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Nachhaltige Mode: 5 Fragen zum bewussten Umgang mit Kleidung

Nachhaltigkeit und ein bewusstes Leben bewegen in beinahe allen Bereichen des Alltags. Ökologische Kleidung, Kleidertauschbörsen, etc. boomen seit einigen Jahren und haben die Modebranchen verändert. Ein Umdenken war und ist hier nach wie vor besonders wichtig, denn die Produktion sowie der Umgang mit Kleidungsstücken haben eine drastische Auswirkung auf die Umwelt. Hier ein paar Fragen, die man für den nächsten Einkauf im Hinterkopf behalten sollte.

Was versteht man unter nachhaltiger Kleidung und was sollte man beim Kleiderkauf beachten? Ein paar Fragen an die Modebranche. SN/pexels
Was versteht man unter nachhaltiger Kleidung und was sollte man beim Kleiderkauf beachten? Ein paar Fragen an die Modebranche.

Das Thema Nachhaltigkeit wird gerne den Produzenten und Modelabels zugespielt, doch Nachhaltigkeit geht wirklich alle etwas an. Soziale, ökonomische und ökologische Verantwortung hört nicht beim Hersteller auf, sondern geht zum Käufer bzw. Konsumenten über.

In Bezug auf Kleidung hat sich Nachhaltigkeit mittlerweile bei vielen Menschen zum Trend entwickelt - der Begriff Minimalismus kommt hier gerne auf. Es muss kein überfüllter Kleiderschrank sein, mit billigen Stücken die jede oder jeder Dritte am Leib trägt. Gezieltes einkaufen und Kleidung so lange tragen, bis sie wirklich nicht mehr passt, gefällt oder wahrhaftig am "letzten Faden" hängt. Für uns 'Kunden' liefern wir Inspirationen und Informationen zum bewussten Umgang mit Mode und Kleidung:

1. Second-hand: Muss es immer neu sein?

Kleidungsstücken eine zweite Chance geben. Flohmärkte, Kleidertauschbörsen und online Portale sowie Apps, auf welchen "Second Hand" Mode angeboten und erstanden werden kann, erfreuen sich großer Beliebtheit. In ganz Österreich gibt es mehrmals im Jahr Veranstaltungen, die sich dem Verkauf von getragenen Kleidungsstücken widmen. Gebraucht kaufen schont die Umwelt und den Geldbeutel. Wer gerne stöbert, kann qualitativ hochwertige Ware zu einem erschwinglichen Preis finden. Ob Markenprodukte oder Mode aus Billigläden - wer Kleidungsstücke aus zweiter Hand ersteht, ermöglicht stylischen und teils sogar beinahe ungetragenen Teilen ein langes Leben.

Bevor das Kleidungsstück entsorgt wird macht es durchaus Sinn, sich im Freundeskreis umzuhören, ob jemand Interesse hätte. Besonders bei den Jungen hat das wortwörtliche "Kleidung tauschen" in den letzten Jahren einen Aufschwung erlebt. Was nicht mehr passt oder gefällt, wird einfach mit einem schönen Teil aus dem Kleiderkasten der Freundin oder des Freundes getauscht (mit deren Zustimmung natürlich). Eine win-win-Situation sozusagen, denn beide Parteien freuen sich dadurch über ein neues Kleidungsstück im Schrank.

2. Kleiderkauf: Was versteht man unter ökologischer Mode?

Wer sich mit Second-hand-Ware nicht anfreunden kann oder einfach mal ein neues Teil möchte, der ist mit nachhaltigen Modelabels beziehungsweise Shops gut beraten. Ob online oder vor allem in den Hauptstädten Österreichs - wer sucht, findet bestimmt etwas Passendes. Wer Biomode, Organic Clothing oder nachhaltige und faire Mode hört, der denkt oft an den selbstgestrickten Pullunder von Oma oder Hosen und Oberbekleidung, die an einen Patchwork Teppich erinnern. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und daher hat sich die Modebranche hier besonders viel einfallen lassen.

Ökomode wird in der Regel aus umweltfreundlichen Materialen hergestellt. Es wird beim Anbau und der Produktion auf faire Löhne, ausreichend Schutz beim Umgang mit Chemikalien und angemessene Arbeitszeiten geachtet. Es geht um die Schonung der Ressourcen und die Einhaltung von strengen Sozialstandards. Vor dem Kauf empfiehlt es sich auf der Webseite eines Unternehmens mehr über die Herstellung und die Materialien zu erfahren oder dies direkt im Shop zu erfragen. In der Flut der Öko-Textilsiegel verliert man leicht den Überblick, also einfach vor dem Kauf nachfragen.

