Wirtschaft

Handelsangestellte bekommen 2,2 Prozent mehr Geld

500.000 Handelsangestellte wissen jetzt, was Sache ist: Für Geringverdiener gibt es 2,5 Prozent mehr Lohn, für die Mehrzahl 2,2 Prozent. Forderungen nach mehr Freizeit wurden abgeschmettert.

Vor Beginn des Weihnachtsgeschäfts herrscht Klarheit: Die 500.000 Handelsmitarbeiter bekommen mindestens 2,2 Prozent mehr Lohn.  SN/robert ratzer
Vor Beginn des Weihnachtsgeschäfts herrscht Klarheit: Die 500.000 Handelsmitarbeiter bekommen mindestens 2,2 Prozent mehr Lohn.

Kurz nach 22 Uhr war am Donnerstag dann alles fix - und zwar anscheinend zur Zufriedenheit aller Beteiligten. Vertreter von Arbeitgebern und Arbeitnehmern einigten sich auf neue Löhne für Österreichs rund 500.000 Handelsangestellte: Es gibt für die unterste Einkommensklasse 2,5 Prozent mehr Geld, für alle anderen 2,2 Prozent.

Das kollektivvertragliche Mindestgehalt für Vollzeitangestellte im alten Handels-KV steigt damit von derzeit 1.634 Euro auf künftig 1.675 Euro brutto pro Monat, und im neuen KV von 1.677 auf 1.714 Euro brutto.

Prozentuell stärker steigen die Einkommen der Lehrlinge: Vom ersten bis zum vierten Lehrjahr (das Vierte gibt es nur bei einer Doppellehre) steigen die Entschädigungen um 50, 80, 50 und 50 Euro.

Die Gewerkschaft der Privatangestellten GPA-djp hatte ursprünglich ein Lohnplus von 100 Euro für alle Vollzeitangestellten gefordert - das hätte je nach Lohnstufe bis zu 4,4 Prozent höhere Löhne bedeutet. Das Angebot der Arbeitgeber lag zuletzt bei 2,0 Prozent.

Nicht wirklich durchgedrungen ist die Gewerkschaft mit ihrer Forderung nach drei zusätzlichen Tagen Freizeit pro Jahr. Hier zeigte sich Wirtschaftskammer-Verhandler Peter Buchmüller jedoch weitgehend unnachgiebig: "Für eine Arbeitszeitverkürzung war und bin ich nicht zu haben", sagte er am Donnerstagabend im SN-Gespräch. Was übrig blieb, ist ein einziger freier Tag nach zehn Jahren Betriebszugehörigkeit, und ein weiterer nach fünfzehn Jahren. Schon bestehende Jubiläumsgelder können in Zukunft auch teils oder ganz in zusätzliche Freizeit umgewandelt werden.

Nicht kommen wird auch ein gefordertes Schulstartgeld von 130 Euro - stattdessen wollen sich die Sozialpartner an die Politik wenden, um zu erreichen, dass die erhöhte Familienbeihilfe für Lehrlinge länger ausbezahlt wird, nämlich bis zum 18. Lebensjahr.

Arbeitgebervertreter Buchmüller sprach im Anschluss von einem "fairen Ergebnis für beide Seiten", auch wenn es keinen Grund gebe, in Jubel auszubrechen. Salzburgs GPA-Geschäftsführer jubelte jedenfalls in einer Aussendung: "Es ist vollbracht!" Der soziale Weihnachtsfriede sei damit gewahrt. Das Verhandlungsergebnis beinhalte "für beide Seiten positive Elemente". Mit dem Kollektivvertragsabschluss würden die Sozialpartner auf die Konjunktureintrübung Rücksicht nehmen, für die Handelsangestellten gebe es aber auch ein reales Plus, so der Arbeitgebervertreter. Die für die Verhandlungen relevante Inflationsrate betrug 1,7 Prozent.

6. Urlaubswoche soll leichter erreichbar werden

Zuletzt war man sich bei den Themen Arbeitszeit/Freizeit sowie beim Schulstartgeld näher gekommen. Beim Geld hatte es sich am längsten gespießt.

GPA-djp-Verhandlerin Anita Palkovich hatte vor allem auf eine Erhöhung der niedrigeren Einkommen gepocht. Ein guter Abschluss sei wichtig für die Inlandsnachfrage und den Konsum.

Ihr Salzburger Kollege Forcher sah nach Verhandlungsende auch noch den einen oder anderen Wermutstropfen: "Es geht nicht nur ums Geld, aufgrund der Arbeitsverdichtung müssen wir auch weiterhin über die leichtere Erreichbarkeit der sechsten Urlaubswoche reden. Wir bedanken uns bei allen Betriebsrätinnen und Betriebsräten für die großartige Unterstützung. Unser gemeinsames Engagement hat sich ausgezahlt", teilte Forcher mit.


Die rund 80.000 Handelsbetriebe haben bis Ende 2021 Zeit, auf das neue Kollektivvertrags-Schema umzusteigen. Die großen Handelsketten haben laut Gewerkschaftsangaben noch nicht auf den neuen Handels-KV umgestellt. Laut WKÖ-Angaben verwenden aber schon zahlreiche kleine und mittlere Händler sowie neugegründete Handelsbetriebe den reformierten Handels-KV.

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