganze Branche ist massiv betroffen. Deutsche Autobauer wollen ihre Werke nach Ostern schrittweise wieder hochfahren.

 SN/APA (dpa)/Julian Stratenschulte

Die Autoindustrie ist von den Folgen der weltweiten Corona-Pandemie besonders schlimm betroffen. In vielen Ländern stehen Autowerke seit Wochen still, Mitarbeiter werden großteils auf Kurzarbeit geschickt. Der europäische Autoherstellerverband ACEA hat berechnet, dass die temporäre Stilllegung von Autowerken - im Durchschnitt bisher 18 Arbeitstage - den Ausfall von fast 1,5 Millionen Fahrzeugen bedeutet. Das hat negative Auswirkungen auf zumindest 1,13 Millionen Menschen, teilte die ACEA mit. Das bringt auch manche Hersteller in Nöte. So hat der französische Autobauer PSA gerade einen kurzfristigen Kredit über drei Milliarden Euro aufgenommen. Zugleich bricht auch die Zahl der Neulassungen dramatisch ein.
Die Coronavirus-Pandemie hat die Nachfrage nach Autos stark ausgebremst. Im März wurden in Österreich um zwei Drittel (66,7 Prozent) weniger Pkw verkauft als im März des Vorjahres, zeigen aktuelle Zahlen der Statistik Austria. In den ersten drei Monaten des Jahres wurden 54.680 Autos verkauft, das ist ein Rückgang um ein knappes Drittel (32,4 Prozent). Ein Blick auf die monatlichen Zahlen zeigt, dass die Zahlen schon zurückgingen, bevor sich das Coronavirus in Europa ausbreitete. Im Jänner sanken die Zulassungen in Österreich um 9,1 Prozent auf 22.959 Autos, im Februar gab es ein Minus von 10,9 Prozent auf 21.067 Fahrzeuge und im März folgte eine Vollbremsung um 66,7 Prozent auf lediglich 10.654 Pkw.

 SN/apa


In Deutschland sanken die Neuzulassungen im März um 38 Prozent auf rund 215.000 Fahrzeuge. Im April dürfte der Einbruch noch stärker ausfallen, weil die Wirtschaft erst im März lahmgelegt wurde. Bei Daimler sank der Pkw-Absatz von Mercedes-Benz im ersten Quartal weltweit um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 477.400. Noch schlimmer fiel das Minus beim Erzrivalen BMW aus. Die Marke büßte von Jänner bis März 20 Prozent ein bei knapp 412.000 verkauften Autos. Ein Lichtblick ist die wieder anspringende Nachfrage aus China. Das Corona-Herkunftsland hat die erste Welle der Epidemie hinter sich und öffnet langsam wieder die Wirtschaft.

Rückgänge bei allen Antrieben

Zurück nach Österreich. Die Rückgänge betrafen so ziemlich alle Antriebe, davon ausgenommen waren nur Hybridfahrzeuge mit kombinierten Antriebssystemen. Im ersten Quartal wurden demnach um 42,7 Prozent weniger Benziner (Anteil: 46,1 Prozent) verkauft und um 32,3 Prozent weniger Dieselautos (Anteil 39 Prozent). Auch Elektroautos waren weniger gefragt, hier gab es einen Rückgang von 4,5 Prozent auf 2428 Neuzulassungen. Kräftig zugelegt haben dafür Pkw mit Benzin-Hybridantrieb (plus 110,7 Prozent) und bei Autos mit Diesel-Hybridantrieb (plus 82,5 Prozent). Die Verkaufszahlen für reine Erdgasautos haben sich mehr als verdreifacht, hier betrug das Plus satte 273,1 Prozent.
Am beliebtesten waren die Pkw-Marken VW (16,1 Prozent Anteil), Skoda (9,7 Prozent) und Seat (7,6 Prozent). Doch alle großen Automarken mussten zweistellige Rückgänge gegenüber dem ersten Quartal 2019 hinnehmen. Die größten Einbußen gab es dabei bei Opel (minus 46,8 Prozent), Ford (minus 45,8), gefolgt von Renault (minus 41,6 Prozent) und VW (minus 37,5 Prozent).

