Kultur

#kleinePauseMozart: " Allerliebster Papa!"

Wolfgang Amadé Mozart war zeit seines Lebens ein produktiver Briefeschreiber, genauso wie sein Vater oder seine Schwester Maria Anna Mozart.

 SN/stiftung mozarteum

Der Briefwechsel der Familie Mozart gehört zu den bedeutendsten Kulturschätzen der Welt. Die vielen Briefe erlauben nicht nur Einblicke in das Alltagsleben der Musikerfamilie, sondern sind auch eine Quelle zur europäischen Musikgeschichte des 18. Jahrhunderts.

Die Sammlung von Originalbriefen der Stiftung Mozarteum in Salzburg wird durch zahlreiche handschriftliche Dokumente des 18. und des 19. Jahrhunderts ergänzt. Dies wird immer wieder im Rahmen von Führungen, Ausstellungen oder Lesungen zugänglich gemacht.


Der künstlerische Leiter der Stiftung Mozarteum, Andreas Fladvad-Geier, liest einen Ausschnitt aus einem Brief des Sohnes an den Vater vor.

Der Brief aus Mannheim an den Vater in Salzburg vom 8. November 1777 lautet:

"Allerliebster Papa!

Ich kan nicht Poetisch schreiben; ich bin kein dichter. ich kan die redens=
arten nicht so künstlich eintheilen, daß sie schatten und licht geben; ich
bin kein mahler. ich kan sogar durchs deüten und durch Pantomime
meine gesinungen und gedancken nicht ausdrücken; ich bin kein tan=
zer. ich kan es aber durch töne; ich bin ein Musikus. ich werde auch
morgen eine ganze gratulation sowohl für dero Namens= als geburts=
tag beÿ Canabich auf dem Clavier spiellen. für heüte kan ich nichts
als ihnen, Mon trés cher Pére, alles vom ganzen herzen wünschen,
was ich ihnen alle tage, Morgens und abends wünsche. gesundheit,
langes leben, und ein fröhliches gemüth. ich hoffe auch, daß sie iezt
weniger verdruß haben, als da ich noch in Salzburg war; den ich muß
bekenen, daß ich die einzige ursach war. man gieng mit mir schlecht
um; ich verdiente es nicht. sie nahmen natürlicherweis antheil - -
aber zu sehr. sehen sie, das war auch die gröste und wichtigste ur=
sache warum ich so vom Salzurg weg eilte. ich hoffe auch mein wunsch
ist erfüllet. Nun muß ich mit einer Musikalischen gratulation
schliessen. ich wünsche ihnen, daß sie so vielle jahre leben möchten, als
man jahre braucht, um gar nichts neües mehr in der Musick machen
Zu können. Nun leben sie recht wohl; ich bitte sie recht unterthänig mich
noch ein bischen lieb zu haben, und mit diesen schlechten glückswunsch
unterdessen verlieb zu nehmen, bis in meinem engen und kleinen
Verstands=kasten neüe schubladen gemacht werden, wo ich den
verstand hinthun kan, den ich noch zu bekomen im sin habe. ich
küsse dem Papa 1000 mahl die hände, und verbleibe bis in Tod
Mon trés cher Pére
Manheim den 8:ten Nov:bre 1777
gehorsamster sohn
wolfgang Amadé Mozart mp


Mehr Information zu Briefen der Familie sowie bedeutete Dokumente ist in der Digitalen Mozart-Edition zu finden.

Quelle: SN

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