Adventlied

Anklöcklerlied: "Gott griaß enk, Leitln"

In Salzburger Orten wird der Brauch des Anklöckelns noch gelebt. Ging es früher darum, Gaben zu erbitten, zählt heute die Freude am Singen.

Anklöckler in der Nähe von Kuchl. SN/andreas kolarik
Anklöckler in der Nähe von Kuchl.

"Wieso Zeit vergeuden, wenn ihr nicht einmal Geld einsammelt?" Diese Frage hat Anni Haitzmann, die neue Vorständin des Salzburger Volksliedwerks, oft gehört. Sie geht seit Jahren mit einer Gruppe in ihrer Heimat Unken anklöckeln, ein Brauch, der in Teilen Salzburgs, Tirols und im Salzkammergut verbreitet ist. "Ursprünglich ist es ein Heischebrauch, also entstanden, um mit Gesang Gaben wie Geld, Speis oder Trank zu erbitten", schildert Anni Haitzmann. "Aber wir sammeln nicht, wir gehen, um den Brauch leben zu lassen." Nur als sie Musiklehrerin gewesen sei, habe sie mit ihren Schulgruppen Geld erbeten, um die Klassenkassa für die Wienwoche aufzubessern. Andere Gruppen sammelten Spenden für wohltätige Zwecke. "Da gibt es viele Variationen."

Anklöckeln im Advent

Das Anklöckeln - auch als Anklöpfeln bekannt - ist seit Mitte des 15. Jahrhunderts belegt. Im Gegensatz zum Sternsingen, bei dem Gruppen rund um den Dreikönigstag Anfang Jänner singend von Haus zu Haus ziehen, findet das Anklöckeln traditionell im Advent statt. Haitzmann geht an den ersten zwei Donnerstagen. "Am dritten Donnerstag gehen nur die Bettler", habe es geheißen, als sie als Kind anklöckeln ging. "Manchmal ist es als Herbergsuche inszeniert, dann verkleiden sich Sänger als Maria und Josef", erzählt Anni Haitzmann. Sie und ihre Gruppe machen sich als Hirten mit Wetterfleck, Gitarre und einer Laterne auf den Weg.

Anni Haitzmann vom Volksliedwerk Salzburg. SN/robert ratzer
Anni Haitzmann vom Volksliedwerk Salzburg.

Doch nicht im ganzen Bundesland ist der Brauch bekannt. Als die Unknerin erstmals in ihrem Dienstort Saalfelden angeklöckelt habe, seien viele überrascht gewesen, schildert Anni Haitzmann. "Als wir eines Abends in einem Wohnblock im Stiegenhaus gesungen haben, sind nach und nach die Wohnungstüren aufgegangen, Leute haben, in ihre Schlafröcke gekleidet, herausgeschaut, wollten zuhören, mitsingen. Wir haben in viele strahlende Gesichter geschaut."

Mittlerweile seien auch in Saalfelden, etwa im Seniorenwohnheim Farmach, mehrere Anklöckler-Gruppen unterwegs, sagt Anni Haitzmann. Die Pandemie habe das Ausleben des Brauchs aber erschwert. Während des Lockdowns werde sie nicht gehen. Privat singe sie aber weiter: "Man kann auch daheim singen, in der Familie, mit den Enkerln, das ist uns wichtig."

"Gott griaß enk, Leitln"

Ein Stück, das als beliebtes Anklöcklerlied gilt, ist "Gott griaß enk, Leitln". Schon als Kind habe sie dieses gehört, als an ihre Türen geklopft worden sei, erzählt Anni Haitzmann. Nun singt sie es mit Kindern wie Kollegen.

Wie Wolfgang Dreier-Andres, Archivleiter des Salzburger Volksliedwerks, erläutert, ist das Lied erstmals durch den Altenmarkter Pfarrer Martin Hölzl in seinem gleichnamigen Liederbuch um 1922 veröffentlicht worden. Hölzl schreibt darin vom Lehrer Johann Weiß in Schwoich in Tirol, der 1875 einen vierstimmigen Satz des Liedes vorgelegt habe. Belege dafür hätten allerdings nicht gefunden werden können, sagt Wolfgang Dreier-Andres. Seit den 1920er-Jahren habe sich das Lied in Westösterreich und Bayern verbreitet. "Als Anklöcklerlied hat es sich durchgesetzt, weil es aus der Sicht der Hirten gesungen wird, die vom Heiligen Land zu den Leuten kommen und ihnen die frohe Botschaft verkünden." Abschließend erfolgt die Bitte um "a Tröpfei Schnåps" - als Hinweis auf das Heischen von Gaben.

Diese Liedzeile sorge beim Anklöckeln für Erheiterung, erzählt Anni Haitzmann. "Es kann vorkommen, dass wir mehrere Stunden in Häusern verbringen, weil die Menschen uns hereinbitten, uns bewirten und mit uns singen möchten." Das sei für sie das Schönste an dem Brauch: "Gemeinsam musizieren und Zeit miteinander verbringen."

Kommt, singt mit:

Anklöckler in der Nähe von Kuchl. SN/salzburger volksliedwerk
Anklöckler in der Nähe von Kuchl.

Hier finden Sie Liedtext und Noten zum Mitsingen.

Audio: "Gott griaß enk, Leitln" singen der Innersbach Zweigesang.

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