Kultur

Sommerszene: Fahr' mit ins rätselhafte Salzburg

Auf schöne Aussichten muss man verzichten, dafür sind viele Einsichten inklusive: Bei der Sommerszene bietet eine Künstlergruppe eine Quiz-Rundfahrt zu Salzburgs versteckten Seiten.

Wo sich die Notausgänge befinden, darauf haben die beiden Reiseleiterinnen schon beim Start charmant hingewiesen. Die Türen nach draußen zu benutzen wäre im Moment aber vielleicht gar keine so gute Idee. "Wir nähern uns einem Ort, der nicht ungefährlich ist", verrät eine der beiden blau Uniformierten. In welches Eck von Salzburg die Route führt? Die 16 Passagiere, die ihren Platz bei der Stadtrundfahrt gebucht haben, können nur raten. Zu sehen ist der Weg nämlich nicht, den der Bus jetzt einschlägt. Seine Seitenfenster sind mit Vorhängen verschlossen, die Fahrerkabine mit einem Tuch abgeschirmt. Zum Grübeln hat die Reisegruppe zudem nur ein paar Augenblicke. Denn jetzt beginnen die Reiseleiterinnen Hella und Renate mit dem Countdown: "Drei, zwei, eins, null … Wir sind da!"

Es ist nur eine Probefahrt, zu der das Salzburger Künstlerkollektiv gold extra am Freitagabend sein Testpublikum bittet. Aber die gewünschten Aha-Effekte stellen sich bereits ein: Wer sich auf eine Tour durch ein Salzburg abseits der bekannten Wege und touristischen Klischees locken und sich an überraschende Orte chauffieren lässt, kann erleben, wie viele unvertraute Anblicke die Stadt zu bieten hat.

Wie ein Quiz hat das Salzburger Künstlerkollektiv die Fahrt angelegt, in der die Schauspielerinnen Dorit Ehlers und Martina Dähne als ironisch-smarte Stewardessen auftreten und gewohnte Salzburg-Bilder infrage stellen. Den offiziellen Betrieb nimmt die "Stranger Home"-Tour diese Woche beim Salzburger Peformancefestival Sommerszene auf.

Um eine Route für ihre Rundfahrt zu finden, führten die Mitglieder von gold extra zuvor Interviews mit Salzburgern, die ganz unterschiedliche Blicke auf "ihre" Stadt einbrachten. "Wir haben Polizisten, Reporter, Rapper und viele andere gefragt", erzählen Karl Zechenter, Sonja Prlić und Tobias Hammerle. Genügend Orte mit Geschichte(n) zu finden, sei somit kein Problem gewesen. "Es gibt viele spannende Ecken, an denen man jahrzehntelang vorbeifährt, ohne sie je bewusst wahrgenommen zu haben."

Für dieses Wahrnehmen bleibt den Gästen freilich auch während der eineinhalbstündigen Tour nicht viel Zeit. Nur kurz können sie nach dem Aussteigen an den einzelnen Stationen Orientierung suchen. Innerhalb von 40 Sekunden müssen sie dann auf einem Stadtplan den Ort markieren, an dem sie sich zu befinden glauben. Und das klingt leichter, als es ist, wenn man etwa zwischen zwei Blocks einer Wohnanlage steht. "Vielleicht denkt man in der kurzen Zeit nicht daran, ein Straßenschild zu suchen", sagt Zechenter. "Vielleicht hilft einem der Straßenname aber auch gar nicht weiter", ergänzt Hammerle. Es gehe bei der Tour also nicht zuletzt auch darum, "sich seines eigenen Blicks auf die Stadt wieder bewusst zu werden", sagt Prlić.

"Geht es Ihnen nicht auch manchmal so, dass Ihnen plötzlich alles ganz fremd vorkommt?", fragen die Reisebegleiterinnen zwischen zwei Stopps deshalb nicht ohne Hintergedanken. Das Fremde im scheinbar Vertrauten zu entdecken, ist eine wesentliche Idee der spielerischen Stadttour.

Auch früher haben gold extra ihre Projekte gern im Format von Spielen umgesetzt. In den Computergames "Frontiers" und "From Darkness" ließen sie etwa die Spieler das Thema Flucht mit den Augen von Flüchtenden erleben. Diesmal "wollten wir die Lupe auf unseren eigenen Lebensmittelpunkt richten", sagt Hammerle.

Das funktioniert auch während der Fahrt wie in einem Ratespiel: Mit Quizrunden werden Wissen und Vorurteile über Salzburg auf den Prüfstand gestellt - überraschende Einsichten inklusive. Wer keinen Platz bei einem der zehn Termine findet, kann auch virtuell seinen Blick auf die Stadt überprüfen: Am 15. Juni werden eine Handy-App und eine Virtual-Reality-Version von "Stranger Home" präsentiert. Auf klassische Sightseeing-Motive werden auch sie verzichten. "Wir bieten gleichsam das Gegenteil einer ,Sound of Music'-Tour", sagt Zechenter.

Die Sommerszene beginnt morgen, Dienstag, mit der Performance "to come (extended) von Mette Ingvartsen. Bis 15. Juni sind 14 Produktionen, davon vier Uraufführungen, zu sehen.

Das Projekt "Stranger Home" der Salzburger Künstlergruppe Gold extra hat am 6. Juni (mittwoch) Premiere bei der Sommerszene. An zehn Terminen startet der Bus vom Haupteingang des Zentrums im Berg zur Stadtrundfahrt.

Die Handy-App sowie Virtual-Reality-Version des Projektes, (das auch einen Podiums-Preis des Landes Salzburg erhielt) werden am 15. Juni in einem Vortrag vorgestellt.

Programm: www.sommerszene.net

Aufgerufen am 15.12.2018 um 08:48 auf https://www.sn.at/kultur/allgemein/sommerszene-fahr-mit-ins-raetselhafte-salzburg-28748827

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