Wie viele Kinder wären denn nötig für diesen Job?

Viele Frauen werden am Arbeitsmarkt benachteiligt, schon lange bevor sie überhaupt daran denken, Kinder zu bekommen.

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Frauensache Katharina Maier

In Wien wurde einer schwangeren Kellnerin gekündigt, weil sie aufs Trinken und Rauchen verzichtete und damit "nicht mehr zum Image" des Lokals passte. Eine SN-Recherche zeigte wenig später: Die Frau ist kein Einzelfall. Die Arbeiterkammer verzeichnet unzählige Beschwerden von schwangeren Frauen, die am Arbeitsplatz diskriminiert werden.

Das ist eine Schweinerei - die aber schon viel früher anfängt, nämlich lange bevor eine Frau schwanger wird oder überhaupt an Kinder denkt: bei der Jobsuche. Eigentlich ist es gesetzlich verboten, bei einem Bewerbungsgespräch zu fragen, ob eine Frau plant, Kinder zu bekommen. Man muss sich jedoch nicht lange umhören, um von allen Seiten bestätigt zu bekommen, dass die Familienplanung sehr wohl Thema in vielen Gesprächen mit potenziellen Arbeitgebern ist. Besonders junge Frauen zwischen 25 und 35 berichten von großen Problemen beim Jobwechsel: Wer in diesem Alter noch keine Kinder hat und in einer festen Beziehung ist, hat schlechte Karten.

Eine Salzburgerin, die anonym bleiben möchte, schildert ihre Erlebnisse: "Bei einem früheren Job wurde mir gesagt, dass ich nochmal überlegen solle, ob die Stelle etwas für mich sei, wenn ich vorhätte, in den nächsten ein bis zwei Jahren ein Kind zu bekommen." Bei einem anderen Bewerbungsgespräch sei die Frage nach der Kinderplanung zwar nicht direkt gefallen, jedoch sei die "Fragerei rundherum" eindeutig gewesen, erinnert sich die junge Frau: "Ich wurde unter anderem gefragt, ob ich einen Partner habe." Welche Rolle spielt das für den Job?

Aus wirtschaftlicher Sicht ist es verständlich, wenn Unternehmen versuchen, karenzbedingte Ausfälle gering zu halten. Vor allem kleine Betriebe kann es vor große Probleme stellen, wenn mehrere Frauen gleichzeitig schwanger werden. Das entschuldigt aber nicht, dass Frauen in gewissen Lebenssituationen für einen Job gar nicht in Betracht gezogen werden könnten. Das ist nicht nur moralisch verwerflich, sondern bestätigt auch einmal mehr das alte Bild: Familie und Karriere werden in unserer Gesellschaft weithin als unvereinbare Faktoren wahrgenommen. Der Konflikt wird zudem nur den Frauen zugeschrieben.

Zum Glück gibt es auch Unternehmen, die auf Mitarbeiterzufriedenheit setzen und proaktiv mit dem Thema Familienplanung umgehen, etwa indem sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber offen kommunizieren, welche Angebote es im Betrieb gibt. Dasselbe könnten übrigens auch Frauen tun, wenn sie das nächste Mal im Bewerbungsgespräch sitzen. Denn die treffendste Antwort auf die Frage nach der Kinderplanung lautet wohl: "Wie viele Kinder wären denn nötig für diesen Job?"

Aufgerufen am 14.10.2019 um 11:46 auf https://www.sn.at/kolumne/frauensache/wie-viele-kinder-waeren-denn-noetig-fuer-diesen-job-76270420

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