Wirtschaft

Hotels, Pensionen und Campingplätze haben wieder geöffnet

Die österreichische Hotellerie hat am Freitag nach zweieinhalb Monaten coronabedingter Pause wieder aufgesperrt. "Die Auslastung reicht von sehr gering bis ausgebucht. Da haben wir eine extreme Breite", sagte der Sprecher der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Martin Stanits, am Freitagnachmittag zur APA.

Herbergsbetriebe sperren wieder auf SN/APA/BARBARA GINDL
Herbergsbetriebe sperren wieder auf

Hotels, Pensionen, Campingplätze und Schutzhütten, Seilbahnen, Lifte und die Ausflugsschifffahrt sind seit Freitag wieder in Betrieb. Das aktuelle verlängerte Pfingstwochenende haben viele Österreicher zum Anlass für einen Kurzurlaub genommen. Eine hohe Auslastung gebe es vor allem bei Betrieben mit einem Alleinstellungsmerkmal, etwa eine besondere Küche, Lage, Wellness-, Sport- oder Kulturangebote, so der ÖHV-Sprecher. Am Land sei die Buchungslage deutlich besser als in den Städten. Es würden aber noch die ausländischen Gäste fehlen.

Die Obfrau des WKÖ-Fachverbandes Hotellerie, Susanne Kraus-Winkler, ist "vorsichtig optimistisch" für die kommenden Tage. Manche Betriebe seien über das lange Wochenende "sehr gut gebucht" in der Nähe der Sommerauslastung, andere würden hoffen, 50 Prozent Auslastung zu erreichen. Gut laufen sollte es unter anderem für die Ausflugshotellerie und Thermenhotels. Die Corona-Zwangspause hat viele Tourismusbetriebe in eine finanziell schwierige Lage gebracht. "Alle sind froh, dass sie wieder öffnen können", sagte Kraus-Winkler zur APA. Es sei für viele Betriebe noch "sehr schwierig", weil Gruppen, Seminargäste und ausländische Touristen fehlen würden.

Bei den Corona-Sicherheitsmaßnahmen sehen die Wirtschaftskammer und die Hoteliervereinigung die Hotels und Pensionen gut vorbereitet. Die neuen Hygiene- und Abstandsregeln seien "ganz intensiv vermittelt" worden, so Kraus-Winkler. Außerdem sollen bis zu 65.000 Tourismus-Mitarbeiter pro Woche auf das Coronavirus getestet werden. Bei der Unterbringung der Beschäftigten orten die Branchenvertreter keinen Risikobereich. Dies würde derzeit zumeist in Einbettzimmern erfolgen.

WU-Strategieprofessor und EY-Parthenon-Partner Werner Hoffmann erwartet in der heimischen Tourismus- und Freizeitwirtschaft durch die Coronakrise "keine weitreichenden strukturellen Veränderungen". Die Megatrends Digitalisierung und Ökologisierung würden in der Hotellerie aber sicherlich noch mehr in den Fokus rücken. Manche Hotels werden ihr digitales Angebot erweitern und Nachhaltigkeit, ökologische und soziale Verträglichkeit stärker betonen, erwartet der WU-Professor. "Innovative touristische Konzepte werden sich noch besser durchsetzen."

Aus einer aktuellen Erhebung des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) und der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) geht hervor, dass selbst bei uneingeschränkten Reisemöglichkeiten in Europa 40 Prozent ihren Urlaub in Österreich buchen würden. Knapp 22 Prozent würden Urlaub in Österreich und im europäischen Ausland und nur 16 Prozent ausschließlich im Ausland machen, zeigt die Umfrage. Die Online-Umfrage ist derzeit noch im Feld - bisher liegen rund 1.000 Rückmeldungen vor.

Von jenen, die selbst bei offenen europäischen Grenzen in Österreich bleiben würden, haben 38 Prozent Bedenken betreffend Rückreise im Falle einer Corona-Ansteckung oder Quarantäne; 30 Prozent haben Bedenken wegen der Gesundheitsversorgung im Ausland. "Da wirken auch die Bilder zu den überlasteten Spitälern in Italien und Spanien nach, die durch alle Medien gingen", meinte Wifo-Tourismusexperte Oliver Fritz im Gespräch mit der APA.

"Generell traut man Österreich die besseren Hygienestandards zu - plus die Möglichkeit, schnell und einfach wieder nach Hause zu kommen", so der Generalsekretär der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Markus Gratzer. 11 Prozent gaben sonstige Gründe als Motiv für den Urlaub im eigenen Land an - mit freien Antworten wie "Ich will Österreich unterstützen" oder "die heimische Wirtschaft stärken" oder "Österreich entdecken".

Die Reiselust sei trotz Coronakrise eindeutig vorhanden. "Da spielt sicher eine Rolle, dass die Leute eine Zeit lang eingesperrt waren - es scheint die Lust trotz Unsicherheit zu überwiegen", resümierte Fritz. "Zum derzeitigen Zeitpunkt hat sich die Unsicherheit ein bisschen verringert - die Grenzöffnungen sind ganz stark in Diskussion", stellte er fest.

Quelle: APA

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