Jubiläum des Museums in Leogang

Blüte des Bergbaus machte Salzburg reich

Im Boden des Salzburger Erzstifts schlummerte neben Salz ein weiterer Schatz. Sein Abbau brachte Wohlstand und den Bergleuten Ansehen.

Was Blumen als Zierde auf einem bürgerlichen Festtisch sind, war für Gewerken ein Handstein. Damit präsentierten sie die Blüten ihres Bergwerks. Da in den goldenen Schüsselchen kostbare Gewürze kredenzt wurden, liegt ein Vergleich mit der Saliera oder anderen Salz- und Gewürzgefäßen nahe. Das Bergbau- und Gotikmuseum zeigt einen Handstein aus dem Museum für angewandte Kunst in Wien (MAK), der aus dem Bergwerk Herrengrund (Špania Dolina) in der Slowakei stammt.  SN/bbgm
Was Blumen als Zierde auf einem bürgerlichen Festtisch sind, war für Gewerken ein Handstein. Damit präsentierten sie die Blüten ihres Bergwerks. Da in den goldenen Schüsselchen kostbare Gewürze kredenzt wurden, liegt ein Vergleich mit der Saliera oder anderen Salz- und Gewürzgefäßen nahe. Das Bergbau- und Gotikmuseum zeigt einen Handstein aus dem Museum für angewandte Kunst in Wien (MAK), der aus dem Bergwerk Herrengrund (Špania Dolina) in der Slowakei stammt.

Der Bergbau in Salzburg blickt auf eine jahrtausendealte Tradition zurück. Neben dem für Stadt und Land namensgebenden Salz wurden auch die inneralpinen Erzvorkommen bereits in vorgeschichtlicher Zeit abgebaut. Seine Blütezeit erlebte der Erzbergbau im Mittelalter und der beginnenden Frühen Neuzeit: Hunderte Kilogramm Gold und Silber wurden Jahr für Jahr abgebaut und machten das Erzstift Salzburg zu einem der reichsten Territorien des Heiligen Römischen Reichs.

Das Aufblühen der Städte und des internationalen Handels führte ab dem 11. Jahrhundert zum Wiederaufkommen der Geldwirtschaft, die seit dem Ende des Weströmischen Reichs im 5. Jahrhundert weitgehend zum Erliegen gekommen war. Dies verstärkte die Nachfrage nach Edelmetallen und anderen montanen Rohstoffen.

Das Verfügungsrecht über diese Bodenschätze, das Bergregal, gelangte nach und nach in die Hände der Landesherren. Den Salzburger Erzbischöfen wurde es im Jahr 1199 von König Philipp von Schwaben übertragen. Gegen Zahlung einer Gebühr von zehn Prozent des erwirtschafteten Gewinns (Bergzehent oder Fron) und ein Vorkaufsrecht auf Erz unter dem Marktpreis (Wechsel) überließen sie dieses Recht privaten Unternehmern - den Gewerken. Der Bergbau in den Ostalpen erlebte daraufhin eine erste Blüte.

Im 14. Jahrhundert führten ungünstige klimatische Bedingungen (Beginn der Kleinen Eiszeit), Missernten und Hungersnöte sowie die 1347/48 über Europa hereinbrechende Pest zu einem starken Bevölkerungsrückgang. Davon war auch das Montanwesen betroffen. Der Feinsilbergehalt der Münzen verringerte sich, Investitionen in die Gruben wurden vernachlässigt und es mangelte an Personal. Der Bergbau stagnierte und wurde mancherorts aufgegeben.

Nach der Krise des Spätmittelalters setzte im ausgehenden 15. Jahrhundert die Hochblüte des Edelmetallbergbaus im Erzstift Salzburg ein, die bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts andauerte. Befeuert wurde dieser Boom von der erstarkten Nachfrage nach Edelmetallen und verbesserten Abbau- und Aufbereitungsmethoden. Zu den bedeutendsten Montanregionen stiegen die Reviere in den Hohen Tauern - in Rauris und Gastein - auf, in denen zirka 2000 Personen beschäftigt waren.

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts wurden hier jedes Jahr um die 600 Kilogramm Gold und das Drei- bis Vierfache dieser Menge an Silber gewonnen, wodurch Salzburg zum größten Edelmetallproduzenten Mitteleuropas aufstieg. Die Einnahmen aus dem Erzbergbau übertrafen in dieser Zeit sogar jene des Salzbergbaus in Hallein. Neben den Großbetrieben in Rauris und Gastein wurden viele kleine und mittlere Schürfstellen und Bergwerke im ganzen Land betrieben, unter anderem in Dienten, Mühlbach und Thumersbach, in der Flachau und dem Großarltal oder in Ramingstein.

