Wirtschaft

90 Jahre Börsencrash 1929: Chronologie eines tiefen Falls

Der "Black Friday" zog sich an den US-Börsen über mehrere Tage und zog eine der größten Weltwirtschaftskrisen der Geschichte nach sich.

Tausende Menschen versammeln sich am24. Oktober 1929 vor der New Yorker Börse.  SN/AP
Tausende Menschen versammeln sich am24. Oktober 1929 vor der New Yorker Börse.

In dieser Woche ist es wieder soweit - der "Black Friday" steht an. Heutzutage ist er wohl eher als eines der größten Shopping-Ereignisse des Jahres in den USA bekannt, an den Finanzmärkten gilt er jedoch nach wie vor als Schreckenstag, der eine der längsten und weitreichendsten Wirtschaftskrisen der Geschichte nach sich zog - die "Great Depression" der 1930er-Jahre.

90 Jahre ist der große Börsenkrach von 1929 nun her. Dieser fand jedoch gar nicht an jenem Freitag, dem 25. Oktober, der als Schwarzer Freitag in die Geschichte einging, statt, sondern vor allem an den Handelstagen davor und danach. Vor der großen Verkaufswelle war es zwar bereits seit Anfang Oktober deutlich nach unten gegangen an der Börse, nachdem der US-Leitindex Dow Jones am 3. September bei 381 Punkten einen Rekord-Höchststand markiert hatte.

Daten und Fakten. SN/APA
Daten und Fakten.

Die erste große Panik brach jedoch erst am Donnerstag, dem 24. Oktober aus, als der Dow bereits in den ersten Handelsstunden um mehrere Prozent einbrach. Dies rief umgehend die führenden Banken auf den Plan, die bereits am selben Tag mit massiven Stützungskäufen eingriffen und so den Kursverfall kurzfristig aufhalten konnten. Unterstützt wurden sie dabei von der Federal Reserve, die ebenfalls mit Aktienkäufen in Millionenhöhe (insgesamt 370 Mill. Dollar bis Ende November, davon alleine bis 30. Oktober 160 Mill. Dollar) in den Markt eingriff.

"Orgie der Spekulation, Manie, Seifenblase"

Mit den Stützungskäufen wollten die Bankiers die Panik stoppen und beweisen, dass sie trotz des kurzen Kursverfalls noch Vertrauen in den US-Finanzmarkt hatten. Dieses wurde durch den Einbruch massiv erschüttert, denn nach dem Boom der späten 20er Jahre herrschte unter den Anlegern der Glaube vor, bei den Aktienmärkten gäbe es nur eine Richtung - nach oben. "Der Markt wurde als eine Orgie der Spekulation beschrieben, als eine Manie, eine Seifenblase, er wurde mit ähnlichen Ausdrücken belegt, die mangelnden Realitätsbezug kennzeichnen", schrieb der US-Ökonom Charles Kindleberger in seinem 1973 erstmals erschienenen Buch "Die Weltwirtschaftskrise 1929 bis 1939". Zwischen 1925 und September 1929 hatten sich die Kurse im Schnitt verdreifacht. Dies führte jedoch zu einer riesigen Spekulationsblase, die durch Aktienkäufe auf Kredit in ihrem Risiko noch verschärft wurde.

Auf den Crash folgte die Krise

Obwohl die Stützungskäufe die Kursverluste am Donnerstag und Freitag eindämmen konnten, brach unmittelbar nach dem Wochenende eine erneute Verkaufswelle aus. Binnen zwei Tagen verlor der Dow insgesamt knapp 25 Prozent, insgesamt wurden am 29. Oktober, dem "Schwarzen Dienstag", 16,4 Millionen Aktien umgesetzt. Ein absoluter Rekord, der in den nächsten knapp 40 Jahren nicht mehr übertroffen werden sollte. Den Jahrestiefstand erreichte der US-Index am 13. November mit 198 Punkten. Damit war das Drama jedoch noch lange nicht beendet, denn bis zum Sommer 1932 büßten die US-Börsenkurse nahezu 90 Prozent ihres Werts ein. Seinen im September 1929 erreichten Rekord von 381 Punkten schaffte der Dow in den nächsten 20 Jahren nicht mehr.

