Wirtschaft

Nationalbank erwartet Rückgang der Wirtschaft um 7,2 Prozent

Die Folgen der Coronapandemie lassen Österreichs Wirtschaft heuer um 7,2 Prozent einbrechen, erwartet die Oesterreichische Nationalbank (OeNB). 2021 sollte die Wirtschaft wieder um 4,9 Prozent wachsen. Das Niveau von vor der Krise wird erst Ende 2022 wieder erreicht. Sollte es im Herbst eine zweite Krankheitswelle geben, wird der Einbruch heuer mit 9,2 Prozent tiefer, die Erholung erfolgt später.

Im zweiten Halbjahr soll es wieder aufwärts gehen SN/APA (Symbolbild/dpa)/Robert Mich
Im zweiten Halbjahr soll es wieder aufwärts gehen

Im Gegensatz etwa zur Finanzkrise von 2008 ist der private Konsum in Österreich eingebrochen und deshalb derzeit keine Stütze. Vertieft werden die Probleme, weil wegen der weltweiten Krise auch die Exporte keine Entlastung bringen können. Das wichtigste Ziel der Wirtschaftspolitik müsse in dieser Situation die Wiederherstellung von Vertrauen sein, sagte Nationalbank-Gouverneur Robert Holzmann am Freitag vor Journalisten. Keine einzelne Maßnahme werde viel bewirken, wann man nicht das Verhalten der Konsumenten ändert. Auch eine Mehrwertsteuersenkung wie in Deutschland werde nur wirken, wenn die Menschen mehr konsumieren - sonst würde das die Sparquote weiter erhöhen.

In der Finanzkrise 2008 haben die Menschen auf ihr Erspartes zurückgegriffen und damit die Konjunktur stabilisiert. Diesmal legen sie das Geld, das sie verdienen, verstärkt auf die hohe Kante. Die Sparquote stieg auf 13 Prozent, sagte Doris Ritzberger-Grünwald, Direktorin für Volkswirtschaft in der OeNB.

Üblicherweise wäre die Inflation ein Kernthema der OeNB-Prognose, diesmal rückt sie etwas in den Hintergrund. Die Vorhersage geht von 0,8 Prozent Preissteigerung heuer und 2021 aus (HVPI), und damit deutlich weniger stark als die von der Europäischen Zentralbank angestrebten knapp zwei Prozent. In einzelnen Monaten werde es auch zu Preisrückgängen kommen, sagte Holzmann. Eine echte Deflation mit dauerhaft sinkenden Preisen zeichne sich aber nicht ab. Darauf ziele auch die ganze Wirtschaftspolitik ab.

Massive Rückgänge erwartet die OeNB in ihrer Prognose für den privaten Konsum (minus 5,8 Prozent) und die Exporte. Letztere dürften um 11,6 Prozent fallen, während die Importe um "nur" 8,9 Prozent sinken. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten wird um 2,2 Prozent, die der geleisteten Arbeitsstunden aber um 6,5 Prozent zurückgehen. Darin zeigt sich die starke Nutzung von Kurzarbeit. In der Finanzkrise gab es Kurzarbeitsanträge für 40.000 Personen - jetzt für 1,3 Millionen, verglich Ritzberger-Grünwald. Die Arbeitslosenquote laut Eurostat steigt damit heuer auf 6,8 Prozent und wird 2022 immer noch bei 5,3 Prozent liegen. Nach österreichischer Definition steigt die Arbeitslosigkeit heuer auf 9,9 Prozent, so die OeNB.

Die Wirtschaftskrise wird sich auch im Geldbörsel der Privathaushalte spürbar niederschlagen: Das real verfügbare Haushaltseinkommen sinkt laut OeNB-Prognose sowohl 2020 als auch 2021 um jeweils 0,4 Prozent.

Die Bremsspuren der Wirtschaft schlagen sich auch im Staatshaushalt sichtbar nieder: Der Staat dürfte heuer eine Neuverschuldung von 8,9 Prozent der Wirtschaftsleistung ausweisen, 2021 folgen dann 3,9 Prozent und 2022 1,5 Prozent Defizit. Der Schuldenstand steigt heuer auf 84,4 Prozent des BIP und sinkt in den Folgejahren langsam auf 83,7 und 81,4 Prozent.

Quelle: APA

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