Auch das 1425 erstmals urkundlich erwähnte Bergwerk im Schwarzleotal bei Leogang zählte zu den mittelgroßen Betrieben im Erzstift. Abgebaut wurden hier neben Silber auch Kupfer, Blei, Quecksilber, Nickel und Kobalt, das zur Glasfärbung bis nach Venedig exportiert wurde. Besonders das Leoganger Silber war beim Salzburger Pfennigmeister begehrt, da es sehr rein und daher geschmeidig war.

Der Vortrieb der Stollen erfolgte bis in die Frühe Neuzeit vorwiegend mit Schlägel und (Berg-) Eisen - jenen Werkzeugen, die in gekreuzter Form bis heute als Symbol für den Bergbau stehen. Zusätzlich bedienten sich die Knappen der seit vorgeschichtlicher Zeit üblichen Methode des Feuersetzens: Das Gestein wurde durch Feuer erhitzt, mit kaltem Wasser abgekühlt und zermürbt. Üblich war auch das Sprengen der Felsen mit hölzernen Keilen, die bis zum Aufquellen mit Wasser übergossen wurden. Erst an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert konnte die Vortriebstechnik durch den Einsatz von Schießpulver wesentlich gesteigert werden.

Das erzhaltige Gestein wurde mit Wägen (Hunten) oder in Säcken über Tag befördert und mit Pferden auf Saumpfaden oder (im Winter) in Sackzügen über hölzerne Rutschen (Sackzugriesen) zu den Pochwerken ins Tal transportiert. Hier wurde das Material mithilfe von Wasserkraft zerkleinert. In den enorme Holzmengen verschlingenden Schmelzöfen wurde das begehrte Edelmetall gewonnen.

Unter Tage sahen sich die Bergleute vielfältigen Gefahren für Leib und Leben ausgesetzt. Einstürzende Gruben, plötzliche Wassereinbrüche, Steinschlag und Stürze bei der Ein- und Ausfahrt zählten zu den unmittelbaren Bedrohungen. Hinzu kamen schleichende Gefahren wie hohe Staubbelastung und giftiger Rauch oder ständige Nässe und Kälte in den engen Stollen. Auch über Tag war das Leben in der abgeschiedenen Bergwelt der Montanreviere hart. Kälte, Schnee und Lawinen sowie die oft schwierige Versorgung erschwerten den Alltag.

Angesichts der harten Lebensumstände suchten die Bergleute Zuflucht und Trost im Glauben. Die Gründung religiöser Bruderschaften und frommer Stiftungen sowie die Verehrung der Bergbauheiligen Barbara, Agatha, Anna und Daniel, nach denen auch Stollen und Schächte benannt wurden, zeugen von dieser Religiosität. Nach der Reformation im 16. Jahrhundert neigten viele Knappen dem Protestantismus zu - obschon sie ihren Glauben im katholischen Erzstift nur im Geheimen ausüben konnten.

Allen widrigen Umständen zum Trotz gehörten die Bergknappen einem angesehenen Berufsstand an, dem angesichts der fiskalischen Bedeutung des Bergbaus allerlei Privilegien zugesprochen wurden. Freier Wild- und Vogelfang, Unterkünfte sowie frühe Formen von Unfallversicherung und Altersvorsorge und eine eigene Gerichtsbarkeit unterstreichen die soziale Sonderstellung. Organisiert in Knappen- und Bruderschaften wurde dies mit eigenen Trachten, Fahnen und Trommeln stolz zu Schau gestellt.

Im ausgehenden 16. Jahrhundert setzte der Niedergang des Salzburger Erzbergbaus ein. Die Ursache lag vor allem in der Erschöpfung ergiebiger und leicht zugänglicher Lagerstätten, was den Abbau aufwendiger und kostenintensiver machte. Viele der einst wohlhabenden Gewerken verschuldeten sich und standen vor dem Ruin. Nach 1616 wurden viele Bergwerke verstaatlicht. Auch der Zustrom von Gold und Silber aus der Neuen Welt, der zum Verfall der Edelmetallpreise in Europa führte, sowie die 1731 einsetzende Protestantenvertreibung trugen zum Niedergang bei.

Andreas Zechner ist Historiker in Salzburg mit dem Schwerpunkt Wirtschafts-, Sozial und Umweltgeschichte.


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Schöne Heimat

Akelei

Von Anton Seifriedsberger
24. Mai 2022
Vielleicht könnte man diese wunderbare Pflanze auch "Schwanenhalsblume" nennen.

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