Kultur

Strichcode-Sklaven reisen nach Freistadt

Arbeitende aus Teheran, Berlin, Los Angeles, Bangkok, Wien oder dem Salzkammergut flanieren jetzt über die Wände des Schlossmuseums.

Der Rohstoff für diese fleißigen Männchen stammt aus dem Salzkammergut. SN/oö landesmuseum/astrid esslinger/otto saxinger
Der Rohstoff für diese fleißigen Männchen stammt aus dem Salzkammergut.

Männer und Frauen, die von Hinterhöfen, Lieferanten eingängen oder Müllsammelstellen stammen, haben sich heute, Freitag, auf den Weg nach Freistadt im Mühlviertel gemacht. Damit diese leichtgewichtigen, flachen Wesen genügend Platz haben, um Schatten zu werfen, sichert ihnen die Linzer Künstlerin Astrid Esslinger mit Stecknadeln gebührenden Abstand zur Wand. "Strichcodesklaven" nennt sie die von ihr geschaffenen, 15 bis 50 Zentimeter großen Figuren, die nun eine kleine Ausstellung bilden. Der Name sei ihr im brasilianischen Bahia eingefallen, wo sie begonnen habe, Schachteln zu suchen und als Rohstoff für Kunst zu verwenden, erläutert Astrid Esslinger. Bahia sei einst Zentrum des Sklavenhandels gewesen, "das hängt wie eine Glocke drüber, wie bei uns der Nationalsozialismus". Bald habe sie diesen Begriff für alle ihre Miniskulpturen als passend erachtet, "wir sind eh alle Sklaven dieser globalen Marktwirtschaft".

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