Wirtschaft

Frauen und Querköpfe an die Macht

Studien zeigen: Vielfalt im Aufsichtsrat ist der Schlüssel zu mehr Erfolg.

Männlich und über 55 Jahre alt: So ähnlich sehen die meisten Aufsichtsräte von Unternehmen aus.  SN/elmos
Männlich und über 55 Jahre alt: So ähnlich sehen die meisten Aufsichtsräte von Unternehmen aus.

In der Wirtschaft bedeutet Diversität die erwünschte Vielfalt in Teams, die nachweislich Kreativität, Leistungsfähigkeit und Kommunikation in Organisationen verbessert. Diversität ist also nicht nur eine Frage der Fairness, sondern macht sich für Unternehmen mehrfach bezahlt, wie Studien zeigen.

In Österreichs Führungsetagen ist davon freilich nicht viel zu bemerken. Besonders das Kontrollgremium Aufsichtsrat ist meist eher ein "Old Boys Club" als ein Hort der Vielfalt. Medienanalytikerin Maria Pernegger beschreibt den typischen Aufsichtsrat als "männlich dominiert und im Alter 55 plus". Meist haben die Herren als Juristen oder Steuerberater auch noch denselben beruflichen Hintergrund. Solche Gemeinsamkeiten fördern zwar die Harmonie in der Gruppe, sie sind aber gefährlich. Denn die homogene Zusammensetzung fördert eine einseitige Sicht und das gleiche Herangehen an Probleme, es fehlen unterschiedliche Perspektiven und neue Ansätze. Das ist eine Erklärung für viele Fälle, in denen das Kontrollgremium Probleme wie die Finanzkrise 2008 nicht kommen gesehen hat - und auch für das schlechte Image, den die Kontrolleure daher mitunter haben.

Eine buntere Mischung und mehr Frauen im Aufsichtsrat könnten Abhilfe schaffen und Betriebe für die Herausforderungen durch Globalisierung und Digitalisierung fit machen, sagt Alfred Harl, Obmann des Fachverbands Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT (UBIT) in der Wirtschaftskammer. Junge gehörten genauso in Aufsichtsräte wie Ältere. Auch eine gewisse Zahl von Querdenkern sei wichtig, "denn eine immer gleiche Mannschaft verlernt das Denken".

Wie erreicht man mehr Vielfalt? Quoten helfen, sagt Medienanalytikerin Pernegger und verweist auf Italien, wo der Frauenanteil in Aufsichts- und Verwaltungsräten seit Einführung einer Quote von 5 auf 36 Prozent explodiert ist. Im Europavergleich liegt Österreich mit 26 Prozent im Mittelfeld, weit hinter Island, Frankreich und Norwegen, wo mit über 40 Prozent Frauen in diesen Gremien annähernd Geschlechtergleichheit herrscht.

Im Wettbewerb um die besten Köpfe brauche es auch mehr Geld, sagt Harl. Bekommt ein Aufsichtsrat in Österreich in Schnitt zwischen 14.000 und 23.000 Euro jährlich, seien es in Deutschland 68.000 bis 171.000 Euro. Für mehr Qualität sorgen soll auch ein dreitägiger Lehrgang für 1400 Euro.

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