Gesundheit

Ist Obst und Gemüse der Saison wirklich gesünder?

In der Debatte über den Klimawandel stellt man zunehmend lange Transportwege von Obst und Gemüse infrage. Es gibt aber auch einige gesundheitliche Aspekte dabei zu berücksichtigen.

Gegen Ende des Reifeprozesses schmeckt Obst viel süßer. SN/stock.adobe.com
Gegen Ende des Reifeprozesses schmeckt Obst viel süßer.

Ein frisch gepflückter Apfel vom Baum schmeckt süß, ist knackig und saftig. Aber ist er auch gesünder? Christina Scharfetter, Ernährungsexpertin des Vereins Land schafft Leben, der heimischen Lebensmitteln auf den Grund geht, erklärt: "Bei vielen Früchten werden erst gegen Ende des Reifeprozesses fruchteigene Säuren abgebaut. So schmecken ein Apfel und eine Tomate dann sehr viel süßer, als wenn sie deutlich früher geerntet werden." Und das muss Obst zum Beispiel, wenn man es aufgrund langer Transportwege oft schon halbreif erntet.

Säuregehalt kann zu Verdauungsbeschwerden führen

Nachreifende Früchte bilden nach Angaben Scharfetters die Süße beim Lagern nur noch bedingt aus. Auch ist der Säuregehalt dieser Früchte größer. Das habe dann aber auch Auswirkungen auf die Verträglichkeit, betont die Ernährungsexpertin: "Der Säuregehalt von Obst und Gemüse führt bei vielen Menschen zu Verdauungsbeschwerden. Empfindliche Personen sollten deshalb nur vollreife Früchte essen."

Ist frisch geerntetes Obst und Gemüse vitaminreicher?

Ob jetzt aber frisch geerntetes Obst und Gemüse tatsächlich auch mehr Vitamine, Mineralstoffe und sonstige sekundäre Pflanzenstoffe enthält, ist wissenschaftlich nicht belegt. Das hängt, wie Scharfetter erläutert, auch sehr stark von der Düngung, der Witterung und der Sonneneinstrahlung ab. "Es wäre unseriös zu sagen, dass Obst und Gemüse aus dem Glashaus weniger Vitamine und Mineralstoffe hat." In diesem Zusammenhang stellt sich natürlich die Frage, was heute noch als saisonal gilt, wenn durch Glashäuser und Folien Gemüse und Obst praktisch das ganze Jahr über verfügbar ist. Scharfetter: "In Glashäusern werden oft Steinwollmatten statt Erde verwendet. Vom gesundheitlichen Wert macht das keinen Unterschied. Den kann man nur aufgrund des ökologischen Fußabdrucks messen."

Saisonales Essen ist vor allem für Allergiker bedeutsam

Aus ernährungsphysiologischer Sicht könne man seinen individuellen Nährstoffbedarf an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen jedenfalls ausschließlich mit heimischen Lebensmitteln decken, sagt die Ernährungsexpertin. "Wenn man sich dazu am saisonalen Angebot orientiert, enthält der individuelle Speiseplan mehr Abwechslung, auch was die unterschiedlichen Nährstoffe betrifft." Saisonal zu essen ist nach Angaben Scharfetters vor allem für Allergiker von Bedeutung. So würden zum Beispiel Menschen mit einer Birkenpollenallergie zu rund 50 Prozent auch unter einer Apfelallergie leiden. Dazu kommt, dass der Allergengehalt im Apfel mit zunehmender Lagerungsdauer zunimmt. "Das heißt für Birkenpollenallergiker, dass ein Apfel im Frühling nach mehrmonatiger Lagerung eher allergische Reaktionen auslösen kann als ein frisch geernteter Apfel im Herbst", erklärt Scharfetter.
Ein Tipp dazu: Da die Apfelallergene instabil sind, lohnt es sich, Äpfel zu reiben. Auch kochen hilft. Die Allergene verlieren an Wirkung, wenn sie mit Sauerstoff in Kontakt kommen. Kochen ist für Scharfetter auch das Stichwort, wenn es darum geht, sich tatsächlich an saisonalen Produkten zu orientieren: "Oft fehlen heute die Kochkenntnisse. Manche tun sich schwer, mit Wintergemüse umzugehen. Was mache ich etwa mit Kraut und Rüben?"

Aufgerufen am 27.11.2021 um 07:33 auf https://www.sn.at/leben/gesundheit/ist-obst-und-gemuese-der-saison-wirklich-gesuender-77092210

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