Wirtschaft

Drohnen spüren Störungen im Stromnetz auf

Drohnen überwachen künftig das österreichische Stromleitungsnetz. Wettbewerb und Vielfalt in diesem Bereich werden immer härter.

Der Stromnetzbetreiber APG (Austrian Power Grid) lässt seine Hochspannungsleitungen von unbemannten Drohnen überwachen und inspizieren.  SN/apg
Der Stromnetzbetreiber APG (Austrian Power Grid) lässt seine Hochspannungsleitungen von unbemannten Drohnen überwachen und inspizieren.

Drohnen sind viel mehr als Spielzeuge. Immer öfter übernehmen unbemannte ferngesteuerte Flugobjekte wichtige Aufgaben etwa im Bereich der Überwachung von Grenzen oder wichtiger Anlagen, in der Landwirtschaft oder zur präzisen Inspektion sensibler Infrastruktur wie Brücken oder Stromleitungen. Was bisher eine sehr zeitaufwendige und teure Angelegenheit war, kann künftig mithilfe von Drohnen wesentlich effizienter und genauer durchgeführt werden.

Die neuen technischen Möglichkeiten macht sich jetzt auch der Stromleitungsbetreiber APG (Austrian Power Grid) zunutze. Schon bisher kamen dort kleine Drohen zum Einsatz, die aber nur auf Sicht geflogen werden durften. Dank einer Erprobungsbewilligung kann man jetzt - in Kooperation mit dem Unternehmen SmartDigital - auch Langstreckenflüge von rund 100 Kilometern Reichweite durchführen. So ließen sich Störstellen im Leitungsnetz schneller ausfindig machen als bisher, das sei "ein wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit und spart Kosten", sagt APG-Vorstand Gerhard Christiner.

Rund 150 Schadensfälle registriert die APG jährlich, die Ursache dafür lässt sich aus der Distanz oftmals nicht ermitteln. 90 Prozent davon lassen sich auf Ursachen wie Blitzschläge oder Vögel zurückführen, Störungen, die sich in kürzester Zeit sozusagen von selbst beheben. Aber in den anderen Fällen müssen Teams ausrücken, um den Schaden zu beheben. Ein Drohneneinsatz wäre da hilfreich. Oft gehe es nur um die Überprüfung, "ob alles stimmt, nachdem es zu einer kurzen Stromunterbrechung einer Leitung gekommen ist", sagt APG-Vorstand Thomas Karall. Möglich wird der Langstreckeneinsatz dieser Drohnen durch ein neues europäisches Regulativ, das mit Ende 2020 in Kraft tritt. Für den regulären Einsatz im APG-Leitungsnetz sind noch Testflüge und eine eigene Bewilligung durch die heimische Flugsicherung Austro Control erforderlich.

Auch wenn die Stromnetzbetreiber von "Luftfahrtgeschichte" sprechen, die man geschrieben habe - das Geschäftsfeld selbst ist keineswegs neu. Immer mehr Anbieter drängen in das Geschäft mit der qualitativ hochwertigen Überwachung und Inspektion mit Drohnen. Seit Kurzem bietet auch die Palfinger-Tochter Strucinspect die Inspektion von Brücken und Gebäuden an und hat dafür den "Staatspreis Digitalisierung" gewonnen.

Vor wenigen Tagen erst präsentierte das Spezialunternehmen Bladescape ein neues Sicherheitssystem für Drohnenflüge außerhalb des Sichtbereichs. Ein mit dem Softwareunternehmen Kontrol entwickeltes "Ko-Pilot-System" sorgt dafür, dass die programmierte Drohne unvorhergesehenen Hindernissen automatisch ausweichen kann. Und das Unternehmen mit Sitz in Schwechat arbeitet an einem innovativen Wasserstoffantrieb, der Einsatzzeiten von mehr als zwei Stunden erlauben würde - deutlich länger als bisher. Aus technologischer Sicht sei ein Flug über 100 Kilometer "keine große Hexerei", sagt Bladescape-Chef Gerhard Peller.

Ein Beweis dafür ist die Firma Schiebel, Weltmarktführer für unbemannte Hubschrauber. Allerdings sind die Camcopter S-100 keine Drohnen im eigentlichen Sinn mehr. Luftfahrtrechtlich gelten die Geräte, die bis zu 50 Kilogramm Nutzlast transportieren können, als bemannte Flugzeuge. Ihre Reichweite liegt bei mehr als 200 Kilometern.

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