Wirtschaft

Die AUA steht still - wie die Flugzeuge trotzdem warm gehalten werden

Auf dem Flughafen Wien ist Donnerstagfrüh der vorerst letzte Flug der Austrian Airlines im regulären Betrieb angekommen. Der Vorstand will alles tun, um wieder zu fliegen, aber keiner weiß wann.

Donnerstag um 8:02 Uhr ist der Flug OS 066 aus Chicago mit 132 Passagieren in Wien gelandet. Seither steht der reguläre Flugbetrieb der Austrian Airlines wie vor zwei Tagen angekündigt still. Wie vor zwei Tagen angekündigt, lässt die Österreich-Tochter der deutschen Lufthansa, so wie viele andere Airlines, wegen der aktuellen Coronavirus-Pandemie die Flugzeuge auf dem Bode. "Natürlich nicht für immer", sagte AUA-Vorstandschef Alexis von Hoensbroech am Donnerstag bei der - zufällig damit zusammengefallenen - Bilanzpräsentation. Dennoch sei es ein "denkwürdiger Tag", denn die Situation sei beispiellos in der Luftfahrt. Noch sei nicht absehbar, wann es weiter geht. "Irgendwann werden wir wieder fliegen, das ist das Ziel, egal wie lange die Krise dauert und was notwendig ist", so von Hoensbroech.

Wie lange hält das ein Unternehmen wie die AUA durch?

Damit eine Fluglinie die ja zum Fliegen da sei und nicht, um auf dem Boden zu stehen, überleben könne, müssten in erster Linie die an sich sehr hohen Fixkosten gesenkt werden, sagte der AUA-Chef. Dazu werden nicht nur Ausstiegsklauseln aus Verträgen mit Lieferanten genützt, sondern vor allem der größte Teil der rund 7000 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Das hatte die AUA als erstes Unternehmen bereits vorige Woche angekündigt und am Donnerstag auch getan.

Wer weiterarbeiten wird, abgesehen von Vorstand (der aus Solidarität auf einen Teil des Basisgehalts verzichtet), Administration und einigen wenigen Crews für die beiden Flieger, die für eventuelle Rückhol- oder Hilfsflüge der Regierung bereit stehen, sind die Techniker. Denn die Flugzeuge müssen laufen "warm" gehalten werden, also flugtauglich bleiben, auch wenn sei nicht im Einsatz sind.

So lange ein Flugzeug nicht mehr als 48 Stunden steht, sei nur ein Routinecheck nötig sagt der ab April tätige Betriebschef Jens Ritter. Danach ist eine sogenannte Maintenance-Prüfung, nötig, etwa müsse das Wasser abgelassen, die Hydralik oder das Fahrewrk geprüft werden müssen, bevor die Maschine wieder abheben darf. Je länger der Stillstand dauert, desto umfassender wird das Prüfprogramm. Steht ein Flieger länger als sechs Monate, "wovon wir nicht ausgehen", dann sei in Rücksprache mit dem Hersteller möglicherweise auch ein Testflug nötig, erklärt Ritter.

Die Lufthansa wird nicht helfen

Ob die AUA noch andere Formen der Staatshilfe benötigen wird, als die - voll staatlich gestützte - Kurzarbeiter, könne er noch nicht sagen, das hänge von der Dauer der Krise ab, sagte von Hoensbroech. Die Konzern-Mutter Lufthansa werde dabei nicht helfend eingreifen. Die Krise betreffe jede Airline und jeden Standort, jeder müsse "selbst sehen, wie er über die Runden kommt". Es gebe auch keine Bestandgarantie für die AUA.

In Deutschland wird bereits über Staatshilfe für Lufthansa, immerhin Europas größte Airline diskutiert. Dass die Austrian Airlines im Zuge der Krise Re-Verstaatlicht werden könnte, dazu sei "niemand bisher an uns herangetreten". "Das kann ich mir nicht vorstellen" , sagte der AUA-Chef.

Für die vielen von den Flugstornierungen betroffenen Kunden der Austrian soll es nun auch Umbuchungsmöglichkeiten für billige Tickets geben. Bei Rückzahlungen werde man "nach Recht und Gesetz" vorgehen, verspricht die Fluglinie. Neue Buchungen gebe es längerfristig. Die Österreicher rechneten offenbar damit, dass sie im Sommer wieder reisen könnten.

2019 hat die Airline entgegen allen Befürchtungen noch einen kleinen bereinigten Betriebsgewinn von 19 Mill. Euro geschrieben, nach 83 Mill. Euro im Jahr davor. Der Umsatz ging um zwei Prozent auf 2,18 Mrd. Euro zurück. Trotz des harten Wettbewerbs durch die Billigflieger, sei es gelungen, keine roten Zahlen zu schreiben, sagte von Hoensbroech, auch weil die AUA massiv auf die Kostenbremse getreten sei. Das im November angekündigte Sparprogramm, das unter anderem den Abbau von 700 bis 800 Mitarbeiter vorsieht, behalte trotz Coronakrise seine Gültigkeit. Die Zukunft sei "neblig, wir fliegen auf Sicht", daher gebe es noch keinen neuen Plan.

Quelle: SN

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