Musik

Sopranistin Maria Ladurner: "Wunderschön ist ,Fürchtet euch nicht!'"

Die Sopranistin Maria Ladurner bringt Emotionen in die Weihnachtsgeschichte.

Maria Ladurner ist Solistin in Bachs Weihnachtsoratorium. SN/http://www.marialadurner.com/theresa pewal
Maria Ladurner ist Solistin in Bachs Weihnachtsoratorium.

Die Salzburger Bachgesellschaft macht Stimmung für Weihnachten: Am 21. Dezember führt sie Johann Sebastian Bachs Oratorium für Soli, Chor und Orchester auf. Eine Solistin ist die Sopranistin Maria Ladurner.

Warum ist das Weihnachtsoratorium so populär? Maria Ladurner: Es ist einfach unfassbar schöne Musik. Zur Weihnachtsgeschichte, die erzählt wird, bekommt das Publikum Einblick in Gefühle. Jede Arie vermittelt eine Emotion - das ist wie ein kommentiertes Evangelium.

Welche Emotionen vermittelt diese Musik Bachs? Es ist schwierig in Worte zu fassen, was da mitschwingt - Liebe, Anbetung, unglaublicher Jubel. Die Musik vermittelt zur Weihnachtsgeschichte einen Zugang, der direkt ins Herz führt.

Welche Stelle der Musik erscheint Ihnen effektvoll? Wunderschön ist "Fürchtet euch nicht". Das ist gesanglich nicht besonders schwierig, aber es ist ein großer Moment in der Geschichte. Überhaupt ist "Fürchtet euch nicht" ja ein zentraler Satz des christlichen Abendlands.

In welche Musik ist dieser Satz eingebettet? Der Evangelist erzählt rezitativisch. Wenn er sagt: "Und der Engel sprach zu ihnen", tritt der Sopran als Engel hinzu und singt: "Fürchtet euch nicht, ich verkünde euch eine große Freude …" Das ist ein Accompagnato-Rezitativ mit hohen Streichern. Darauf folgen der Bass mit einem Rezitativ und der Tenor mit einer Arie.

Auch mit Accompagnato klingt das nicht spektakulär. Es ist keine Arie. Aber der Tenor singt davor ein Secco-Rezitativ, also nur mit Continuo. Dann kommen die Streicher dazu! Das ist, als füllte sich alles mit Licht.

Sie kommen mit der Dirigentin Michi Gaigg und dem L'Orfeo Barockorchester. Wie oft sind Sie bisher miteinander aufgetreten? De facto noch nie. Wir hätten in den vergangenen eineinhalb Jahren vieles vorgehabt - wir wären in Linz im Brucknerhaus gewesen, mehrmals in Salzburg, auch in Meran und Brixen. Da hat Corona extrem viel weggenommen.

Sie waren doch bei den Festspielen im Strudengau? Ja, aber nur für zwei Lauten-Liederabende. Aus der Oper im Sommer 2020 ist wegen Corona nichts geworden. Wir hoffen, sie im August 2022 nachzuholen.

Sie singen den zweiten Teil des Weihnachtsoratoriums im Jänner in Graz unter Jordi Savall. 2020 haben Sie bei der Styriarte in einer Oper von Johann Joseph Fux debütiert. Woher rührt die Liebe zur Barockmusik? An der Universität Mozarteum hab ich, erst nur als Zusatzausbildung, den Masterlehrgang Barockgesang bei Ulrike Hofbauer begonnen. Das hat mich gepackt! Diese Emotionalität, diese Affekte in der Musik! Auch das Zusammenspiel mit Barockmusikern ist häufig anders als in der Klassik.

Inwiefern? Als Sänger ist man weniger Solist, sondern mehr einer unter Gleichen. Dieses gleichwertige Miteinander mag ich sehr. Auch wenn das Weihnachtsoratorium mit großem Orchester der Klassik nahekommt, ist der Umgang miteinander stressfreier und angenehmer - auch weil Michi Gaigg eine fantastische Musikerin ist.

Auch Ihre erste CD haben Sie Arien von Johann Joseph Fux gewidmet. Warum? Das ist ein Bekenntnis. Zum einen hat sich das aus dem Biber-Wettbewerb in St. Florian ergeben (den hat sie 2019 gewonnen, Anm.). Zum anderen sollte es Fux sein. Der hat mit seinen theoretischen Werken Generationen von Musikern geprägt, aber als Komponist ist er viel zu wenig geschätzt, obwohl er tolle dramatische und geistliche Musik geschrieben hat.

Was sind nächste Pläne? Zunächst das Weihnachtsoratorium in Graz. Im Sommer bin ich für zwei Opernproduktionen zuerst bei Dorothee Oberlinger bei den Musikfestspielen Sanssouci und dann bei den Festwochen im Strudengau. Mir kommt vor, dass viele Veranstalter coronabedingt erst ab März oder April wieder zu planen beginnen, ab dann ist es aber unglaublich voll.

Am 6. Jänner erscheint zudem die CD: "Storie di Napoli" (mit dem Ensemble la festa musicale und Barbara Heindlmeier, Blockflöte, Anm.). Das ist Musik aus Neapel - von der Volkscanzone bis zu Alessandro Scarlatti.


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