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Warum Bäume kahl werden

Die Laubbäume leuchten in den schönsten Farben. Doch im Lauf des Herbsts werfen sie alle Blätter ab. Das ist ziemlich schlau.

Der Baum speichert das wertvolle Chlorophyll. Dann werden die anderen Farben sichtbar. SN/robert ratzer
Der Baum speichert das wertvolle Chlorophyll. Dann werden die anderen Farben sichtbar.

Orange, Gelb und Rot leuchtet es in den Wäldern - aber schon bald werden auch die letzten Blätter abfallen und dann sind die Äste wieder kahl.

Auch wenn es auf den ersten Blick schwer vorstellbar ist: Wenn die Blätter abfallen, dann dient das auch dem Schutz der Laubbäume.

Die meiste Zeit des Jahres sind die Blätter ja grün, das macht das sogenannte Chlorophyll. Das ist so stark, dass die anderen Farbstoffe nicht zu sehen sind, obwohl sie da sind. Elisabeth Scheicher leitet die "Grüne Schule Salzburg", die zur Uni Salzburg gehört. Sie weiß, was im Herbst mit den Bäumen passiert. "Chlorophyll macht die Pflanzen nicht nur grün", sagt Elisabeth Scheicher. Es sei auch dazu da, dass der Baum - mithilfe von Sonnenlicht - Kohlendioxid der Luft und Wasser in Traubenzucker und Sauerstoff umwandelt. Den Zucker speichert der Baum als Nahrung, den Sauerstoff gibt er ab. Im Spätherbst und im Winter aber reicht die Sonnenenergie nicht mehr aus, um Traubenzucker herzustellen. Daher bauen die Bäume das wertvolle Chlorophyll ab und speichern es in Stamm, Wurzeln oder den Ästen - bis zum Frühling. Weil der Baum den grünen Farbstoff innen speichert, kommen nun die anderen Farbstoffe zum Vorschein, zum Beispiel die gelben und orangen (diese heißen Carotine und Xanthophylle). Die rote Farbe entsteht erst im Herbst. Sie heißt Anthocyan und dient dem empfindlichen Blattgewebe als Sonnencreme, wenn im Herbst Kälte und Sonne gleichzeitig auf die Blätter wirken.

Aber warum fallen die Blätter ab? Man könnte ja meinen, die würden den Baum im Winter wärmen. So ist es aber nicht: Denn über die Blätter verdunstet viel Wasser. Das wäre im Winter allerdings gefährlich für den Baum: Er könnte vertrocknen, weil er das Wasser selbst braucht oder sogar erfrieren, wenn es kälter wird. Daher wirft der Baum seine Blätter ab, indem er ihnen - ganz einfach gesagt - die Wasserzufuhr abschneidet: Dazu bildet sich zwischen Ast und Blatt eine Korkschicht, so kann auch kein gespeichertes Wasser mehr verdunsten.
Sind die Blätter dann auf den Boden gefallen, freuen sich viele Kleinlebewesen wie Käfer, Würmer oder Asseln darüber - und auch Bakterien und Pilze. Durch sie alle werden die Blätter schließlich zersetzt und es entsteht der Humus, eine neue, nährstoffreiche Erde. Im Garten wiederum haben die Menschen weniger Freude mit dem Laub. Hier wird das Laub meist zusammengesammelt. Elisabeth Scheicher sagt, dass man einen großen Laubhaufen damit machen und auch etwas altes Holz und Reisig dazutun kann. Dann haben nämlich einige Tiere ein Winterquartier, allen voran der Igel. Daher sollte man einen großen Laubhaufen auch nicht absichtlich zerstören. Denn darin könnte ein Tier wohnen.


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