Kultur

Architekturkritiker Friedrich Achleitner gestorben

Er galt als Doyen der Architekturkritik und Vertreter der "Konkreten Poesie": Der Tod von Friedrich Achleitner (88) am heutigen Mittwoch hat zahlreiche Trauerbekundungen und Würdigungen nach sich gezogen. ORF 2 zeigt in memoriam am kommenden Montag ein Interview des Architekturtheoretikers und Dichters mit Alfred Dorfer, Ö1 widmet dem Verstorbenen drei Sendungen.

Der Publizist Friedrich Achleitner verstarb mit 88 Jahren SN/APA/HERBERT NEUBAUER
Der Publizist Friedrich Achleitner verstarb mit 88 Jahren

"Mit seinen wissenschaftlichen Werken hat er einen bedeutenden Beitrag zur Kunst- und Architekturszene in Österreich geleistet", würdigte Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) Achleitner in einer Aussendung. Am Bekanntesten ist er wohl für seine kurz nach seinem 80. Geburtstag abgeschlossene mehrbändige Dokumentation "Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert". Zugleich war Achleitner als einer der Hauptvertreter der "Konkreten Poesie" Mitglied der legendären "Wiener Gruppe".

Bundespräsident Alexander Van der Bellen würdigte den gebürtigen Oberösterreicher als "einen streitbaren Kritiker, leidenschaftlichen Förderer hochwertiger österreichischer Architektur und zugleich einen Mitbegründer der heimischen Literatur nach 1945". Für Zsolnay-Verlagsleiter Herbert Ohrlinger war Achleitner "eine Ausnahmeerscheinung", als "Vorbild, Begleiter und Beschützer" würdigte Gerhard Ruiss (IG Autorinnen Autoren) den Dichter, dessen "Verdienste um die Literatur" er als "unschätzbar" bezeichnete. Auch Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) würdigte den Verstorbenen, in dessen Meisterklasse sie einst unterrichtet hat: "Die stupende Herzensbildung war ihm stets Ausgangspunkt für unvergleichlich präzise gesetzte (Sprach-)Analysen, die gewissermaßen noch im letzten Dialektgedicht einer Liebe zur angstfreien Bewegung nach vorn Ausdruck verliehen."

Auch das Architekturzentrum Wien verlieh seiner Trauer am Nachmittag per Aussendung Ausdruck: "Mit dem Ableben Friedrich Achleitners verliert die österreichische Architekturforschung eine seiner prägendsten Persönlichkeiten und das Architekturzentrum Wien einen seiner prononciertesten Förderer und Unterstützer, Wegbegleiter und wunderbaren Freund - eine Lücke, die bleiben wird."

Achleitner, geboren am 23. Mai 1930 in Schalchen in Oberösterreich, studierte Architektur an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Clemens Holzmeister. Nach Beendigung des Studiums reizte ihn allerdings mehr die theoretische Beschäftigung mit der Architektur als das Bauen an sich. Als Architekturkritiker, Lehrender und Forschender verbreitete er über viele Jahrzehnte sein umfassendes Wissen zur österreichischen Baukultur. Sein umfangreiches Archiv wurde im Jahr 2000 von der Stadt Wien angekauft und dem Architekturzentrum Wien übergeben.

Doch es gab auch die Literatur: 1957 war Achleitner gemeinsam mit H.C. Artmann, Gerhard Rühm, Oswald Wiener und Konrad Bayer als legendäre "Wiener Gruppe" zum ersten Mal an die Öffentlichkeit getreten und hatte damit eine sprachexperimentelle Revolution angezettelt. 1959 veröffentlichte Achleitner gemeinsam mit Artmann und Rühm den Dialekt-Band "hosn rosn baa", ein Jahr darauf publizierte er "schwer schwarz". Zugunsten der Arbeit an "Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert" rückte das literarische Schreiben für einige Jahrzehnte in den Hintergrund, wurde im Alter aber wieder präsenter. Im Zsolnay Verlag erschienen zuletzt "der springende punkt" (2009), der Dialektgedichte-Band "iwahaubbd" (2011) und 2015 "wortgesindel": ein ironisches Aufzeigen des allgegenwärtigen sorglosen Umgangs mit der Sprache.

ORF 2 wiederholt im Rahmen des kommenden "Kulturmontags" (1. April, 23.20 Uhr) ein Gespräch Achleitners mit Alfred Dorfer, der Radiosender Ö1 bringt drei Spezialsendungen: Den Anfang machen die "Nachtbilder" am Samstag (30. März, 22.20 Uhr) mit "Achleitner liest Achleitner - innviaddla liddanai", tags darauf folgen die "Gedanken" (9.05 Uhr) mit "Zufall und Fügung. Friedrich Achleitner über Sprache, Architektur und mangelnde Lebensplanung" sowie die "Tonspuren" (21.00 Uhr) mit dem Feature "Der Literatekt" von Matthias Däuble.

Quelle: APA

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