Kultur

"Kommt! Singt mit!": Im SN-Saal wurden Weihnachtslieder einstudiert

Was hilft "In einer kalten Winternacht"? Im SN-Saal wurde ein altes, aber wirksames Rezept ausprobiert. Vom Ergebnis waren am Ende nicht nur die Singlehrerinnen begeistert.

Gemeinsam geht's eben am besten. "Singen wir zuerst einmal alle die Hauptstimme", empfahl also Singlehrerin Roswitha Meikl als kleine Aufwärmübung. Dann trauten sich die ersten Mutigen bereits an die zweite und an die dritte Stimme - und schon klang sie überhaupt nicht mehr eisig, die "Kalte Winternacht", die Tobias Reiser der Jüngere in einem Weihnachtslied verewigt hat.

Weil Singen erwiesenermaßen eine herzerwärmende Funktion hat und trotzdem ein heute immer seltener werdendes Gemeinschaftserlebnis ist, baten Volksliedwerk und "Salzburger Nachrichten" am Dienstagabend zu einer vorweihnachtlichen Premiere: "Erstmals singen bei uns alle Besucher im SN-Saal, nicht nur die Stars auf der Bühne", sagte SN-Kulturchefin Hedwig Kainberger. Den Podiumsgästen wurde freilich trotzdem nicht langweilig: Als Liedpaten oder auch Singlehrerinnen hatten sie jeweils ein Weihnachtslied mitgebracht, das sie vorstellten und mit dem Publikum und der Unterstützung von Harfenistin Heidi Steiner gemeinsam einstudierten.

Warum er "In einer kalten Winternacht" ausgewählt hatte? Weil dessen Komponist Tobias Reiser vor wenigen Tagen seinen 70. Geburtstag gefeierte hätte, sagte Bertl Göttl. Aus diesem Anlass hatte Göttl neben dem Weihnachtslied noch eine Überraschung mit: Als einstiger "Josef" in Reisers Adventsingen stimmte er mit Christl Klappacher ("Sie war mei erste Maria!") und dem ehemaligen SN-Kulturredakteur Bernhard Strobl als Herbergsvater die "Herbergssuche" an, so wie sie das Trio vor 40 Jahren erstmals aufgeführt hatte.

Überraschungen hatte unterdessen auch die Auswahl und die sorgfältige Aufbereitung der Weihnachtslieder zu bieten, nicht nur für die zahlreich erschienenen Singbegeisterten im Saal. "Diese Strophe kannte ich selbst nicht", erzählte etwa Liedlehrerin Hermi Polacek, als bei "O Du mei liaba Hiatabua" der vierte Vers an die Reihe kam. Für einen möglichst originalgetreuen Abdruck der Lieder (sie liegen den SN morgen, Freitag, in einer Beilage bei), hat Archivar Wolfgang Dreier-Andres historische Quellen herangezogen.

Der Aufruf an die "Hiatabuam" stammt aus dem Archiv des Stifts St. Peter. Als Liedpate erzählte da Erzabt Korbinian, wie das Singen im Orden Gemeinschaftssinn stifte: "Man muss aufeinander hören, das fördert die Gegenseitigkeit. Wir singen vier Mal am Tag, das hat für die Gemeinschaft viel gebracht." In Sachen Enthusiasmus und Hingabe gab es aber auch für die Lehrerinnen nichts zu mahnen: "Das geht ja scho' guat!", freuten sich Roswitha Meikl und Hermi Polacek beim Ansingen von "Es wird scho glei dumpa" (das Jazzsängerin Sabina Hank per Videobotschaft ans Herz gelegt hatte) oder "Heißa Buama!". Spätestens da war sogar Improvisieren erlaubt - wenigstens für den Dudelsack-Experten Michael Vereno: "Im Text wird zwar ein Dudelsack besungen, aber die Melodie ist gar nicht dudelsackfreundlich."

Der Stimmung konnte freilich kein fehlender Tonumfang etwas anhaben: Weil's so schön war, wurden am Ende alle fünf Lieder gleich noch einmal hintereinander angestimmt.

Aufgerufen am 22.08.2018 um 07:46 auf https://www.sn.at/kultur/kommt-singt-mit-im-sn-saal-wurden-weihnachtslieder-einstudiert-588613

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