Ein logisch falscher Weg

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Bits und Bites Thomas Hofbauer
Trump kommunizierte bisher hauptsächlich via Twitter SN/APA (dpa)/Patrick Pleul
Trump kommunizierte bisher hauptsächlich via Twitter

Der Kurznachrichtendienst Twitter war beinahe schon Geschichte. Die Nutzerzahlen stagnierten, ein funktionierendes Geschäftsmodell war nicht in Sicht. Im Oktober des vergangenen Jahres strich man deswegen neun Prozent der 3860 Stellen. Die Kürzungen seien ungewöhnlich und könnten den Nimbus als Zukunftsunternehmen gefährden, meinten Experten.

Und dann kam Trump, der twitternde Präsident mit dem Hang zu kurzen Gedanken und alternativen Fakten, die er gern auf 140 Zeichen unter die Menschen bringt. Seither ist der flügellahme Zwitschervogel im Aufwind. In den vergangenen Quartalen gab es keinen einzigen Einbruch des Ak tienkurses mehr.

Nun hat Twitter angekündigt, gegen problematische Inhalte im Netz vorgehen zu wollen. Accounts, die zu Missbrauchszwecken eingerichtet werden, sollen identifiziert und geschlossen werden. Dabei gehe es vor allem darum, Leute zu identifizieren, die permanent von Twitter ausgeschlossen würden und dann immer wieder neue Konten einrichteten. Ein guter Schritt, der im Kampf gegen Fake News im Netz helfen kann.

Auch die Ankündigung, das System so zu verbessern, dass bereits geblockte Inhalte nicht mehr in den Suchergebnissen auftauchen können, ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Doch was man sich sonst noch vornahm, ist durchaus kritisch zu sehen. Das Bestreben, kontroverse Inhalte in der Timeline weniger sichtbar zu machen. Missbräuchliche und minderwertige Antworten weniger prominent darzustellen beziehungsweise auszublenden.

Wer bitte soll in diesem Prozess die Guten von den Bösen unterscheiden? Wer sagt, was eine missbräuchliche und was eine minderwertige Antwort ist? Ich fürchte, dass keine gut geschulten und richtig urteilenden Menschen diese Arbeit übernehmen werden. Auch hier wird wohl das Zauberwort Algorithmen heißen. Sollen uns Algorithmen aus einem ideologisch gespaltenen Onlinediskurs retten, in den sie uns vorher hineingeritten haben?

Es ist zu begrüßen, dass Twitter dem permanenten Vorwurf, nicht aktiv genug gegen Spam und Hass vorzugehen, etwas entgegensetzen will. Doch wenn die Antwort eine technische ist, der ein mechanistisches Denkmodell zugrunde liegt, wird das wieder in Schwarz-Weiß-Malerei enden.

Um uns aus dieser Falle zu befreien, müssen wir mit Widersprüchen umzugehen lernen und uns von der Suche nach dem absolut Richtigen oder Falschen lösen. Dazu sind die Werkzeuge der mathematischen Logik, mit denen Computer arbeiten, die falschen.

Aufgerufen am 24.09.2018 um 01:31 auf https://www.sn.at/kolumne/bits-und-bites/ein-logisch-falscher-weg-389209

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