Kultur

Anschuldigungen gegen Placido Domingo ziehen Kreise

Nachdem mehrere Frauen dem spanischen Starsänger, Dirigenten und Operndirektor Placido Domingo sexuelle Belästigungen vorgeworfen hatten und dies am Dienstag durch eine umfassende Recherche der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) bekannt geworden war, reagierten US-amerikanische Kulturinstitutionen umgehend mit zum Teil scharfen Sanktionen.

Anschuldigungen gegen Placido Domingo. SN/AP
Anschuldigungen gegen Placido Domingo.

Wie Norman Lebrecht auf seinem Klassikblog www.slippedisc.com berichtet, hat die Los Angeles Opera, der Domingo seit Jahrzehnten als General Manager in leitender Funktion verbunden ist, einen unabhängigen Ausschuss einberufen, um die Vorwürfe gegen Domingo zu untersuchen. Man würdigt Domingos Verdienste, zugleich aber will man alles unternehmen, ein professionelles und kollaboratives Umfeld zu fördern, in dem sich alle Künstler und Angestellten gleichermaßen wertgeschätzt und respektiert fühlen sollen, wie es in einem Statement der Oper heißt.

Die Ergebnisse dieses Ausschusses will auch die New Yorker Metropolitan Oper (MET) abwarten, um zu entscheiden, wie man mit künftigen Engagements von Domingo an dem bedeutenden Haus umgehen werde. Insbesondere steht schon im September "Macbeth" von Verdi mit Anna Netrebko als Lady und Domingo in der Titelrolle an. "Mit äußerster Sorgfalt", so die MET, nehme man Anschuldigungen sexueller Übergriffe und Machtmissbrauch ernst, das Opernhaus betont aber, dass Domingo immer "Gastkünstler" gewesen sei und keinen Einfluss auf Besetzungen ausüben konnte.

Ihren eigenen, vierzig Jahre tätig gewesenen Musikdirektor, James Levine, hatte die MET bekanntlich sofort von allen Dirigaten entbunden, als gegen ihn Vorwürfe sexuellen Missbrauchs erhoben worden waren. Den anhängigen Rechtsstreit haben beide Parteien erst kürzlich außergerichtlich beigelegt.
Umgehend und hart reagierten mittlerweile die Philadelphia Orchestra Association und die San Francisco Opera auf die Vorwürfe gegen Domingo. Philadelphia lud den Sänger vom Eröffnungskonzert am 18. September aus. Man wolle, hieß es in einer von Lebrecht zitierten Stellungnahme, ein sicheres, respektvolles und angenehmes Umfeld für Orchester und Bedienstete, mitarbeitende Künstler und Komponisten, aber auch für das Publikum gewährleisten. Die San Francisco Opera hat eine Gala mit Domingo am 6. Oktober abgesagt.

Die Salzburger Festspiele hingegen halten am Auftritt Placido Domingos in zwei konzertanten Aufführungen von Verdis "Luisa Miller" am 25. und 31. August fest. Präsidentin Helga Rabl-Stadler betonte am Dienstag im Einklang mit dem Intendanten Markus Hinterhäuser und Finanzchef Lukas Crepaz als Mitgliedern des Direktoriums, es sei "sachlich falsch und menschlich unverantwortlich, zum derzeitigen Zeitpunkt endgültige Urteile und darauf beruhende Entscheidungen zu fällen".


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