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl an Unternehmen, die mit ihrem Angebot stark auf Nachvollziehbarkeit und Transparenz setzen und die gesamte Produktionskette offen kommunizieren.

Nachhaltige Mode in Salzburg
In Salzburg hat sich das aus Graz stammende Modelable Zerum in der Wolf-Dietrich-Straße 4 niedergelassen. Gegründet wurde 2009, mit dem Hintergrund, Mode unter fairen und nachhaltigen Bedingungen zu produzieren. Ein Blick in den Store oder in den Onlineshop zeigt, dass bewusst produzierte Mode keine Grenzen hat. Von T-Shirts mit angesagten Drucken und Sprüchen bis hin zu Unterwäsche und Accessoires.

Seit über 20 Jahren kehren die Salzburger und Salzburgerinnen in der Sigmund-Haffer-Gasse 9 ein, denn bei CRAI findet man besondere Stücke für Erwachsene und Kinder. Im Shop wird Kleidung von ausgewählte Marken angeboten. So zum Beispiel das deutsche Label ARMEDANGELES, welches neben einer Fairtrade, auch eine GOTs Zertifizierung vorweisen kann und somit hinter ökologischen Substanzen und einer umweltverträglichen Produktion steht.

Auf der Suche nach nachhaltigen und umweltfreundlich produzierten Produkten in Salzburg? Hier gibt es eine Liste mit Unternehmen, die sich einem schonenden Lifestyle verschrieben haben.

3. 'Used Look': Kann man Trends ohne Bedenken folgen?

Die geliebte Jeans, die einst als robuste Arbeitshose zum Einsatz kam, ist mittlerweile so viel mehr als nur blau. In den Shops hängen sie in unterschiedlichen Farben, kurz oder lang, mit Nieten und Muster und mit oder ohne Löcher. Mal ehrlich, wer hat es noch nicht erlebt, dass die liebe Großmutter einem einen Geldschein zusteckt, mit den Worten: "Damit du dir eine neue Hose kaufen kannst. Deine ist ja schon ganz kaputt".

Doch wir geben Geld dafür aus weil es einfach gefällt und weil der "Ich-hab-einfach-schnell-etwas-drüber-geworfen-und sehe-fantastisch-aus" - Look salonfähig geworden ist. Doch was steckt hinter dem sogenannten used look - wie wird die Hose optisch von Neu zu Gebraucht ohne vorab jemals ein Bein bedeckt zu haben?

Zerrissene Jeans - der ’used look’ ist bei Hosen besonders beliebt. Für die Herstellung gehen ArbeiterInnen hohe Risiken ein. SN/pexels
Zerrissene Jeans - der ’used look’ ist bei Hosen besonders beliebt. Für die Herstellung gehen ArbeiterInnen hohe Risiken ein.


Mit fairen Arbeitsbedingungen in der Bekleidungs- und Schuhproduktion, setzt sich seit 1996 die Clean Cloth Kampagne (CCK) auseinander. Sie möchten unter anderem aufzeigen, unter welchem Druck und unter welchen Bedingungen ArbeiterInnen in Fabriken ihr Handwerk verrichten. Was den used look betrifft, wird dieser in vielen Fällen mit Sandstrahlen hergestellt. Sand fliegt dabei unter Hochdruck auf das Material. Der Sand enthält Quarz, welcher von den ArbeiterInnen eingearbeitet wird und dabei ein hohes Gesundheitsrisiko darstellt. Die Methode, mit Sandstrahlen das Material aufzuweichen und einen used look zu kreiere, ist in der Produktion nicht teuer. Das Einatmen von großen Mengen Quarzstaub kann zu irreversiblen Lungenschäden führen.
2009 wurde in der Türkei ein offizielles Verbot ausgesprochen, Bekleidung mit Sandstrahlen zu bearbeiten. Im Zuge dessen haben laut dem türkischen Solidarity Commitee einige Jeansproduzenten ihre Produktion nach Syrien, Bangladesch und China verlegt, wo das Sandstrahlen auch heute noch durchgeführt wird.
Wer auf den used look nicht verzichten oder einer ungeliebten Jeans ein neues Aussehen verpassen möchte, der findet im Internet eine Vielzahl an Videos und Anleitungen zum Selbermachen:

