Musik

Neues Viech-Album: Das Leben ist schön - auch wenn sich niemand erinnert

Die Band Viech liefert mit "Niemand wird sich erinnern, dass wir hier waren" ein herzerwärmendes Stück Popmusik ab.

Viech sind: Christoph Lederhilger (Schlagzeug, Gesang), Martina Stranger (Bass, Gesang) und Paul Plut (Gesang, Gitarre, Keys). SN/viech/gerfried guggi
Viech sind: Christoph Lederhilger (Schlagzeug, Gesang), Martina Stranger (Bass, Gesang) und Paul Plut (Gesang, Gitarre, Keys).

Viech hat es schon wieder getan. Nur ein Jahr nach ihrem letzten Album legt das Wiener Trio mit steirischen Wurzeln mit "Niemand wird sich erinnern, dass wir hier waren" (Abgesang) einen neuen Longplayer nach. Und das ist gut so. Denn während es auf dem Vorgängerwerk "Heute Nacht nach Budapest" zwar eingängig poppig, aber auch ziemlich ruppig zuging, entfaltet sich auf "Niemand wird sich erinnern, dass wir hier waren" eine neue lyrische und musikalische Wärme.

Mastermind, Sänger, Gitarrist und Pianist Paul Plut sorgte 2017 mit seinem großartigen, düsteren Solo-Debüt "Lieder vom Tanzen und Sterben" für Begeisterung. Die neuen Lieder seiner Band Viech aber könnten kaum weiter entfernt sein vom großen Weltschmerz. Stattdessen regiert auf dem fünften Viech-Album eine gewisse Entspanntheit, die aber noch genügend Reibungsflächen und Platz für ironische Betrachtungen bietet.

Paul Plut, der heuer zum ersten Mal Vater wurde, blickt diesmal anders auf die Welt, und zwar mit liebevoller Neugier und einem Schuss Melancholie. Gleich im Opener "FAQ" werden (wie der Titel vermuten lässt) ein paar wichtige Fragen aufgeworfen, große und kleine, die das Leben so stellt. Und musikalisch fließt alles angenehm dahin. Das gilt auch für den wunderbar unaufgeregt-nihilistischen Titeltrack: feingesponnene Gitarren, Martina Strangers Bass läuft geschmeidig, Christoph Lederhilger am Schlagzeug macht alles richtig, aber nichts zuviel, und alles klingt ein bisserl Lo-Fi - einfach schön. Ein gelungenes Stilmittel bei einigen Songs ist wieder der zweistimmige Gesang, bei dem Paul Pluts Reibeisenstimme von Martina Strangers hellem Klang herrlich konterkariert wird.

Das Level an Songqualität auf dem Album ist durchgehend hoch - ein paar Nummern stechen neben dem Titeltrack aber hervor: "Ich lieb dich (tu nur so)" kommt bezaubernd charmant daher, auch das dezent wehmütige "Die Party ist vorbei" und das spaßige "Sag ja (ich bin ruiniert)" bleiben sofort hängen. Im hitverdächtigen Stück "In der Nacht" heißt es dann im Refrain simpel und treffsicher: "In der Nacht endet die Welt, damit sie morgen wieder neu anfängt". Diese cleveren Songs haben alle einen straighten Beat und lassen den Taktfuß wippen. Dazwischen tummeln sich ein paar ruhigere, reduzierte Lieder: In "Schneekanonenteich" etwa nimmt uns Paul Plut mit auf einen Wochenendbesuch in seine steirische Heimat. Und sogar der Titeltrack hat einen zweiten, leiseren Teil, mit dem das Album auch abgeschlossen wird.

Im Begleittext zu "Niemand wird sich erinnern, dass wir hier waren" schreibt Paul Plut: "Wie's aussieht, musste ich 30 Jahre alt werden, um endlich wieder Liebeslieder singen zu können, ohne mich dabei furchtbar peinlich zu finden." Keine Sorge: kitschig ist hier nichts. Aber zum Lächeln gibt's zum Glück genug.

Infos: viech.org

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