Österreich

Der Bio-Boom birgt Gefahren

Viele konventionelle Betriebe steigen um. Die Ursprungsväter des biologischen Landbaus warnen vor "schwarzen Schafen", die die Idee der Gründer verwaschen könnten.

Der Bio-Boom birgt Gefahren SN/fotolia
Bioprodukte werden immer stärker nachgefragt. Heuer stellen 2000 Bauern ihre Betriebe um.

Die Nachfrage nach Biolebensmitteln steigt kontinuierlich an. Sieben Prozent der gekauften Frischprodukte sind mittlerweile biologisch. Weil mit biologischen Rohstoffen wie Milch und Getreide auch höhere Erträge erzielt werden können, springen immer mehr Landwirte, die bisher konventionell gewirtschaftet haben, auf den Biozug auf. Allein im heurigen Jahr wollen knapp 2000 Bauern ihre Betriebe umstellen.

Mehr als 21.000 Höfe (rund 17 Prozent aller Bauern) und 20 Prozent der Fläche werden biologisch betrieben. "Das macht Österreich zum Bioweltmeister", wie Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter stolz und gern verkündet.

Dass die biologische Landwirtschaft stark an Bedeutung gewinnt, freut grundsätzlich auch alteingesessene Biobauern.

Das Potenzial sei bei weitem noch nicht ausgeschöpft, sagt Christian Stadler, einer der Ursprungsväter des biologischen Landbaus, der seit 1993 Supermärkte mit "Morgentau"-Gemüse beliefert. "Ich habe keine Angst, dass wir bei steigendem Bedarf importieren müssten. Österreich kann sich weiter biologisch ernähren", erklärt der Oberösterreicher aus Hofkirchen im Traunkreis.

Werden "schwarze Schafe" angelockt?

Er sieht aber auch die Gefahr, dass "schwarze Schafe" angelockt und die Bioidee verwaschen werden könnten. Und zwar, wenn bei einzelnen Umsteigern der Fokus eher auf finanziellem Ertrag als auf Überzeugung liege. "Hier wird sich sicher noch der eine oder andere 'Weizen' von der 'Spreu' trennen. Das Feld der Bauern wird heterogener", sagt Stadler.

Er meint damit auf der einen Seite jene Bauern, die den Ursprungsgedanken verfolgen und sich intensiv mit der Bodenbearbeitung beschäftigen, und auf der anderen Seite die Technokraten, die bisher als konventionelle Bauern Pestizide gespritzt haben und jetzt auf Biospritzmittel setzen. "Diese Tendenz zeichnet sich ab", so Stadler. Einige Jahre sei es auch im Biobereich möglich, gegen nachhaltige Bewirtschaftungsformen zu verstoßen und die Fruchtfolge zu strapazieren. Gerti Grabmann, Obfrau von Bio Austria, argumentiert ähnlich: "Nur wirtschaftlich zu denken, wird nicht genug sein." Biologischer Landbau bestehe aus Vielfalt. Es gehe um eine Lebenseinstellung, die nicht funktionieren könne, "wenn man nur schnelles Geld machen will". Grundlage der biologischen Landwirtschaft sei, mit dem Boden zu leben und den Boden zu verstehen. Auch Grabmann will nicht ausschließen, dass Bauern ihre Betriebe umrüsten, "die nur die Marktwirtschaft sehen". Aufgabe des Verbandes sei es, diese Umsteiger über Grundprinzipien und Philosophie entsprechend zu informieren, betont Grabmann.

"Der Bioanteil ist definitiv noch viel zu gering"

Andreas Höritzauer, Obmann von Demeter und Besitzer des Wegwartehofes im Waldviertel, sagt, er sei froh über jeden Hektar, der biologisch bewirtschaftet werde. "Der Bioanteil ist definitiv noch viel zu gering", so Höritzauer. Die Gefahr, dass nachlässig arbeitende Neulinge den Ruf einer ganzen Branche ruinieren könnten, sieht er nicht. Denn im Gegensatz zum konventionellen Bereich würden die Biobetriebe extrem stark kontrolliert. "Die Verarbeitung ist manchmal ein Problem. Trotzdem sind die Produkte in jedem Fall besser als konventionelle Lebensmittel. Und biologische Massenwaren sind immer noch besser als konventionelle Massenwaren", erklärt Höritzauer.

Ihm zufolge ist das schnelle Geld im Biolandbau ohnehin nicht zu machen. Im Gegenteil: "Neulinge müssen viel Lehrgeld zahlen." Aber: "Ein gut geführter Biobetrieb wird gut dastehen, weil er eine höhere Kostendeckung hat." Biopionier Stadler glaubt, dass seine Branche in 15 Jahren noch viel mehr Wissen über Humus und Böden haben wird. Dieses Know-how werde zu Ertragssprüngen im Ackerbau und bei Getreide führen und Biobauern würden dann annähernd jene Menge ernten wie konventionelle Betriebe.

Aufgerufen am 17.12.2018 um 03:48 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/der-bio-boom-birgt-gefahren-1572862

Schlagzeilen