Musik

#kleinePauseMozart: Dienstboten

Museumspädadogen in Mozart-Museen werden oft gefragt, ob die Familie Mozart Dienstboten hatte? Ja!

 SN/stiftung mozarteum

Ob auf Reisen oder daheim in Salzburg, die Mozarts hatten Diener oder Mägde, die sich um ihre Kleider und Frisuren kümmerten und den Haushalt in Gang hielten. Die dienstälteste Magd im Haushalt dürfte das Nandl, eigentlich Maria Anna Pietschner (1732-1805) gewesen sein, die sowohl in der Getreidegasse (Mozarts Geburtshaus) als auch im Haus am Makartplatz (Mozart-Wohnhaus) ihren Dienst verrichtete. Sie taucht erstmals 1769 in der Familienkorrespondenz auf.
Auf der großen Westeuropareise begleitete die Mozart-Familie anfangs Sebastian Winter, der sie aber im Frühjahr 1764 in Paris verließ und in den Dienst des Fürsten von Donaueschingen überwechselte. Leopold Mozart stellte ihm am 2. März 1764 ein gutes Zeugnis aus. Als Ersatz für ihn wurden Jean Pierre Potivin und Giovanni Porta eingestellt. Beide Bedienstete nahm Leopold Mozart 1764 nach London mit. Darüber berichtete er dem Ehepaar Hagenauer am 4. März 1764: "Den 3.ten ist unser Bedienter Sebastian Winter von hier mit der Landkutschen über Strassburg nach Donaueschingen abgegangen. Er ist als Friseur in die Dienste des t: d: Herrn Fürsten von Fürstenberg getretten, und ich habe einen anderen Friseur nahmens Jean Pierre Potivin aufgenommen, er spricht auch gut Teutsch und Französisch, denn er ist in Elsass Zabern gebohren. Nun muß ihn kleiden lassen, wiederum eine grosse Ausgaabe!"

Nandl, Thresl und Monica

Noch auf der Heimfahrt bat Leopold Frau Hagenauer im November 1766 aus München, ihnen eine gute Dienstmagd für daheim zu besorgen; vermutlich wurde wieder das Nandl eingestellt. Dann gab es noch Thresl, eigentlich Theresia Päncklin (geb. 1738), aus Linz und die Magd Monica. Monica ging, nachdem Nannerl 1784 nach St. Gilgen geheiratet hatte, als Köchin in den dortigen Haushalt.
Gutes Personal zu finden war offenbar auch damals schwierig. Die Briefe der Mozarts enthalten oft Klagen, statt Lobeshymnen auf ihre Mägde; es galt, Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: "der Magd der Tresel thut es verflucht spannisch vorkommen, daß die Nannerl in der Küche immer nachsieht, und sie über die unsauberkeit alle tage ganz erschröcklich herunterbutzt. Sie lasst ihr nicht das mindeste hingehen. und wenn sie eine Lüge sagt, so sagt ihr die Nannerl den Augenblick, daß sie eine Unwahrheit gesagt habe. kurz! die tresel macht erstaunlich grosse Augen…"

(Brief vom 5. und 6. Oktober 1777 von Leopold Mozart an Sohn und Ehefrau)
https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=907

Wolfgang und Constanze hatten in Wien eine Magd aus Salzburg, Lisl Schwemmer. Sie war Thresls Cousine und erlangte in den Mozartbriefen "Berühmtheit", da sie sich gemeinsam mit ihrem Liebhaber in Mozarts Wohnung betrank. Dann gab es noch die Lorl und eine Dienstmagd namens Sabine, die vermutlich noch Constanze zur Hand ging, als diese schon Witwe war. Während ihrer langen Kuraufenthalte kümmerte sich auch Joseph Deiner, der eigentlich Kellner in Wolfgangs Stammlokal "Die ungarische Krone" war, um Mozart.
Wer sich als Dienstmädchen bewarb, durfte nicht "caressieren", das heißt keinen Liebhaber haben, und musste verschiedene Frisuren flechten können, etwa einen chenion, einen Knoten im Nacken. Den Mägden oblag das Holz- und Wassertragen, das Feuermachen und Einkaufen. Ihr Jahreslohn betrug ungefähr 12 Gulden (ca. 276 €), zum Vergleich: Leopolds Violinschule kostete 1 Gulden 45 Kreuzer, ein Brotlaib 8 ½ Kreuzer. 60 Kreuzer waren ein Gulden.


Hier findet ihr den Brief von Leopold Mozart an das Ehepaar Hagenauer vom 4. März 1764 aus Paris:
https://dme.mozarteum.at/briefDME/briefe/letter.php?mid=640

Den Brief Leopold Mozarts an seinen Sohn und seine Ehefrau vom 5. und 6. Oktober 1777 könnt ihr hier nachlesen:
https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=907

Quelle: SN

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