Adventlied

Andachtsjodler zum Mitsingen: "Jokl, Hiasl, Hansl, Michl!"

An einem Hirtenlied aus Sterzing in Südtirol hängt ein in Salzburg bestens bekannter Jodler. Der Familiengesang Fuchsberger aus Grödig hat das Lied für die SN eingesungen.

Kommt, singt mit!

Hier finden Sie Liedtext und Noten zum Mitsingen.

Für einen Jodler ist es üblich, was für Uneingeweihte bei einem Salzburger Adventsingen im Großen Festspielhaus ungewöhnlich erscheinen mag: Wenn einer anfängt, stimmen andere ein, sodass bald alle in Stube oder Saal mitjodeln. Der in seiner Grundmelodie kurze, schlichte Gesang eines Jodlers schwillt dann um Ober- und Unterstimmen an und wird in Wiederholungen zu einem mantraartigen Gemeinschaftserlebnis.

Der "Andachtsjodler" - das Markenzeichen eines Adventsingens in der Tradition von Tobias Reiser - wird nach Angaben von Wolfgang Dreier-Andres vom Salzburger Volksliedwerk vermutlich seit den Anfängen des Salzburger Adventsingens Ende der 1940er am Schluss einer Aufführung gesungen. Und wie beim Jodeln üblich stimmen alle - also das Publikum - ein. Der so ausgehend von Salzburg berühmt gewordene "Andachtsjodler" ist seither in Hunderten Aufnahmen und Abdrucken in Schul- und Liederbüchern verbreitet.

Neue Erkenntnisse zum Andachtsjodler

Doch jüngsten Erkundungen zufolge stammt dieser Jodler aus Sterzing in Südtirol und wurde dort am Ende jenes Hirtenliedes gesungen, das hier vorgestellt wird. Dieses hat der niederösterreichische Volksliedsammler Karl Liebleitner (1858-1942) erstmals aufgezeichnet und 1921 mit dem Vermerk publiziert, Lied und Jodler seien in Sterzing "seit 1833 erinnerlich". Demnach wurde dieser Jodler als Ausklang des Liedes "Jokl, Hiasl, Hansl, Michl!" in der Mette "ganz leise während der Wandlung gesungen".

Damals habe es den Namen "Andachtsjodler" noch nicht gegeben, stellt Wolfgang Dreier-Andres fest. Erst Tobias Reiser habe offenbar den Jodler aus dem Kontext dieses Sterzinger Hirtenliedes herausgelöst und als eigenständigen Gesang ins Salzburger Adventsingen eingebaut.

Der herzerfrischend heitere Text von "Jokl, Hiasl, Hansl, Michl!" erzählt die Hirtenverkündigung: Ein Engel reißt die Hirten nachts aus ihrem Schlaf und teilt ihnen mit: "Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude …" Die erste Strophe von "Jokl, Hiasl, Hansl, Michl!" macht deutlich, wie sehr der Engel die Hirten zunächst in Angst und Schrecken versetzt: Einer, der Bartl, schreit gar so laut, dass man glaubt, "er is net gescheit".  Der diesem Lied angehängte Jodler - mittlerweile auch "Sterzinger Mettenjodler" genannt - sei zunächst namenlos gewesen, berichtet Wolfgang Dreier-Andres. 1927 und 1938 sei er in Liederbüchern von Helmuth Pommers und Kiem Pauli als "Jodler-Andacht" betitelt worden. Die Bezeichnung "Andachtsjodler" tauche erstmals in den "Salzburger Musikblättern" von Dezember 1940 in einer Erläuterung des Komponisten Cesar Bresgen auf.

Video: "Jokl, Hiasl, Hansl, Michl!" mit dem Familiengesang Fuchsberger aus Grödig. Im Video zu sehen:  Johannes Rohrer (Gitarre), Gesang: Sebastian Fuchsberger, Franz Fuchsberger, Sepp Fuchsberger, Martin Fuchsberger (Klavier und Gesang).

Neues Buch der Salzburger Hirtenspiele

Fröhlich und schlicht
Obwohl das Lukasevangelium den Hirten nur wenige Zeilen widmet, sind sie Protagonisten im adventlichen Singen und Spielen. "Die Fröhlichkeit und die Schlichtheit" machten sie besonders, schreibt Josef Radauer im neuen Buch. Der Solobassist der Camerata Salzburg engagiert sich seit der Kindheit fürs Adventsingen - vom Lungauer Buben im Großen Festspielhaus bis zum Leiter des Hirtenadvents.


Zum Mitspielen
Von Tobi Reisers Hirtenspiel aus 1952 bis zu jüngsten Produktionen des Hirtenadvents werden im neuen Buch zehn Stücke samt Liedern vorgestellt: damit sie in Schulen oder Familien gespielt werden. Sie sind für ein bis zwölf Kinder, vereinzelt können bis zu 20 Kinder mitspielen. Das Buch ist im Onlineshop des Salzburger Volksliedwerks erhältlich.

<Schriftwechsel14><unbenannt>Buch:</unbenannt> Sbg. Volksliedwerk, Josef und Elisabeth Radauer, &#8222;Salzburger Hirtenspiele&#8220;, 144 Seiten, Salzburg 2021.</Schriftwechsel14> SN/salzburger volksliedwerk
Buch: Sbg. Volksliedwerk, Josef und Elisabeth Radauer, „Salzburger Hirtenspiele“, 144 Seiten, Salzburg 2021.

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