Bei Exporterwartungen sieht es düster aus

Während sich manche Autobauer wie Daimler oder BMW dafür einsetzen, ihre Produktion möglichst bald wieder hochzufahren, zeigen Brancheneinschätzungen, dass sich die Aussichten für die Industrie wegen des Coronavirus massiv verschlechtert haben. Die vom Münchner Ifo-Institut erhobenen Geschäftserwartungen der Branchenbetriebe stürzten im März auf minus 33,7 Punkte ab, nach minus 19,7 Punkten im Februar. Noch düsterer sieht es bei den Exporterwartungen aus, sie stürzten von minus 17,3 Punkten im Februar auf minus 42,7 Punkte im März, das ist der schlechteste Wert seit März 2009. Zudem brach der Index der Produktionserwartungen im März von 4,2 Punkten auf minus 35,9 Punkte ein.
41 Prozent der vom ifo befragten Unternehmen gaben im März an, Kurzarbeit zu erwarten. Die Lager an unverkauften Autos wurden größer. In diesem Bereich stieg der Saldo im März auf plus 14,1 Punkte, nach plus 7,6 im Februar. Der Auftragsbestand sank von minus 7,2 Punkten im Februar auf minus 12,4 Punkte im März.

Deutsche Autobauer wollen Produktion wieder hochfahren

Nach vier Wochen Zwangspause wollen deutsche Autobauer so bald wie möglich die Produktion wieder hochfahren. Seit der zweiten März-Hälfte steht die Fahrzeugproduktion in Deutschland still - zum Gesundheitsschutz der Beschäftigten, aber auch, weil die Autoverkäufe mit geschlossenen Geschäften einbrachen. Zudem fehlen laut Herstellern auch Teile, weil Zulieferbetriebe etwa in Italien noch mit Problemen kämpfen. In dem von Corona besonders schlimm getroffenen Land verhängte die Regierung einen allgemeinen Produktionsstopp. Europaweit leidet die Logistik auch unter den Grenzkontrollen in Europa, obwohl Waren von Reisebeschränkungen ausgenommen sind.
Der VW-Konzern beginnt dieser Tage, die Herstellung von Teilen an fünf deutschen Standorten auszuweiten. Daimler will ab dem 20. April in ersten deutschen Komponentenwerken die Maschinen wieder anlaufen zu lassen. Für einen Großteil der Beschäftigten wird die Kurzarbeit bis Ende April verlängert. Dann dürfte auch BMW wieder mit der Autoherstellung beginnen, kündigte BMW-Chef Oliver Zipse an. "Wir bereiten uns derzeit in Koordination mit unseren Lieferanten darauf vor, den Geschäftsbetrieb sukzessive wieder hochzufahren, sobald die Situation es zulässt", sagte er.

Engpässe bei globalen Lieferketten

Auch Porsche lässt die Bänder bis voraussichtlich 20. April ruhen. Angesichts der aktuellen Lage bleibe die Produktion im Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen und in Leipzig eine weitere Woche ausgesetzt, erklärte ein Sprecher. Es gebe weiter Engpässe bei den globalen Lieferketten, damit sei ein geordneter Wiederanlauf der Produktion nicht möglich. Auch Porsche hat für die Beschäftigten Kurzarbeit angemeldet.
Um die Mitarbeiter vor Ansteckung zu schützen, haben die Autobauer mit den Betriebsräten umfassende Hygiene- und Schutzmaßnahmen vereinbart. Gesundheit gehe vor Geschwindigkeit, erklärten VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh und der operative Chef der Marke VW, Ralf Brandstätter. Gemeinsam vereinbarten sie Standards für Schutzmaßnahmen und einen Fahrplan für die Phasen des Hochlaufs. Zunächst werden nur wenige Beschäftigte an den Bändern stehen, um Abstand zu wahren. Mit Schutzmasken, Handschuhen, Desinfektion und Trennvorhängen werden die Arbeiter fast wie unter Laborbedingungen arbeiten. Später sollen jedoch Vorkehrungen wie verstärkte Desinfektion oder Arbeiten mit Schutzmasken und Handschuhen sollten allmählich wieder zurückgefahren werden, damit das zunächst geringe Produktionstempo wieder zunehmen kann.

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