Salzburger Festspiele Zum Schwerpunkt ...
Salzburger Festspiele

Bilanz der Salzburger Festspiele: Dieser Sommer war "sehr groß"

Das Direktorium der Salzburger Festspiele zog erfreuliche Bilanz, kann aber doch nicht ganz beruhigt in den Urlaub gehen.

"Herr: es ist Zeit. / Der Sommer war sehr groß." So bilanzierte, Rilke zitierend, Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler am Dienstag den am 30. August enden-den Festspielsommer 2018. Markus Hinterhäuser, der Intendant, sprach nach seiner zweiten Saison sogar von einem "ziemlich sehr gewaltigen Sommer", und als "Gedichteschleuder" (Hinterhäuser über Hinterhäuser) schickte er Rilke gleich Gottfried Benns "Melancholie" nach: "Was ist der Mensch? - die Nacht vielleicht geschlafen / doch vom Rasieren wieder schon so müd, / noch eh ihn Post und Telefone trafen, / ist die Substanz schon leer und ausgeglüht."

Auf so viel Poesie folgte das politische Statement, dass Kunst keine konkreten Lösungen für die Probleme unserer Zeit anbieten könne, sehr wohl aber essenzielle Überlegungen zum Politischen abseits billiger Parteipolitik. Gute Fragen zu stellen, meinte schon Eröffnungsredner Philipp Blom in seinem letzten Buch, sei heute, in einer Zeit, in der sich die Diskussion zur Konfrontation verschoben habe, wichtiger, als große Antworten zu finden. Dass dies gelungen sei, so die Präsidentin, zeige sich auch am imponierenden Interesse des Publikums, das sich diese Fragen stellen lasse. Diesen "Pakt mit dem Publikum" einzugehen, so der Intendant, gelinge, wenn man ihm, dem Publikum, Respekt entgegenbringe und es "intellektuell und im Herzen in aufrichtiger Weise fordert". Auch dafür ein dichterischer Zeuge: die "Herzensbildung" Flauberts.

Das Geheimnis des Erfolgs, sagte Hinterhäuser, sei ein besonderer Sinn von Gemeinschaft, den so nur Festspiele bilden könnten. Kunst "herzustellen" sei nicht schwer, das Wichtigste sei vielmehr, Kunst "entstehen" zu lassen. Dass dies vorbildlich gelungen ist, dafür sind insbesondere die epochale Produktion der "Salome" oder Tschaikowskis Oper "Pique Dame" Beweis. Hier hätten alle Mitwirkenden, vor und hinter den Kulissen, von Anfang an - und der beginne schon lang vor den Proben - im besten und kreativsten Sinn zusammengearbeitet. Nur so sei es möglich, Außergewöhnliches zu kreieren. Festspiele müssen dieses Außergewöhnliche schaffen.

Eine andere Form von Gemeinsamkeit entstand durch epochen- wie spartenübergreifenden Zusammenklang, was besonders Konzertchef Florian Wiegand hervorhob. Die unter dem Generalthema "Passion. Leidenschaft" stehenden Projekte etwa der Ouverture spirituelle zeigten dies in der Gegenüberstellung von alter und neuer Musik, von der Renaissance bis in die Gegenwart. Besondere Konstellationen entstanden auch dadurch, dass "neue Interpretationen eine andere Wahrnehmung befördert" hätten, am Beispiel der 7. Symphonie von Beethoven etwa der Vergleich zwischen den Dirigenten Teodor Currentzis und Kirill Petrenko innerhalb weniger Tage. Dass auch zwischen Kammermusik und Oper - etwa im Falle Tschaikowskis ("Pique Dame") oder Hans Werner Henzes ("The Bassarids") - erweiternde Verbindungslinien hergestellt wurden, möchten wir hier noch lobend hinzufügen.

Auch die herausfordernden Schauspielproduktionen, betonte deren Leiterin Bettina Hering, hätten "mit den Mitteln der Kunst das Labyrinth der Passion, des Rausches, weit aufgestoßen" und damit leidenschaftliches Interesse erweckt. Die vertiefenden Veranstaltungen mit Lesungen und Recherchen, die auch Brücken zur Oper schlugen, seien ein weiteres wichtiges Indiz von programmatischer "Gemeinsamkeit".

Dass Bettina Hering zudem den Bravourakt bestehen konnte, in kürzester Frist mit Philipp Hochmair einen "Jedermann-Ersatz" (keinen "Ersatz-Jedermann", wie Hinterhäuser betonte) für den erkrankten Tobias Moretti zu finden, wird wohl als Husarenstück dieses auch sonst "krankheitsanfälligen" heißen Sommers gelten dürfen.

Keineswegs gekränkelt hat die ökonomische Bilanz. Der kaufmännische Leiter Lukas Crepaz vermeldete von den 206 Aufführungen in 42 Tagen an 18 Spielstätten Bruttoeinnahmen von rund 30,3 Millionen Euro, damit 400.000 Euro mehr als erwartet, bei einer Platzausnutzung von 97 Prozent durch rund 261.000 Besucher.

Auch auf den Kaufmann wartet jetzt aber eine Herkulesarbeit. Ein enormer Starkregen am 8. August verursachte während eines Konzerts einen unangenehmen Wassereintritt. Die Folge: Eine Generalsanierung des 58 Jahre alten Großen Festspielhauses "vom Keller bis zum Dach" (Rabl-Stadler) sei unabdingbar.

Bis Herbst werde deswegen ein Masterplan ausgearbeitet (finanziell und logistisch eine heikle Aufgabe) und mit dem Kuratorium zu diskutieren sein. Hier müsse die Politik, wünscht der Intendant, in langfristiger Perspektive agieren, denn schließlich sei das Haus nicht nur für die Festspiele, sondern während des Jahres für alle Salzburger von eminenter Bedeutung.

Aufgerufen am 08.08.2022 um 02:54 auf https://www.sn.at/festspiele/salzburger-festspiele/bilanz-der-salzburger-festspiele-dieser-sommer-war-sehr-gross-39348952

Kommentare

Schlagzeilen