Adventlied

Barbaralied zum Mitsingen: "Ich brach drei dürre Reiselein"

Am 4. Dezember ist Barbaratag. Da blühen Zweige im Namen einer mutigen Frau. Und es wird gesungen - wie die Gruppe "Barabarazweigerl". Hier finden Sie ein Video samt Liedtext und Noten zum Mitsingen und Nachhören.

Längst wird Barbara verehrt, um Schutz und Hilfe angefleht und mit dem Symbol einer Krone als mächtig dargestellt. Doch in ihrem irdischen Leben im 3. Jahrhundert war sie eine Außenseiterin, die in ihrem Widerstand einsam blieb und trotz Gefangenschaft im Turm und öffentlicher Folter an ihrer Überzeugung festhielt.

Als mutige, unbeugsame Frau ist Barbara eine beliebte Heilige Europas. Sie ist eine der vierzehn Nothelfer und mit ihrem Turm - neben Margaretha mit dem Wurm und Katharina mit dem Radl - eines der "heiligen drei Madl". Weil sie Patronin der Bergleute ist, finden sich prächtige Barbara-Skulpturen im Bergbau- und Gotikmuseum Leogang.

Aufblühender Barbara-Zweig. SN/salzburger volksliedwerk
Aufblühender Barbara-Zweig.

Hier finden Sie den Liedtext samt Noten zum Barbaralied.

Der Mut der heiligen Barbara

Das im Lied erwähnte "Reiselein" hat uralte Symbolkraft: Das Reis ist ein junger Spross eines Baumes - auch eines alten oder abgehackten und vermeintlich toten Baumes. Über den heißt es etwa am Anfang des 11. Kapitels im Buch Jesaja des Alten Testaments: "Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht. Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht." Und an anderer Stelle im Buch Jesaja, im 7. Kapitel, steht: "Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben."

Der Brauch, zu Beginn des Advents ein Reis einzuwässern, auf dass es gegen alle Regeln der Jahreszeiten bis Weihnachten Blüten tragen möge, passt also zum draufgängerischen Mut der heiligen Barbara ebenso wie zum Warten auf Weihnachten. Wolfgang Dreier-Andres vom Salzburger Volksliedwerk ergänzt: Dass das Lied von drei grünenden Reiselein berichte, stehe für die Dreifaltigkeit.

Kein einfaches Lied - aber strahlend

Mit Blick auf diese religiöse Sinnfälligkeit erstaunt die Entstehung: Zunächst mit anderer Melodie sei es erstmals als "Julfeierlied" in nationalsozialistischen Sammlungen veröffentlicht und sogleich mehrmals vertont worden; es habe sich in der NS-Zeit enorm verbreitet, berichtet Wolfgang Dreier-Andres. Der Autor des Texts, Heinz Grunow, habe seit Mitte der 1930er-Jahre Lieder "für die nationalsozialistische Bewegung" verfasst. Obwohl in der NS-Zeit aus fast allen Liedern jegliche christliche Konnotation entfernt worden sei, hätten hier "Sankt Barbara", "Heilige Nacht" und "Gott" überdauert. Dies sei "geradezu atypisch für nationalsozialistische Lieder", stellt Wolfgang Dreier-Andres fest. Allein der Text würde kaum zur Annahme führen, dies sei ein in der NS-Zeit entstandenes und dort vielfach verbreitetes Lied.

Die heutzutage populäre Melodie stammt aus 1948 vom Grödiger Organisten Josef Gruber. Von diesem habe es die Singgruppe Klappacher-Fuchsberger bekommen und es verbreitet, schildert Wolfgang Dreier-Andres. "Es ist kein einfaches Lied." Der Ambitus - also der Tonumfang - sei hoch, "weil man weit hinaufmuss, damit es richtig strahlt". Dieser "wunderschöne Satz" passe ideal für den Sopran der prononcierten Salzburger Volksliedsängerin Christl Klappacher.

Video: Die Gruppe Barbarazweigerl singen "Ich brach drei dürre Reiselein". Copyright: Salzburger Volksliedwerk, ein Video der Familie Rettensteiner.

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