Wirtschaft

Gas gegen Rubel - aber wer profitiert?

Putin hat den Westen mit seinem Schachzug überrascht. Steckt er jetzt in der Bredouille oder ist es doch eher ein Nullsummenspiel?

Der Rubel erholte sich nach Putins Ankündigung, den Gaspreis bald in Rubel zu verrechnen.  SN/APA (AFP)/ALEXANDER NEMENOV
Der Rubel erholte sich nach Putins Ankündigung, den Gaspreis bald in Rubel zu verrechnen.

Die Forderung des russischen Präsidenten Wladimir Putin, dass Gaslieferungen von westlichen Ländern demnächst in Rubel zu bezahlen sind, gibt Ökonomen Rätsel auf. Und führt sie zu unterschiedlichen Schlüssen. Außer Streit steht, dass es Putin damit gelungen ist, den Westen zu überraschen. Der Nutzen für Russland liegt auf der Hand: Eine Zahlung der wichtigen Gaslieferungen in Rubel sorgt für mehr Nachfrage und so für eine Stärkung des Rubels, der nach den Sanktionen massiv an Wert verloren hat.

Am Mittwoch erholte sich der Kurs des Rubels weiter, der Preis für einen Dollar lag zeitweise mit 96 Rubel wieder deutlich unter der Marke von 100 Dollar. Analog verhielt sich der Rubel-Wechselkurs zum Euro. Allerdings handelt es sich um eine vergleichsweise kleine Erholung. Seit der Eskalation verlor der Rubel zu Euro/Dollar rund 30 bis 50 Prozent an Wert.

Ein zweiter Aspekt der Ankündigung ist mindestens ebenso wichtig. Weil der Umtausch von Euro oder Dollar in Rubel weitgehend über die Russische Zentralbank erfolgen müsste, würde das den verhängten schweren Sanktionsmaßnahmen zuwiderlaufen. Und Putin würde so die EU und ihre Verbündeten zwingen, ihre eigenen Sanktionen zu umgehen, weil sie weiter mit russischen Finanzinstituten Geschäfte machen müssten - was als psychologischer Sieg für Putin gesehen werden könnte. Das meint auch Ökonom Jens Südekum von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Putin begehe bewusst Vertragsbruch und "testet jetzt, ob wir da mitgehen".

Wichtig sein wird zu sehen, ob die Suppe so heiß gegessen wird, wie sie gekocht wurde. Er halte den Zeitplan für "sehr sportlich", sagt der Leiter von Raiffeisen Research, Gunter Deuber. Putins Vorstoß wertet er als "interessanten Schachzug". Allerdings sei durchaus zu vermuten, dass der Schritt nicht spontan erfolgte, sondern gut vorbereitet sei. Das müsse aber nicht heißen, dass die Wechselpflicht auch so schnell umgesetzt werde.

Der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo, Gabriel Felbermayer, sieht Österreich und andere von Russland als "unfreundlich" eingestufte Länder jetzt in einer "Sackgasse", weil man zum Kaufen von russischen Gas jetzt Rubel bräuchte, "die wir nicht haben". Beide Seiten befänden sich wegen ihrer wechselseitigen Abhängigkeit in der Bredouille. "Zum einen fehlen uns die Alternativen zu vielen Rohstoffen, die wir aus Russland beziehen. Zum anderen braucht Russland Europa für seine Pipelines". Eine Umstellung der Gaspexporte auf andere Wege sei zeitlich und finanziell nicht möglich.

Für Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung (IV), scheint Putins Vorgehen mehr politisch-taktisch als von einer längerfristigen ökonomischen Strategie getragen. Volkswirtschaftlich wäre der Wert der Transaktion äquivalent - gleich, ob nun der Tausch vor dem Zahlungsvorgang durch die Käuferländer erfolge oder nach dem Kauf durch Gazprom. Für Russland sei das bestenfalls ein Nullsummenspiel. Denn unter dem Strich wäre "der Rubelkurs für Russland jedenfalls ungünstiger als beim Vertragsschluss".

Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer spricht von einer "neuen Komplexität" für die Sanktionen im Finanzbereich. Sollte es zum Ausfall der Energieimporte aus Russland kommen, "haben wir ein Problem". Die schon gesenkten Prognosen seien zu überdenken.

Die OMV jedenfalls will unbeirrt von Putins neuer Forderung die vereinbarten Gaslieferungen weiter in Euro bezahlen. Für Generaldirektor Alfred Stern gebe es "Es gibt keine andere Vertragsgrundlage", erklärte Generaldirektor Alfred Stern.

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