Am Himmel wird der Faule fleißig

Von Drohnen wird uns bald der Kopf schwirren, denn sie sind auf einmal zu allem zu gebrauchen.

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Bits & Bites Thomas Hofbauer
Am Himmel wird der Faule fleißig SN/APA/dpa/Julian Stratenschulte
Am Himmel wird der Faule fleißig

Die erste Drohne, mit der sich eine größere Zahl von Menschen auseinandersetzte, hieß Willi. Der faule Willi aus der Fernsehserie "Biene Maja". Willi, der essen, schlafen und sonst wenig im Kopf hatte, war gegen die gemeine männliche Biene aber immer noch ein fleißiges Kerlchen. Über die ist in Erfahrung zu bringen, dass sie sich weder an Arbeiten im Bienenstock noch am Sammeln von Nektar beteiligt. Sie ist nicht einmal in der Lage, Nektar aus Blüten aufzunehmen. Zu ihrer eigenen Ernährung ist sie auf andere angewiesen. Erst nach der Geschlechtsreife fliegen Drohnen regelmäßig aus, um nach begattungsfähigen Bienenköniginnen zu suchen. Eine Schelmin, die sich da jetzt fragt, ob die Zuschreibung nur für männliche Bienen gilt.

Ein komplett anderes Bild von Drohnen entstand, als 2001 die USA begannen, über Afghanistan Bomben aus unbemannten Flugobjekten abzuwerfen. Mit dem Drohnenkrieg gegen Terroristen verlor der Begriff Drohne seine kindliche Unschuld.

Googelt man heute im Internet nach dem Begriff Drohne, kommt die männliche Biene quasi nicht mehr vor. Dafür liest man Schlagzeilen wie: "Versuch mit Tausenden Gummi-Enten: Mit Drohnen zählt sich's besser", "Hilfsorganisation stellt für Suche nach Wrack Drohne bereit", "1200 Drohnen im Himmel über Pyeongchang zeichnen dreidimensionale Figuren", "Drohnen als Paketzusteller getestet". Laut letzten Meldungen überlegt man sogar, die Bestäubung von Nutzpflanzen durch Drohnen erledigen zu lassen. Wie paradox. Das Bild von Drohnen ist derart im Wandel, dass sie mittlerweile in beinahe allen Rollen vorstellbar sind. Nur nicht mehr in der des faulen und nur zu dem einen zu gebrauchenden Taugenichts.

Eines werden Drohnen aber auch in Zukunft nicht ablegen können: Eine durch die sprachliche Herkunft ihres Namens festgeschriebene Eigenschaft. Drohne wurde vom Niederdeutschen drane, drone übernommen, das mit dem Verb dröhnen verwandt ist. Und das tun sie, ob als männliche Biene auf dem Hochzeitsflug im sonst lauschigen Garten oder bald schon als Lieferdrohne mit einem Paket im Schlepptau: Sie dröhnen uns die Ohren voll.

Aufgerufen am 19.12.2018 um 03:51 auf https://www.sn.at/kolumne/bits-und-bites/am-himmel-wird-der-faule-fleissig-25143325

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