Wirtschaft

Wienerberger-Chef hofft auf fette Konjunkturpakete

Die Corona-Pandemie hat auch beim Ziegelkonzern Wienerberger deutliche Spuren hinterlassen. Zahlreiche Werke mussten ab Mitte März vorübergehend geschlossen werden - etwa auch in England, einem der Hauptmärkte. Im März brach der Absatz um rund 30 Prozent ein. Für die weitere Zukunft ist CEO Heimo Scheuch dennoch zuversichtlich - er erwartet beschäftigungsfördernde Konjunkturpakete der Regierungen.

Corona-Pandemie hat auch Wienerberger schwer getroffen SN/APA/HERBERT PFARRHOFER
Corona-Pandemie hat auch Wienerberger schwer getroffen

"Im Bereich Infrastruktur, Renovierung, Neubau sehe ich durchaus mit gewissem Optimismus in die nächsten Jahre", sagte der Konzernchef am Donnerstag im Gespräch mit der APA. "Wir brauchen Wohnungen." Für die Infrastruktur müsse "sehr viel Geld in die Hand genommen werden, um die Verringerung des CO2-Ausstoßes zu erreichen", meinte er mit Blick auf den "Green Deal", den die EU-Kommission vorantreibt. Betreffend Finanzierung angesichts der leeren öffentlichen Kassen macht er sich dabei keine Sorgen; Scheuch verwies auf einen Sager des früheren österreichischen Bundeskanzlers Bruno Kreisky, dass diesem ein paar Milliarden (Schilling, Anm.) Schulden mehr weniger schlaflose Nächte bereiten als ein paar hundert Arbeitslose (mehr). "Jetzt sind wir in einer ähnlichen Situation", so der Wienerberger-Chef. Lieber ein bisschen mehr Geld drucken und Arbeitsplätze schützen.

Die Konzernergebnisse des zweiten Geschäftsquartals (April bis Juni) werden voraussichtlich noch stärker von der Coronavirus-Pandemie belastet sein als das erste. Ab Mitte März wurden 29 Werke komplett lahmgelegt - in England standen alle 14 Standorte still, nun wird dort schrittweise wieder hochgefahren. Weltweit beschäftigt Wienerberger rund 17.000 Mitarbeiter an 200 Standorten verteilt auf 30 Länder. In Großbritannien erzielt der weltgrößte Ziegelhersteller normalerweise zehn Prozent des Konzernumsatzes.

"Grundsätzlich muss man angesichts dieser Situation mit den Ergebnissen des ersten Quartals sehr zufrieden sein", betonte Scheuch. Der konzernweite Umsatz wurde bei 793 Mio. Euro gehalten, das waren um 2 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Auch in Frankreich endet nun der komplette Shutdown, der bei dem Konzern zehn Werke in dem Land betraf. "Die Lockerungen sind vor ungefähr zehn Tagen eingetreten - wir haben begonnen, hochzufahren, bis auf ein Werk im Norden an der belgischen Grenze." Bis in den Juni hinein will der Wienerberger-Chef dort "wieder vollständig in Produktion sein. Vier Werke in Italien seien "jetzt noch im Stillstand". "Ich gehe davon aus, dass wir um die Monatswende hier aus dem herauskommen", so Scheuch. Auch ein Rohrwerk in Irland sei noch im Shutdown.

Im März kam es coronabedingt zu einem Absatzeinbruch von rund 30 Prozent im konzernweiten Schnitt. "Das zieht sich auch in den gesamten April und Mai hinein", berichtete der CEO. Die allmähliche Wiederinbetriebnahme von Produktionslinien wirkt erst zeitverzögert. "Die Lockerungen spürt man dann erst später - es dauert zwei bis drei Wochen, bis Werke wieder laufen."

Für das erste Quartal nahm Wienerberger Abschreibungen im Volumen von rund 116 Mio. Euro vor. "Die Covid-19-Krise ist ein Anlassfall, wo ein Unternehmen alle seine Assets prüfen muss", erklärte Scheuch.

94 Mio. Euro der Abschreibungssumme entfielen auf die vollständige Firmenwertberichtigung im Bereich Fassadenziegel in Nordamerika. "Seit 1999 schleppen wir den mit, den 'Goodwill', und ich sagte, wir erledigen das jetzt ein für alle Mal statt immer wieder 10 Millionen - das heißt, es gibt dann keinen 'Goodwill' mehr." Es handle sich dabei aber um keine Abschreibung der Assets - "die sind stark und gut", meinte der Konzernchef. Die restlichen 22 Mio. Euro an Abwertungen seien "vor allem in Russland" vorgenommen worden. "Hier ist es eine Asset-Abschreibung - da haben wir keinen 'Goodwill'", so Scheuch. In Russland betreibt Wienerberger zwei große Ziegelwerke und weiters ein Rohrwerk in Moskau.

Das bereinigte EBITDA verringerte sich im ersten Quartal von 109 auf 105 Mio. Euro. Für das Gesamtjahr wurden die Erwartungen angesichts der Covid-19-Pandemie auf 440 bis 480 Mio. Euro gekappt - vor Corona war das Management für 2020 noch von einem operativen Ergebnis (vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) zwischen 625 und 645 Mio. Euro ausgegangen, nach 610 Mio. Euro im vergangenen Jahr.

(Das Gespräch führte Birgit Kremser/APA)

Quelle: APA

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