Kultur

#kleinePauseMozart: Bölzlschießen

Die Mozarts als Schützenfamilie.

 SN/stiftung mozarteum

Die Familie Mozart war eine begeisterte Schützenfamilie. Das Scheibenschießen zählte zu einer der beliebtesten Sonn- und Feiertagsbeschäftigung der Familie. Geschossen wurde oft in Gärten, bei Familie Mozart jedoch zumeist in der Wohnung, im Tanzmeistersaal oder im Garten von anderen Mitgliedern.

In Salzburg existierte zu dieser Zeit eine "bürgerliche Schützengesellschaft", ein lustiger Ableger dieser Gesellschaft war die "Bölzlschützenkompagnie", welcher Vater Leopold, Mutter Anna Maria sowie deren Kinder Maria Anna und Wolfgang Amadé Mozart angehörten. Wolfgang Amadé Mozart selbst war ein leidenschaftlicher "Bölzlschütze" und seit dem 10. Lebensjahr Mitglied der kleinen aber feinen "Bölzlschützenkompagnie", seines Vaters.

Wie kam es dazu, dass das "Bölzlschießen" auch "pelzlschüssen" sich an solcher Beliebtheit erfreute? Unter Erzbischof Colloredo (1732-1812) waren alle Spiele, auch das Musizieren zu Hause, Gast- und Kaffeehausbesuche bis 4 Uhr nachmittags als Sonn- und Feiertagsunterhaltung strengstens verboten. Auch das Spielen und Feiern zu Gottesdienst- und Fastenzeiten war im katholischen Salzburg untersagt. Daher nutzten die schlauen Bürger Salzburgs die Gelegenheit bei dem Schopf und vergnügten sich nachdem Sonntagsmahl mit dem "Bölzlschießen" im Garten oder im Haus.

Denn das Scheibenschießen war an vielen Tagen im Jahr erlaubt.

Geschossen wurde mit Windbüchsen, zumeist auf große bemalte Holz- oder Papierscheiben, die einen Durchmesser von ca. einem Meter hatten. Die kleinen "Böltzel", welche aus einer Distanz zwischen 8 bis 10 Meter abgefeuert wurden, hatten eine Stahlspitze mit Schweineborsten, die zur optimalen Flugführung dienten.

Die turnierähnlichen Spiele wurden von einem Bestgeber oder einer Bestgeberin ausgerichtet und organisiert. Frauen nahmen genauso an diesem Wettschießen teil wie Männer. Die Bestgeber waren nicht nur für Speis und Trank zuständig, sondern händigten dem besten Schützen (oder Schützin), das Preisgeld von etwa einem Gulden aus oder ließen eine Scheibe mit originellen Texten für den Besten, bemalen. Das Reglement besagt auch, dass die Bestgeber wechselten. So kam es, dass auch andere Mitglieder der Kompagnie wie auch Wolfgang Mozart, diese Funktion innehatten.

Das Spiel wurde nicht nur sonntags praktiziert, sondern auch als Begrüßungs- und Abschiedsschießen für Gäste oder bei Feierlichkeiten wie zum Beispiel das Geburtstagsschießen. Mozart musste daher oft den Besten geben. So schrieb er in einem Brief an seinen Vater, bis ins Detail hinein (manchmal ziemlich frech und derb), wie seine Scheibe auszusehen hat, wenn er wieder einmal den Besten geben muss.

So schrieb Mozart an seinen Vater Leopold einen Brief aus Mannheim (April 1777), in dem er seine Scheibe ausführlich beschreibt: "Die scheiben, wens es nicht zu spät ist, bitte ich mir so aus. ein kleiner Mensch mit lichten haaren steht gebückt da, und zeigt den blosen arsch her. aus seinen Mund gehen die Wort, guten appetit zum schmaus, der andere wird gemacht, in stiefl und sporn, ein roths kleid, eine schöne Perücke nach der Mode; er muß von mitterer grosse seyn. er wird in der Positur vorgestellt wie er den andern just im arsch leckt, aus seinen Mund gehen die worte. ach, da gehtman drüber n'aus. so, ich bitte." Hier finden Sie den ganzen Brief an Leopold Mozart.


Auch während Mozart auf Reisen war, wollte er stets über den Verlauf des Scheibenschießens informiert werden, um über den aktuellen Stand seines Lieblingsspiels Bescheid zu wissen.

Quelle: SN

KULTUR-NEWSLETTER

Jetzt anmelden und wöchentlich die wichtigsten Kulturmeldungen kompakt per E-Mail erhalten.

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 04.12.2020 um 05:15 auf https://www.sn.at/kultur/allgemein/kleinepausemozart-boelzlschiessen-86285032

#kleinePauseMozart

#kleinePauseMozart

Jetzt lesen

Kommentare

Schlagzeilen