Musik

"La Resurrezione": Händels Frühwerk ist der Entdeckung wert

Einmal Händel statt Bach: Das Salzburger BachWerkVokal beeindruckt in der Christuskirche mit einem originellen Passionsoratorium.

Dirigent Gordon Safari. SN/bachwerkvokal salzburg/melissa zgouridi
Dirigent Gordon Safari.

Man sollte nicht immer nur auf die großen Bühnen dieser Stadt schauen. Im Verborgenen lassen sich oft feine Schätze entdecken. Wobei die Projekte von Gordon Safari, der seit 2014 als Diözesankantor für die evangelische Superintendenz in Salzburg und Tirol tätig ist, durchaus öffentlichkeitsbewusst sind.

Jedenfalls sind die Aufführungen von Bach-Kantaten oder Oratorien oder Konzerten mit Barockmusik in der Evangelischen Christuskirche längst fester Bestandteil des Salzburger Musiklebens. Safari, umtriebig und ideenreich, findet für seine Vorhaben immer auch interessante thematische Verklammerungen oder setzt auf Begegnungen mit anderen Künsten, Texten, Betrachtungen, die das musikalische Erlebnis erweitern möchten.

Am Sonntag fand in der Christuskirche die erste Aufführung von Händels frühem römischem Oratorium "La Resurrezione" (1708) statt. Das Auferstehungsgeschehen wird darin zunächst als dramatisch-theologischer Diskurs zwischen Luzifer und dem Engel gestaltet, dann auf Maria Magdalena fokussiert, die mit ihrer Gefährtin Cleofe und Jesu Lieblingsjünger Johannes das Wunder der Auferstehung als Zeichen des göttlichen Lichts begreift.

Das ist schon von der formalen Anlage her eine "anderes" Passionsoratorium als die gewohnten Evangelienvertonungen. Staunenswert ist aber vor allem die kompositorische Qualität, weil Händel für jeden emotionalen Zustand der fünf Protagonisten originelle, farben- und abwechslungreiche Klangcharakteristika entwickelt.

Da ist lebendiges, in Artikulation und Gestik fein ziselierendes Musizieren gefragt. Das von der angesehenen Barockspezialistin Annegret Siedel am Konzertmeisterpult angeführte, solistisch klein besetzte Orchester Kontra.Punkt beeindruckte mit einem selbst in den heikelsten Passagen luziden, transparenten und hochpräzisen Spiel - eine unabdingbare Voraussetzung, um die klangrhetorischen Schönheiten dieser Partitur zu subtilem Leuchten zu bringen.

Aus den fünf stilistisch nicht ganz einheitlichen Solisten ragten die Frauenstimmen deutlich heraus, vor allem der schwebend leichte, agile, biegsam weiche, mit präzise gesetzten Linien, zartem Chroma und feinen und natürlich eleganten Koloraturen stilkundig und ausdrucksstark aufwartende Sopran der jungen Schottin Electra Lochhead in der fordernden Rolle der Maria Maddalena. Das ist eine Stimme, die man unbedingt im Ohr behalten muss, eine veritable Entdeckung. Was neben ihr vor allem die Leistungen des Mezzos Sophie Allen und des Engelssoprans Zsófia Szabós nicht beeinträchtigen soll. An der Kunstuniversität Mozarteum wird Gordon Safari offenbar in reichem Maße fündig.

Die Musik jedenfalls entfaltete genügend an assoziativem Bilderreichtum. Da hätte man die szenisch andeutende, eher verwirrende Verbildlichung im Altarraum - die Kirche als Baustelle - nicht gebraucht: Lassen wir´s als legitimen Versuch zu einer "Kirchenoper" gelten. Diese selbst ist absolut hörenswert - weshalb spontan entschlossene Musikfreunde die Wiederholung am Dienstag um 18 Uhr in der Evangelischen Christuskirche, Schwarzstraße, nicht versäumen sollten. Es lohnt sich.

BachWerkVokal: "La Resurrezione", Passionsoratorium von G. F. Händel, Salzburg, Christuskirche, 24.4.2018, 18 Uhr. Karten-Tel: 0043 699 188 778 70 oder karten@bachwerkvokal.com

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