Musik

Mix aus Revue, Burleske, Rarität

Ambitioniertes Programm: Auch in Bad Ischl beginnt die Sommersaison.

Auch wenn Bad Ischl nicht am Wolfgangsee liegt, passt Ralph Benatzkys Operette "Im Weißen Rössl" an die Traun. Denn am Ende des Operettenklassikers tritt der Kaiser höchstpersönlich in Erscheinung - und der hatte bekanntlich in Ischl seine Sommerresidenz.

Wenn sich also heute, Samstag, der Vorhang hebt zur Premiere, darf man sich heimisch fühlen wie am Wolfgangsee. Thomas Enzinger, im zweiten Jahr Intendant des renommierten Lehár-Festivals, setzt auch heuer zur Eröffnung nicht auf den Namensgeber, bleibt aber nicht minder populär. Denn Melodien wie "Die ganze Welt ist himmelblau", "Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist" oder "Im Salzkammergut, da kann man gut lustig sein" zählen zum unverlierbaren Schlagerschatz. Operettenneu- und -urgesteine wie Ramesh Nair, Susanna Hirschler, Helga Papouschek und Kurt Schreibmayer sind Erfolgsgaranten.

Apropos Lehár: Von ihm, dem zweiten prominenten "Ischler", präsentiert das Festival eine Rarität: Am 10. und am 11. August wird die Operette "Clo-Clo" vorgestellt, in der Lehár (wie Benatzky) auf der Höhe der Zeit war, weil er Walzer und moderne Jazzanklänge mischte. Die titelgebende Clo-Clo Mustache ist eine berühmte Varieté-Sängerin, hat dementsprechend viele Verehrer, unter ihnen auch den Bürgermeister von Perpignan, den sie liebevoll als "Papa" anspricht. Als ein Brief um finanzielle Hilfe an diesen "Chèr Papa" in die Hände der Bürgermeistersgattin gelangt, nehmen die operettentypischen Turbulenzen ihren unvermeidlichen Lauf.

Markus Kupferblum wird den Verlauf der Geschichte halbszenisch einrichten. Mit Marius Burkert steht der heute wohl kompetenteste österreichische Operettendirigent am Pult. Sieglinde Feldhofer, Gerd Vogel, Susanna Hirschler und Daniel Jenz bilden das Vokalquartett dieser Besonderheit, die auch für CD aufgenommen wird.

Kupferblum und Burkert sorgen - zum Dritten - auch für eine weitere besondere Ischler Premiere. Zum ersten Mal kommt dort eine Operette von Jacques Offenbach auf die Bühne. Im Jahr des 200. Geburtstages des produktiven, phänomenal cellospielenden Kantorensohns aus Köln, der im Paris des Zweiten Kaiserreichs zum Star des Unterhaltungstheaters avancierte, wird mit "Pariser Leben" ein so attraktives wie heikles Stück präsentiert: witzig, bunt, frivol, burlesk - und mit dem unverwüstlich-unvermeidlichen Cancan.

Die Farce um den schwedischen Baron von Gondremark und seine Frau, die sich in Paris vergnügen wollen, dabei aber gar nicht sicher sein können, dass sie tatsächlich in Paris sind, ist ein typisch Offenbach'sches Verwirrspiel zwischen Aberwitz und Melancholie.

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