Kopf des Tages

Harald Preuner - Fahrschulbesitzer nutzte seine letzte Chance

Im dritten Anlauf erklomm Harald Preuner den Bürgermeistersessel.

Sehen und gesehen werden. Das ist Pflicht im Café Bazar. Dort, wo sich morgens Politiker und Journalisten gegenseitig beim Intrigieren und Netzwerken beobachten, geht Harald Preuner seit seiner Jugend ein und aus. Preuner ist oft im Bazar. Sehr oft. Das merkt man daran, dass ihn die Gäste an jedem dritten Tisch grüßen. Kellner Wolfgang hat auch dann einen Tisch für ihn, wenn das Café voll ist. Neuerdings hört Preuner nicht nur "Servus Harry", sondern auch "Griaß di, Bürgermeister" von den Kaffeehausbesuchern.

Preuner bestellt das, was nicht auf der Karte steht: einen Hauskaffee. "Früher haben wir uns hier im Bazar immer vor dem Fortgehen getroffen." Der neue Bürgermeister der Stadt Salzburg schmunzelt bei den Erzählungen, wie er früher um die Häuser zog. Aus seinen Jugendtagen kennt Preuner auch einen gewissen Wilfried Haslauer junior, heute besser bekannt als Landeshauptmann. Haslauer war es, der Preuner 1998 überredete, dass sich der Fahrschulbesitzer doch in der Stadtpolitik engagieren solle. Auf Listenplatz 11 schaffte es Preuner 1999 in den Gemeinderat. "Ohne große Ambitionen, sondern eher nach dem olympischen Motto: Dabei sein ist alles", erzählt der 58-Jährige heute. Politische Gegner witzeln, dass dieses Motto für den "Harry" wohl immer noch gelte. Zumindest galt Preuner in der Stadtregierung bislang nicht als Workaholic.

Preuner und Haslauer verbindet weit mehr als nur die Parteifarbe

Als er 2004 die Nachfolge von Karl Gollegger antrat und als Bürgermeister-Stellvertreter in die Stadtregierung einzog, war auch Jugendfreund Haslauer plötzlich in der Politik gelandet - als Landeshauptmann-Stellvertreter. Preuner und Haslauer verbindet weit mehr als nur die Parteifarbe. Während Haslauer als Anwalt in den 1990er-Jahren Preuners erste Ehe von einer Staatsanwältin geschieden hat, war dieser wiederum Trauzeuge bei Haslauers dritter Hochzeit.

Dass der Diplomingenieur bei der ÖVP und nicht bei einer anderen Partei gelandet ist, ist nicht verwunderlich: "Mein Vater war ein eing'nahter Schwarzer, da hat's keinen Wackler gegeben. Er hat sogar etliche Wahlkämpfe mitbetreut, etwa den von Waldheim", erzählt Preuner. Streng sei er gewesen, sein Vater. "Er hat sich alles aufgebaut, hat die Fahrschule gegründet und in Seekirchen gebaut. Er wollte immer Eigentum schaffen, nicht mieten." Den Führerschein durfte der Sohn des Fahrschulinhabers trotzdem nicht im eigenen Betrieb machen. "Mein Vater sagte: Daheim lernst nix, fahr nach Radstadt zum Pewny." Auto fahren konnte Preuner natürlich lange bevor er den rosaroten Schein hatte: "Ich bin ja dauernd schwarz gefahren." Irgendwie passend zur Parteifarbe.

Einmal im Jahr machte Familie Preuner Skiurlaub

Im Hause Preuner habe trotz des florierenden Unternehmens kein Wohlstand geherrscht. "Mein Vater hat alles in den Betrieb investiert. Wenn mein Vater und meine Mutter ausgegangen sind, musste immer meine Mutter zahlen." Ein Mal pro Jahr rund um Weihnachten stand der Skiurlaub auf dem Programm. "Den haben wir uns geleistet." Geurlaubt wurde "in einem Kaff 30 Kilometer vor St. Moritz". Später sei die Familie einmal nach St. Anton am Arlberg zum Skiurlaub. Preuners erster Skilehrer hieß damals Karl Schranz. Hobbysportler ist aus Preuner aber keiner geworden: "Ich schwitze nicht gern." Skifahren gehe so. Die zwei Brettln stünden aber eher vor der Skihütte. Oder wie es Preuner verschmitzt nennt: "Die Barhocker-Ostwand ist meine Lieblingsabfahrt."

In seiner Jugend war schnell klar, dass er die Fahrschule seines Vaters übernimmt. Nach der HTL für Maschinenbau und dem Studium in Graz tat er das 1985 auch. "Endlich war ich mein eigener Herr", schildert er. Doch so unbeschwert ging das Leben nicht weiter. Nachdem sein Vater an Magenkrebs erkrankt war, bekam auch Harald Preuner mit 26 Jahren die Diagnose Krebs. Im Herbst 1986 wurde Preuner im Landeskrankenhaus operiert. Weil auch die Lymphknoten befallen waren und sich erste Metastasen in der Lunge gebildet hatten, folgte rund um Weihnachten 1986 die erste Chemotherapie, gleich darauf die zweite. "Da wird dir schon einiges bewusst, wenn du so daliegst und das in dich hineinrinnt." Das große Zittern habe danach begonnen, ob die Blutwerte passen oder der Krebs zurückkehrt. Heute geht Preuner halbjährlich zur Untersuchung. Den Krebs hat er besiegt. Aber seit dieser Erfahrung sieht er einiges gelassener, auch in der Politik. "Ich denke, es gibt Wichtigeres im Leben." Preuners Mutter starb mit 84 an Krebs. Den blauen Siegelring, den sie ihm 1979 zur Matura geschenkt hat, trägt er heute noch.

Was Preuner als Bürgermeister anders machen wird

Die Fahrschule in der Schallmooser Hauptstraße führt mittlerweile seine Frau "Ali". Die Wohnungen darüber werden vermietet. "Sie meint, ich bin ein schlechter Autofahrer und habe zu wenig Praxis", gesteht Preuner lachend.

Politisch ist Preuner in den vergangenen Jahren hauptsächlich mit dem Bettelverbot aufgefallen. Er betreibe Law-and-Order-Politik, attestieren ihm politische Gegner. Als Hardliner bezeichnen ihn andere. Was er als Bürgermeister anders machen wird? Mega-Projekte hört man aus seinem Mund keine. Im Gegenteil: "Ich würde Salzburg weiterentwickeln, die Stadt als wunderschöne und lebenswerte Stadt erhalten. Es ist nicht alles schlecht gelaufen in den vergangenen Jahren", sagte er noch vor der Wahl. In Sachen Verkehr hegt Preuner keine großen Umbrüche: "Es braucht sanften Druck auf die Pendler. Aber es braucht keine großartigen Dinge im Verkehr. Die gehören nur besser aufeinander abgestimmt."

18 Jahre lang war Preuner neben Heinz Schaden (SPÖ) die Nummer zwei und hat sich mehr oder weniger damit abgefunden. Dieses Image des ewigen Zweiten hat er sich nun abgelegt.

Aufgerufen am 23.10.2018 um 12:37 auf https://www.sn.at/panorama/international/harald-preuner-fahrschulbesitzer-nutzte-seine-letzte-chance-20404465

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