4. Chemikalien: Welche Stoffe sind für Gesundheit und Umwelt unbedenklich?

Zwar stimmen uns bunte Kleidungsstücke auch am düstersten Tag fröhlich, doch wer sich näher damit beschäftigt wie in Färbereien gearbeitet wird und welche Giftstoffe auf der Haut und im Abwasser landen, wird beim nächsten Einkauf hoffentlich mehr auf Herkunft und Herstellungsverfahren achten.
Wenn man als Kind mit einem neuen T-Shirt oder einer neuen Hose belohnt wurde, wollte man das neue Lieblingsstück meist sofort, oder spätestens am nächsten Tag, den Freunden präsentieren. Doch meist haben hier die Eltern interveniert, denn Kleidung gehört vor dem ersten Tragen gewaschen. Doch warum eigentlich?

Beim Färben kommen eine Vielzahl an Chemikalien und Schwermetalle zum Einsatz. Diese landen am Ende im Abwasser. Doch nicht nur das Färben belastet die Umwelt. Chemikalien werden auch eingesetzt um Kleidungsstücke weicher, knitterfrei oder wasser- und schmutzabweisend zu machen. Die eingesetzten Giftstoffe können zu Hautreizungen führen, das Nervensystem schädigen und laut einer Vielzahl an Studien, auch das Krebsrisiko erhöhen.

Darum lohnt es sich, nach dem Kauf die Kleidung erstmal zu waschen. Hier spielt auch Mikroplastik eine essentielle Rolle, denn der Einsatz von synthetischen Materialen in der Modebrache boomt. Rund 60% unserer Kleidung enthält Polyester. Doch auch Polyacryl, Nylon, und Elasthan zählen zu den Kunstfasern, die aus Erdöl hergestellt werden und beim Waschen Mikroplastik-Partikel abgeben.
Auch die Herstellung von halbsynthetischen Fasern kommt nicht ganz ohne Einsatz von Chemie aus, doch die Fasern sind schonender für die Umwelt. Darunter fällt zum Beispiel Viskose, welche aus Holzfasern gewonnen wird. Viskose, Modal und Lyocell gelten bei der Herstellung als umweltfreundlicher und die bei der Herstellung oder beim Waschen freigesetzten Fasern sind biologisch abbaubar. Zu den Naturfasern zählen Stoffe wie Baumwolle, Wolle, Seide, Leinen und Hanf. Doch auch wenn Naturfaser ethisch vertretbar klingt, werden beim Anbau Pestizide eingesetzt und Giftstoffe sorgen für die Farbe. Darum lohnt sich ein Griff zu zertifizierter Bio-Baumwolle oder Bio-Leinen, denn hier werden vom Anbau bis hin zur Produktion weniger Chemikalien eingesetzt.

5. Saubere Kleidung: Wie geht nachhaltiges Wäsche waschen?

Pro Waschgang brauchen wir ungefähr 60 Liter Wasser. Das ist auch zirka die Menge, die wir Menschen im Durchschnitt bei einem 5-minütigen "Waschgang" bzw. einer Dusche benötigen. Gar nicht so wenig also.
Vor dem Waschen sollte die Wäsche vorsortiert werden, denn für alle Materialien gibt es unterschiedliche Waschprogramme. Viele Waschmaschinen haben auch ein Öko-Programm, welches meist für unempfindliche Stoffe geeignet ist. Wer die dreckige Wäsche nach Farbe und Material trennt, kann das richtige Programm wählen und schont Kleidung und Geldbeutel. Denn vor allem feine Stoffe sind schon mit einem kurzen und energiesparendem Programm zufrieden.
Generell gilt, dass nicht stark verschmutzte Kleidung mit 30 Grad gewaschen werden kann. Bei Handtücher und Bettwäsche empfiehlt sich aus hygienischen Gründen ein 60 Grad Durchgang. Neben der Temperatur spielt auch das Waschmittel eine Rolle, denn die Chemikalien gelangen in das Abwasser und belasten somit die Umwelt. Daher lieber zu einem schonenden Waschmittel greifen oder einfach eines selbermachen:



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