Dieser Crash zog eine der größten weltweiten Wirtschaftskrisen nach sich - die "Great Depression", die geprägt war von zahlreichen Unternehmensinsolvenzen, Massenarbeitslosigkeit und einem Bankensystem, das wegen zu vieler fauler Kredite dem Zusammenbruch nahe war. Die daraus resultierende Kreditknappheit gepaart mit einem eisernen Sparkurs der Regierungen tat ihr Übriges, um die globale Wirtschaft gleich für mehrere Jahre zum Stillstand zu bringen.

Daten und Fakten. SN/APA
Daten und Fakten.

Welche Spuren der Schwarze Freitag in Österreich hinterließ

In den Jahren nach dem Börsencrash breitete sich die in den USA begonnene Krise weltweit aus, auch in Österreich hinterließ dies klare Spuren. Zum Problem wurden insbesondere die Reparationszahlungen aus dem ersten Weltkrieg, die Österreich noch zu leisten hatte. Denn US-Banken begannen nach dem Einbruch an den Aktienmärkten, ihr Geld aus Europa abzuziehen und an europäische Länder vergeben Kredite zu kündigen.1931 kumulierte die Krise in Österreich im Zusammenbruch der Creditanstalt für Handel und Gewerbe. Diese musste im Mai 1931 alle Schalter schließen, wegen Abschreibungen bei den Schuldnern und daraus entstandenen Verlusten, wie es damals begründet wurde. Um die für die österreichische Wirtschaft bedeutende Creditanstalt zu retten, musste der Staat mit 100 Millionen Schilling einspringen. Die Nationalbank und das Haus Rothschild schossen zudem jeweils 30 Millionen Schilling zu.

Broker am „Schwarzen Freitag“ 1929 in der New Yorker Börse: Innerhalb weniger Tage verloren Millionen Amerikaner ihr Vermögen, die Panik griff weltweit auf die Börsenplätze über. SN/AP
Broker am „Schwarzen Freitag“ 1929 in der New Yorker Börse: Innerhalb weniger Tage verloren Millionen Amerikaner ihr Vermögen, die Panik griff weltweit auf die Börsenplätze über.

Der Börsencrash von 1929 sollte nicht der letzte seiner Art bleiben. In den folgenden Jahrzehnten kam es immer wieder zu schweren Markteinbrüchen, zu nennen wären beispielsweise der "Schwarze Montag" 1987 sowie die Pleite der Lehman-Brothers 2008, die die weltweite Finanzkrise nach sich zog. Ob und wann der Welt der nächste Börsenkrach oder gar die nächste globale Krise ins Haus steht, darüber lässt sich allerdings nur spekulieren.

In einem Vorwort aus dem Jahr 2019 zu Kindlebergers Buch hält der deutsche Vermögensverwalter und Philosophie-Liebhaber Georg von Wallwitz aber fest: "Es muss, damit die Weltwirtschaft stabil bleibt, ein Land geben, welches als letztinstanzlicher Kreditgeber auftritt, der seine Märkte auch in Krisenzeiten offen hält, der antizyklisch zu handeln bereit ist, der für die Koordination der Wirtschaftspolitik in den einzelnen Ländern und für einen Währungsanker sorgt. Dazu bedarf es eines politischen Willens, der das Eigeninteresse eines mächtigen Landes dem globalen Gemeinwohl in schweren Zeiten unterordnet. In dem amerikanischen Mangel an politischem Pflichtbewusstsein gegenüber der Welt sieht Kindleberger die tiefste Ursache für eine Weltwirtschaftskrise, welche die USA am Ende mit in den Abgrund zog".

Quelle: APA

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