Wirtschaft

Erste Verjährungen nach Wienwert-Pleite 2018

Die Wienwert-Immobiliengruppe hatte es 2018 auf die viertgrößte Firmenpleite des Jahres gebracht. Vor allem auch rund 900 Anleihekäufer verlieren viel Geld, die Gruppe hatte Bonds für mehr als 34 Mio. Euro begeben. Anlegerschützer und diverse Kanzleien führen Klagen. Die Plattform Cobin Claims gab zu bedenken, dass erste Verjährungen von Anleger-Schadenersatzforderungen ab Jahreswechsel eintreten.

Frist für Ansprüche endet bald SN/APA/HELMUT FOHRINGER
Frist für Ansprüche endet bald

Zusammen mit Anwaltskanzleien und Prozessfinanzerern hatte die Sammelklagsplattform Gruppenklagen in Angriff genommen. Die Wienwert-Anleger hinter Cobin Claims und den Kanzleien stellten mit 750 Geschädigten (von insgesamt etwa 900) die größte Anspruchsteller-Gruppe in dem mutmaßlichen Immobilien-Krimi dar, schrieb die Plattform am Mittwoch in einer Aussendung. "Wir würden uns freuen, wenn am Ende des Tages alle Betroffenen nicht mit einem Totalverlust, sondern schlimmstenfalls mit einem ,blauen Auge" aus dem Anleger-Albtraum Wienwert davon kommen", so Cobin-Obmann Oliver Jaindl.

Auch Gutachten spielen in den Verfahren um Wienwert eine Rolle. Bei der Aufarbeitung des Falls soll ein neues Gutachten Masseverwalter Norbert Abel brisante Munition zur Hand geben, schrieb die "Presse" kürzlich. Es geht hierbei u.a. um angebliche Markenwerte. Die Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ermittelt wie berichtet mit dem Bundesamt zur Korruptionsbekämpfung (BAK) gegen die Unternehmensgründer und Eigentümer Wolfgang Sedelmayer und Nikos Bakirzoglu sowie den Vorstandschef Stefan Gruze wegen des Verdachts der Untreue, betrügerischen Krida und Bilanzfälschung. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Abel hat 2019 die zur PwC gehörende "PwC Advisory Services" auf 4,5 Mio. Euro sowie die "RFR Consulting Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung" auf 2 Mio. Euro geklagt (drei weitere Wirtschaftsprüfer wurden auf 9,45 Mio. geklagt). Bei PwC AS und RFR ging es primär um die Marke Wienwert: Sedelmayer und Bakirzoglu verkauften sie im Frühjahr 2016 um 3,158 Mio. Euro an die Dachgesellschaft. Im Dezember 2016 wurde sie um diese Summe als Sacheinlage in die Tochter Wienwert eingebracht. Dadurch wurde das Eigenkapital der Wienwert aufgefettet - das ermöglichte, weitere Anleihen zu begeben, wird berichtet.

Zur Bewertung der Marke war PwC AS engagiert. Prüfer der Sacheinlagenbewertung war RFR. Der Markenspezialist Gerhard Hrebicek untermauert in seinem der "Presse" vorliegenden Gutachten die von Abel in der Klage erhobenen Vorwürfe "schwerer methodischer und rechnerischer Fehler sowie einer daraus folgenden unrichtigen Bewertung". Der Markenverkauf sei de facto eine "Luftnummer" gewesen, um die Wienwert gut darzustellen. Auffallend sei, dass in verschiedensten Bewertungsmethoden immer derselbe Wert von 3,1 Mio. Euro herausgekommen sei, "sodass der Eindruck entsteht, dass das Ergebnis vor den einzuholenden Gutachten feststand". PwC wies Vorwürfe zurück und hat seinerseits den Grazer Experten Klaus Rabel für eine Gegendarstellung engagiert.

Quelle: APA

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