Kultur

ARGEkultur Salzburg: Markus Grüner-Musil hört auf

Die ARGEkultur Salzburg schreibt Rekorde. Sie schreibt auch an einer Zukunft, die ohne ihren künstlerischen Leiter Markus Grüner-Musil passieren wird.

13 Jahre sind genug. Sagt er. Markus Grüner-Musil wird sich deshalb von der ARGEkultur Salzburg verabschieden. Sein Vertrag läuft im März 2018 aus. Er will ihn nicht verlängern. Im Sommer 2017 schreibt der Vorstand deshalb seine Funktion als künstlerischer Leiter der ARGE neu aus. Und, was wird Markus Grüner-Musil ab März 2018 machen? "Keine Ahnung. Das neue Projekt und ich sind uns noch nicht begegnet." Nachsatz: "Aber die ARGE war ja auch nicht geplant. Sie ist mir gewissermaßen passiert."

Fest steht: Das Programm 2018 wird noch seine Handschrift tragen. So wie es auch das der kommenden Saison tun. In Bezug auf Zuschauer und Finanzen hat sich der Kulturbetrieb, den Daniela Gmachl als kaufmännische Geschäftsführerin leitet, die Latte selbst recht hoch gelegt. Denn 2016 war für die ARGEkultur das erfolgreichste Jahr bisher. Mit 44.000 Besuchern kamen um 8000 mehr zu 334 Veranstaltungen (276 Eigen-, 58 Gastveranstaltungen). 1,5 Mill. Euro betrug das Budget. 60 Prozent gaben Stadt, Land und Bund. 40 Prozent wurden selbst erwirtschaftet. Allein die Erlöse aus Eintritten beliefen sich auf 325.000 Euro.

Erfreuliche künstlersiche Bilanz

Auch künstlerisch sei die Bilanz erfreulich ausgefallen. Vor allem als Koproduzentin habe die ARGE erfolgreich gearbeitet.

Das hat seinen Grund wohl darin, dass Grüner-Musil gar nicht gern einkaufen geht, wenn es sich um künstlerische Produktionen handelt. "Selbst inhaltlich zu arbeiten und Eigenständiges, völlig Neues zu Schaffen, ist das Wichtigste. "

Das gilt auch in seiner verbleibenden Zeit als Leitsatz. Heuer realisiert die ARGEkultur drei neue Projekte mit Partnern. Zunächst die Theaterkoproduktion "Lupus in Fabula" (Februar 2017; Petra Schönwald), die Performance "wallflowering" (März 2017; Iris Heitzinger und Francoise Boillat) und das Open Mind Festival . Titel: "Lonely Planet. Kollektive für Individuen." Einige Thesen und Kernpunkte, die dabei mit den Mitteln der Kunst reflektiert werden: Wirr ist das Volk oder wer ist das Volk? Ist man gemeinsam einsamer als allein? Welche Rollenbilder braucht es, um sich mit einer Gruppe zu identifizieren?

Erstes Kulturunternehmen mit Gemeinwohlbilanz

Noch eine Etappe, eine Mammut-Etappe, wurde geschafft. Als erstes Kulturunternehmen in Österreich erstellte die ARGE unter Regie von Daniela Gmachl eine Gemeinwohlbilanz. Die orientiert sich an Werten wie Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit, Demokratische Mitbestimmung und Transparenz.

Sie werden mit Lieferanten, Geldgebern, Mitarbeiten, Kunden, Produkten, Dienstleistungen und dem gesellschaftlichen Umfeld abgeglichen. Basis ist das Wirtschaftsmodell von Christian Felber.

1000 Punkte sind erreichbar. 521 schaffte die ARGE. In einem Bereich landete man bei Null: Bei der Mitbestimmung durch Fördergeber. Daniela Gmachl: "Das liefe auf eine künstlerische Einflussnahme hinaus. Die wollen wir sicher nicht."

Die Projekte:

"Lupus in fabula"; Theaterstück von Henriette Dushe; eine Koproduktion mit Petra Schönwald; 24. Februar bis 3. März 2017;

"wallflowering"; Performance; eine Koproduktion mit Iris Heitzinger (AT) und Françoise Boillat (CH); 8. bis 10. März 2017;

Open Mind Festival 2017; "Lonely Planet. Kollektive für Individuen" (Arbeitstitel)
9. bis 19. November 2017; "Es gibt im Moment nichts, was man erreichen kann, außer überleben." (Christoph Schlingensief). Doch wie kann dieses Überleben im 21. Jahrhundert gelingen? Die Demokratie ist in schlechter Verfassung, die bestehende Ordnung Europas und der (klein)bürgerliche Wohlstand nicht zu halten, Populismen,
Nationalismen und religiöse Fundamentalismen blühen im Namen des Kapitalismus.

Konzerte 2017 (Auswahl): We Walk Walls, Peter Piek, Ganes, Der Nino aus Wien, Garish, AMI, Chili and the Whalekillers, Bo Candy & His Broken Hearts, Harry Ahamer, Manu Delago, Voodoo Jürgens, Worried Man & Worried Boy, 5/8terl in Ehr'n, Son of the Velvet Rat, Ernst Molden/Willi Resetarits/Walther Soyka/Hannes Wirth, Christoph und Lollo, Rocko Schamoni, Folkshilfe, Blonder Engel & die Hedwig Haselrieder Kombo, Mambo Kurt.

Aufgerufen am 21.11.2018 um 04:49 auf https://www.sn.at/kultur/argekultur-salzburg-markus-gruener-musil-hoert-auf-542371

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