Wirtschaft

Fluglinie Niki meldete in Deutschland Insolvenz an

Die Fluglinie Niki folgt ihrer Mutter Air Berlin in die Insolvenz. Nur Stunden nachdem sich die deutsche AUA-Mutter Lufthansa als erwartete Retterin der österreichischen Air-Berlin-Tochter verabschiedet hatte, meldete Niki in Deutschland die Zahlungsunfähigkeit an. Der Flugbetrieb wurde eingestellt, weitere Flüge sind nicht mehr buchbar. 1.000 Beschäftigte von Niki verlieren ihren Arbeitsplatz.

Niki stellt den Flugbetrieb ab sofort ein SN/APA (dpa)/Rainer Jensen
Niki stellt den Flugbetrieb ab sofort ein

Die Lufthansa hatte sich kurzfristig gegen eine Übernahme der österreichischen Fluggesellschaft Niki entschieden - weil die kartellrechtlichen Bedenken der EU-Kommission zu groß waren. Der Flugplan habe seine Wirksamkeit verloren, teilte Niki am Abend mit. Schmerzhaft ist der Schritt für die Belegschaft: 1.000 Beschäftigte von Niki verlieren ihren Arbeitsplatz. Damit ist das worst-case-Szenario kurz vor Weihnachten Wirklichkeit geworden.

Am Nachmittag hatte die deutsche Lufthansa ihr Kaufangebot für obsolet erklärt. Davor hatte die EU-Kommission klargemacht, dass sie dem Deal aus Wettbewerbsgründen die Zustimmung versagen werde. Daraufhin hat die Lufthansa die im Kaufvertrag bis zum Abschluss der kartellrechtlichen Untersuchung vereinbarten Übergangszahlungen an Niki mit sofortiger Wirkung eingestellt.

Damit fehlte der Niki Luftfahrt GmbH das Geld, den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten, auch mit der Fortbestandsprognose war es vorbei. Der Insolvenzantrag war daher alternativlos, bedauerte Niki am Abend. Von einem "nationalen Desaster für Österreich" sprach der Geschäftsführer von Niki, Oliver Lackmann.

Passagiere, die über einen Reiseveranstalter gebucht haben, müssen sich jetzt mit ihrem Reiseveranstalter in Verbindung setzen. Wer direkt bei Niki gebucht hat, muss noch warten, wie es weiter geht. Für "gestrandete" Passagiere erarbeite die Luftverkehrsbranche derzeit eine Lösung, wie sie aus dem Ausland nach Deutschland, Österreich und die Schweiz zurückgebracht werden. Dazu soll es in Kürze ein Update geben, hieß es am Abend. Zuvor hatte die Regierung am frühen Abend bereits zugesagt, für aktuelle Rückholungen die AUA oder andere Airlines zu beauftragen - vorerst auf Staatskosten.

Am Abend gab es weitere Sitzungen. Die Niki-Mitarbeiter werden demnächst auf Betriebsversammlungen informiert, was die nächsten Schritte sind. Hier wurde im Vorfeld der befürchteten Entwicklung bereits über Stiftungen geredet. Details zur Insolvenz, etwa auch zur Schuldenhöhe, gab es vorerst noch nicht.

Wie es nun weiter geht, ist offen. Niki Lauda, der einst die Airline gegründet und später an Air Berlin verkauft hat, hat sich jedenfalls bereits interessiert gezeigt, Niki aus der Insolvenz heraus übernehmen zu wollen, wie er zur APA sagte. Daneben könnten - trotz der bisher erfolglosen Gespräche und zwischenzeitlichen Absagen - erneut die Großkonzerne IAG (British Airways, Iberia, Vueling) und Thomas Cook (Condor) Interesse an Niki und den wertvollen Slots haben.

Die EU-Wettbewerbshüter bezeichneten das zurückgezogenen Übernahmeangebot der Lufthansa als "bedauerlich". "Zumal dies nicht das einzig mögliche Resultat seit Beginn des Verkaufsprozesses war", sagte ein Sprecher der EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel. "Es ist nun am Air-Berlin-Insolvenzverwalter, die nächsten Schritte zu bestimmen."

Quelle: APA

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